Schicksalswahl Sachsen‑Anhalt? Der Deep Dive viereinhalb Monate vor der Wahl.
Shownotes
Sachsen-Anhalt, seine Menschen und das Wahljahr 2026.
In dieser Folge von "2,1 Millionen" besprechen die Journalisten Max Hunger und Hagen Eichler die großen Fragen vor der Landtagswahl am 6. September 2026.
In einem Deep Dive analysieren sie die gesellschaftlichen Herausforderungen, die politische Landschaft und die Emotionen der Wähler, insbesondere im Hinblick auf das Erstarken der AfD als potenzielle Regierungspartei.
Es geht um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Sachsen-Anhalts und die Folgen auf die Stimmung in der Bevölkerung. Weitere Schwerpunkte sind Bildung und Migration.
Zudem besprechen Max Hunger und Hagen Eichler die wichtigsten Themen aus Sicht der jüngeren Generation in Sachsen-Anhalt und die Folgen für die Wahl im September. Sie laden Zuhörerinnen und Zuhörer ein, aktiv am politischen Diskurs und den Themen der kommenden Folgen teilzunehmen.
Shownotes
🔎Zur aktuellen Wahlumfrage: - Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Neueste Wahlumfrage | Sonntagsfrage #ltwlsa
📄Die Wahlprogramme
- SPD: SPD-Wahlprogramm-2026.pdf
- AFD: AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt
- DIE LINKE: 2026-03-19Landtagswahlprogrammfinal.pdf
- BSW: BSWLandtagswahlprogrammSachsenAnhalt.pdf
Entwürfe:
- CDU: entwurfregierungsprogramm20262026-03-24.pdf (entwurf)
- Die Programme/Programmentwürfe von BÜNDNDISS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sind noch nicht veröffentlicht (Stand 23.04.2026)
📰Andere Berichte zur Landtagswahl
- In Germany’s East, the Far Right Could Soon Take Power. This Is Its Plan. - The New York Times
- Das Magdeburg-Szenario: Was passieren könnte, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regiert - DER SPIEGEL
- Sachsen-Anhalt: Fünf Parteien gegen die AfD – CDU verteidigt Gesetzespaket mit Grünen und Linken - WELT
- Landtagswahl im September: AfD-Alleinregierung in Sachsen-Anhalt? Was die Partei vorhat | DIE ZEIT
⚖️Bundesland unter Zwangsverwaltung?
Art 37 im: GG - Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
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👥Das Team hinter dem Podcast:
- Host: Max Hunger, Lena Bellon, Elisa Schulz, Jan Schumann
- Redaktion: Frank Rugullis
- Mitarbeit: Frank Krause, Til Gerloff
- Grafik: Tobias Büttner
Transkript anzeigen
00:00:00: Wenn ich mir Ihre Person hier vorstelle, dann wäre das ein Grund für mich,
00:00:03: da nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.
00:00:07: Ja, wir erleben jetzt im März 2026 Geschichte und in wenigen Jahren wird man
00:00:11: auf diese Zeit zurückblicken und das genau so einordnen.
00:00:14: Wenn wir, meine Damen und Herren, den Kampf um unsere Demokratie gewinnen wollen,
00:00:17: dann müssen wir die Herzen wieder zurückgewinnen.
00:00:20: Wir werden unsere Kultur nicht Nationalisten und Identitären Ideologen überlassen.
00:00:25: 2,1 Millionen, der Politik-Podcast von Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme.
00:00:31: In viereinhalb Monaten ist es soweit. Sachsen-Anhalt wählt einen neuen Landtag.
00:00:37: Diese Wahl betrifft euch da draußen direkt.
00:00:40: Womöglich euren Job, eure Miete, eure Familie, auf jeden Fall aber eure Zukunft
00:00:44: hier in Sachsen-Anhalt.
00:00:46: Dabei kann es manchmal schwer sein, den Überblick zu behalten,
00:00:49: worum es bei der Wahl eigentlich geht und ganz wichtig, was das eigentlich für
00:00:52: uns alle im Alltag bedeutet. Und das wollen wir ändern.
00:00:56: Wir, das ist 2,1 Millionen, der Politik-Podcast für Sachsen-Anhalt.
00:01:00: Und ich freue mich ganz doll, dass ihr dabei seid.
00:01:03: Mein Name ist Max Hunger. Ich bin Reporter in Halle und einer von vier Hosts dieses Podcasts.
00:01:08: Und ich gehe in meinem Beruf schon seit Jahren der Frage nach,
00:01:11: was die Menschen in Sachsen-Anhalt eigentlich bewegt.
00:01:13: Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der Mitteldeutschen Zeitung
00:01:17: und der Volksstimme schauen wir uns dieses Wahljahr deshalb ganz genau an.
00:01:21: Was passiert vor den Kulissen? Was passiert hinter den Kulissen?
00:01:23: Wer setzt sich durch? Und was bedeutet das eigentlich für uns alle?
00:01:27: 2,1 Millionen, das sind alle Menschen, die in Sachsen-Anhalt leben. und am 6.
00:01:32: September wählen ungefähr 1,7 Millionen von ihnen einen neuen Landtag und bestimmen
00:01:36: damit, wie dieses Bundesland in den nächsten Jahren aussehen wird.
00:01:39: Wir begleiten das VARIA deshalb jede Woche mit Recherchen, Einordnungen,
00:01:43: Gesprächen, interessanten Gästen und wollen dabei klare Antworten liefern.
00:01:47: Dabei wollen wir auch euch mit einbeziehen und das mit euch zusammen machen.
00:01:51: Wenn ihr also jetzt schon Anregungen, Feedback, Wünsche habt zu Themen,
00:01:55: die wir hier besprechen wollen, dann schreibt uns unbedingt an podcast.volksstimme.de
00:01:59: Und ich verspreche euch, wir werden jede einzelne E-Mail lesen.
00:02:02: In dieser ersten Folge wollen wir uns den großen Fragen nähern und eine Art
00:02:07: Bestandsaufnahme viereinhalb Monate vor der Wahl machen.
00:02:10: Wir nehmen diesen Podcast dazu auf am 22.
00:02:13: April ungefähr gegen 10 Uhr hier im Podcaststudio in Halle und haben uns einen Gast dafür eingeladen.
00:02:19: Und ich kann ganz beruhigt sagen, er ist einer der Experten für die Landespolitik in Sachsen-Anhalt.
00:02:24: Beobachtet als Landtagskorrespondent für die Mitteldeutsche Zeitung schon seit
00:02:27: Jahren die Prozesse, Ränkespiele, Konflikte im Landtag von Magdeburg.
00:02:32: Hat einen direkten Draht zu vielen Abgeordneten und vor allem immer einen kritischen
00:02:36: Blick auf das, was die Politiker in Magdeburg tun.
00:02:39: Ganz herzlich willkommen, Hagen Eichler.
00:02:42: Hallo Max, freut mich hier zu sein.
00:02:43: Hallo Hagen. Ich freue mich mega, dass du heute da bist und wir die erste Folge gestalten dürfen.
00:02:50: Und wir blicken ja auf eine Wahl, die, so wie ich das wahrnehme,
00:02:55: keine gewöhnliche Landtagswahl ist.
00:02:57: Landtagswahl ist natürlich immer was Besonderes, aber diese scheint mir schon
00:03:00: unter einem besonderen Vorzeichen zu stehen. Und damit bin ich,
00:03:04: glaube ich, auch nicht alleine.
00:03:05: Unser ehemaliger Bundespräsident Joachim Gauck hat diese Wahl in Sachsen-Anhalt
00:03:09: kürzlich als Schicksalswahl bezeichnet. Würdest du das auch so sehen?
00:03:15: Ja, das ist so,
00:03:16: Das kann man so sagen, wobei man nicht davon ausgehen kann, dass das sozusagen
00:03:21: jetzt ein einmaliges Ereignis wird,
00:03:23: sondern wir stehen bundesweit gerade davor,
00:03:26: Eine Reihe solcher Schicksalswahlen zu haben. Also wenn die AfD in Sachsen-Anhalt
00:03:30: hier eine Regierung beteiligt, dann wird das auf jeden Fall einen großen Einschnitt
00:03:35: bedeuten in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands insgesamt, kann man sagen.
00:03:39: Aber wenn es hier nicht passiert, kann es auch woanders passieren.
00:03:41: Das kann dann ein paar Wochen später in Mecklenburg-Vorpommern passieren,
00:03:44: Auch bei anderen Landtagswahlen.
00:03:45: Also die AfD ist in vielen Ländern sehr stark. Von daher, ja, Schicksalswahl,
00:03:49: Aber es ist nicht irgendwie ein einmaliges Ereignis, sondern ein anhaltender Prozess.
00:03:55: Du hast es jetzt schon gesagt, Schicksalswahl bezieht sich vor allem auf die
00:03:59: starke Position der AfD jetzt vor der Wahl.
00:04:02: sag mal kurz, warum ist das für dich warum macht diese Wahl das für dich zu einer Schicksalswahl
00:04:10: Wenn die AfD.
00:04:11: Eine Regierung bilden kann in Sachsen-Anhalt, wäre das ein Ereignis,
00:04:16: was es so noch nicht gegeben hat seit Kriegsende.
00:04:18: Also es wäre das erste Mal, dass eine Partei der äußersten Rechten eine Regierung
00:04:23: in Deutschland stellt oder in ihr beteiligt ist.
00:04:25: Und es hat natürlich in der Vergangenheit schon mal starke Rechtsparteien gegeben.
00:04:31: In Baden-Württemberg schon mal
00:04:32: in den 60ern, auch in Sachsen-Anhalt gab es schon mal stärkere Parteien.
00:04:36: Aber in Regierungsnähe waren die jedenfalls nie. Und das hat jetzt die AfD zum ersten Mal geschafft.
00:04:41: Sie hat diese Chance, zum ersten Mal ein Land mitzuregieren.
00:04:44: Und sie sehen das selber auch so als Einschnitt. Also sie bewerben das auch
00:04:48: so. Und ich denke, in dem Punkt haben sie auch recht. Es wäre ein Einschnitt.
00:04:51: Und wenn wir aber auf die letzte Landtagswahl 2021 blicken, da erinnere ich
00:04:57: mich daran, dass es damals auch schon eine Umfrage kurz vor der Wahl gab,
00:05:00: wo die AfD auch stärkste Kraft war.
00:05:03: Siehst du jetzt einen Unterschied zur Situation jetzt? Also spürst du vielleicht
00:05:06: auch irgendwie eine Wechselstimmung, dass wir viele Menschen sich tatsächlich
00:05:10: einen Umbruch wünschen?
00:05:11: Ja, ich glaube, es ist nicht ganz vergleichbar mit der Wahl damals.
00:05:14: Damals war es ein großes Erschrecken,
00:05:16: als kurz vor der Wahl 2021 diese
00:05:20: Umfrage rausgekommen ist, dass die AfD stärkste Partei werden könnte.
00:05:24: Und das hat dann sehr viele Leute nochmal dazu bewegt, sich anders zu
00:05:27: Entscheiden oder zur Wahl auch zu gehen.
00:05:29: Und das hat ja dann dazu geführt.
00:05:30: Dass die CDU deutlich vorn lag beim letzten Mal.
00:05:34: Diesen Effekt wird es wahrscheinlich dieses Mal nicht so geben,
00:05:36: weil viele Menschen auch sehr sicher sind, dass sie die AfD dieses Mal wählen wollen.
00:05:41: Warum glaubst du das, dass die sich diesmal sicherer sind als beim letzten Mal?
00:05:45: Und viele Menschen haben sich an den Gedanken gewöhnt, dass es einen wirklichen
00:05:51: Umbruch braucht, dass es mit den Parteien, die bislang die geschicke Sachsen-Anhalts
00:05:57: gelenkt haben, seit 1990 so nicht weitergehen soll.
00:05:59: Sie wollen einen wirklichen Bruch und da kann jetzt auch, glaube ich,
00:06:05: so eine Umfrage nichts mehr ändern.
00:06:08: Die AfD liegt
00:06:09: Ja jetzt schon vorn auf Platz 1,
00:06:11: Also seit mehreren Umfragen ist das ganz deutlich, also deutlich vor der CDU und
00:06:17: Deswegen glaube ich,
00:06:18: würde das so nicht funktionieren.
00:06:19: Wobei, du hast es angesprochen, Wechselstimmung. Eine Wechselstimmung wäre völlig
00:06:24: normal in diesem Land, weil die CDU eben schon sehr, sehr lange regiert.
00:06:28: Sie ist an der Regierung seit 2002,
00:06:31: Seit der Zeit besetzt sie die Staatskanzlei.
00:06:33: Es wäre also ganz normal, dass die Menschen was anderes wollen.
00:06:36: In Demokratien ist es so, es gibt einen Wechsel, mal die einen, mal die anderen.
00:06:40: Sind wir ja im Bund auch.
00:06:42: Genau, dieses Mal ist es aber eben so, der einzige Wechsel, der Chancen hat,
00:06:47: wäre eben der von der AfD.
00:06:49: Die Menschen haben im Prinzip keine Wahl, wenn sie die CDU nicht mehr wollen,
00:06:53: wenn sie verdrossen sind und sagen, die haben es nicht gebracht,
00:06:55: haben sie eigentlich im Spektrum der Mitte- und Mitte-Links-Parteien und Linksparteien
00:07:00: keine Alternative, die Chancen hatten, Ministerpräsidenten zu stellen.
00:07:05: Ein guter Punkt, da kommen wir auch gleich noch, gucken wir uns genauer an die
00:07:08: Chancen und Regierungsoptionen, die so im Raum stehen.
00:07:11: Lass uns mal kurz eine grobe Bestandsaufnahme beginnen, von welchem Standpunkt
00:07:17: aus die Politiker das Land jetzt betrachten oder vor allem
00:07:23: entwickeln wollen in den nächsten Jahren. In was für einer Ausgangslage befindet
00:07:27: sich Sachsen-Anhalt so insgesamt ganz grob jetzt viereinhalb Monate vor der Wahl?
00:07:32: Womit wollen wir anfangen? Mit den Sachen, die auf der positiven Seite stehen
00:07:35: oder auf der negativen Seite?
00:07:36: Mal so in kurzen Sätzen deinen Gesamteindruck. Wie stehen wir da?
00:07:40: Fangen wir mit dem Negativen an. Also Sachsen-Anhalts Wirtschaft steht schlecht
00:07:43: da. Wir haben seit Jahren eine anhaltende Stagnation.
00:07:47: Es geht nicht mehr aufwärts. Das hat viele Gründe. Das hat damit zu tun,
00:07:51: dass es Energie teuer ist. Das hat aber auch damit zu tun, dass Arbeitskräfte
00:07:54: fehlen. Das berichten alle.
00:07:56: Das ist ein echtes Hemmnis für unsere Wirtschaft geworden.
00:07:59: Wir haben außerdem einen dramatischen Schrumpfungsprozess.
00:08:04: Das Land wird immer kleiner von der Bevölkerungszahl her.
00:08:08: Wir haben schon Hunderttausende verloren und die Schrumpfung geht ungebremst
00:08:12: fort. Und das hat natürlich viele,
00:08:14: viele Folgen.
00:08:15: Ein Land, das ein hohes Durchschnittsalter hat, das hat auch viele Kranke im Schnitt.
00:08:19: Das höchste in Deutschland. 48,3 Jahre.
00:08:23: Und hinzu kommt, dass die öffentliche Verwaltung sehr, sehr groß ist,
00:08:27: zu groß ist, muss man sagen. Wir leisten uns eine Verwaltung,
00:08:30: Die zu groß ist,
00:08:31: die zu teuer ist für uns. Die Landesregierung hat
00:08:34: 24 Milliarden Euro
00:08:36: Schulden angehäuft und es wird jetzt immer enger, weil die Haushalte nicht mehr aufgehen.
00:08:41: Also mit
00:08:42: den hohen Personalkosten
00:08:43: kann das einfach nicht mehr funktionieren.
00:08:44: Das heißt, es fehlt der Landesregierung Geld für andere politische Projekte,
00:08:48: Mit denen man was Gutes machen könnte. Das hat man bislang noch zum Preis von
00:08:52: sehr hohen Schulden gemacht, aber das ist begrenzt jetzt die Möglichkeit.
00:08:56: Und ja, wir haben auch hausgemachte Probleme, noch weitere hausgemachte Probleme,
00:09:01: Die Bildung und das Bildungssystem zum Beispiel. Da haben wir Riesenprobleme.
00:09:05: Wir haben 10 Prozent aller Schüler, die keinen Schulabschluss machen,
00:09:10: die die Schule verlassen, einfach ohne Abschluss, ohne Hauptschulabschluss.
00:09:14: Läuft da auch nicht alles schlecht?
00:09:15: Nein, kann man nicht sagen.
00:09:17: Also wir haben zum Beispiel mit 60 Prozent Kita-Quote, also Betreuungsquote
00:09:22: bei den unter Dreijährigen steht das Land deutlich über den Bundesdurchschnitt.
00:09:25: Wir haben auch günstige Mieten im Vergleich und relativ günstige Grundstücke,
00:09:30: je nachdem da, wo man guckt.
00:09:31: Was sind noch so Punkte, die dir einfallen, wo du sagst, da sind wir eigentlich
00:09:35: weit vorn dabei in Sachsen-Anhalt?
00:09:37: Das sind absolute Pluspunkte. Also wer hier ein Leben aufbauen will,
00:09:40: eine günstige Wohnung sucht oder ein Haus kaufen will, irgendwo auf dem Land,
00:09:44: wem das gefällt, der findet hier natürlich, der hat eine Riesenauswahl.
00:09:47: Also es ist tatsächlich recht preiswert.
00:09:51: Die Menschen sind ja auch sehr zufrieden mit Sachsen-Anhalt.
00:09:54: Also im vergangenen September hat die Landesregierung eine große Umfrage gemacht,
00:09:58: den Sachsen-Anhalt-Monitor.
00:09:59: Und da kann man erkennen, dass 90 Prozent der Menschen,
00:10:02: Die hier leben,
00:10:03: eher gern oder sehr gern in Sachsen-Anhalt leben.
00:10:06: Also da gibt es eine hohe Verbundenheit
00:10:08: Mit der Umgebung, mit dem Land.
00:10:11: Kannst du mir dann erklären, warum es dann diese Wechselstimmung gibt?
00:10:15: Es gibt eine ganz merkwürdige.
00:10:18: Schizophrene Spaltung. Wenn man die Leute fragt, das hat der Sachsen-Anhalt-Monitor gemacht:
00:10:23: Wie geht es dir?
00:10:24: Dann sagen relativ viele Leute:
00:10:26: Mir geht es gut,
00:10:26: Wirtschaftlich.
00:10:27: Mir geht es gut. Also 60 Prozent sagen, mir geht es wirtschaftlich gut.
00:10:31: Wenn man aber fragt:
00:10:32: Wie geht es Sachsen-Anhalt, also wie geht es den anderen?
00:10:34: Dann sagen sie, oh, schlecht. Schlecht, schlecht, schlecht.
00:10:36: Also die Menschen schätzen die Lage dieses Landes sehr viel schlechter ein,
00:10:41: als sie eigentlich ist.
00:10:42: Denn wenn ein großer Anteil der Menschen sagt:
00:10:44: Mir geht es gut,
00:10:45: dann müsste man ja auch sagen, allgemein ist es ganz gut. Aber das wird nicht
00:10:48: so wahrgenommen, sondern man schätzt die Lage des Landes sehr viel schlechter ein.
00:10:53: Das führt uns eigentlich gut
00:10:55: zum, ja so ein bisschen zum Knackpunkt vor dieser Wahl, würde ich sagen.
00:11:00: Nämlich der Rolle der AfD und so ein bisschen der Machtfrage.
00:11:03: Du hast es am Anfang ja schon gesagt, dass das Besondere an dieser Wahl die
00:11:09: starke Stellung der AfD ist, weil sie die Politik wirklich umkrempeln könnte.
00:11:13: Es ist eine in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte
00:11:16: Partei, die sehr vieles sehr anders machen will als die anderen Parteien.
00:11:21: Jetzt stehen die in den Umfragen bei etwa 40 Prozent und sind damit deutlich stärkste Kraft.
00:11:28: Wie realistisch schätzt du es denn ein, dass die Partei tatsächlich in Regierungsverantwortung
00:11:33: kommt und vielleicht sogar ganz allein nach der Wahl eine Landesregierung stellen kann?
00:11:39: Man muss ganz klar sagen, es ist möglich.
00:11:41: Es ist noch nicht entschieden.
00:11:43: Also es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie diese Wahl ausgeht.
00:11:47: Es sind noch ein paar Monate hin und es ist immer auch Bewegung.
00:11:51: Es gibt ja immer weniger Menschen, die sich ganz fest einer Partei zugehörig
00:11:54: fühlen. Es gibt diese klassischen Milieus, die in den 70er und 80ern in der Bundesrepublik
00:11:58: Eben die Wahl
00:11:59: bestimmt haben. Die gibt es so nicht mehr.
00:12:02: Es gibt kein gewerkschaftliches Milieu oder kein
00:12:04: Arbeitermilieu mehr oder konfessionell gebundene Leute. Also die Bindungen an
00:12:09: Parteien sind relativ schwach.
00:12:10: Das heißt, die Menschen können relativ kurzfristig entscheiden,
00:12:13: wem sie ihre Stimme geben wollen. Und da hängt es
00:12:16: dann bei der Wahl im September davon ab, vor allem davon ab,
00:12:19: wie die kleinen Parteien abschneiden.
00:12:21: Mit den kleinen Parteien meine
00:12:22: ich die Grünen,
00:12:22: jetzt im Landtag, die FDP.
00:12:24: Jetzt im Landtag und auch in der Regierung,
00:12:27: Aber auch das BSW,
00:12:28: Neue Partei, die in den Landtag einziehen möchte.
00:12:32: Man muss aber auch die SPD dazu zählen,
00:12:34: Die liegt bei Umfragen auch nur noch bei sechs Prozent.
00:12:37: Ja, zu diesen Zahlenspielen, wenn ich das so nennen will, kommen wir gleich noch.
00:12:42: Wenn das so offen ist, wie du es beschreibst, hätte ja auch die CDU,
00:12:45: zweitstärkste Kraft aktuell, aber in der Regierung führt die Regierung an, noch eine Chance.
00:12:51: CDU ist stärkste, achso,
00:12:53: In den Umfragen stärkste Partei, jetzt natürlich im Landtag.
00:12:59: Die stärkste Partei, genau.
00:13:02: Die könnten also noch aufholen aus deiner Sicht bis zur Wahl,
00:13:05: wenn ich das richtig verstanden habe. Unter welchen Vorzeichen,
00:13:08: glaubst du, wäre das möglich oder ist das nicht möglich?
00:13:10: Das glaube ich eigentlich nicht. Also der Vorsprung der AfD vor der CDU ist
00:13:13: so stark, da glaube ich nicht,
00:13:14: dass der komplett verschwinden wird.
00:13:17: Es kommt eben auf die Bündnisse an,
00:13:19: die dann regieren.
00:13:20: Es geht eben darum,
00:13:21: derjenige stellt den Ministerpräsidenten, der im Landtag eine Mehrheit hinter sich hat.
00:13:25: Und das ist üblicherweise eben eine Koalition, keine Alleinregierung.
00:13:29: Und wenn die CDU Bündnispartner finden sollte,
00:13:32: Dann kann sie auch weiterhin.
00:13:33: Könnte sie möglicherweise auch weiterhin regieren. Es ist eben die Frage,
00:13:37: ob die noch da sind. Die FDP zum Beispiel,
00:13:39: wenn die rausfliegt, ist die weg.
00:13:41: Die ist jetzt ein Teil der Regierung. Und bei der SPD natürlich ist es auch wackelig schon,
00:13:45: muss man sagen.
00:13:46: Bündnis finde ich ein gutes Stichwort. Wenn man die inhaltliche Position der
00:13:51: Parteien etwas ausklammert und sich nur die Zahlen anguckt, liegt es ja eigentlich
00:13:55: nah auf dem Papier, dass die beiden stärksten Kräfte, AfD und CDU,
00:13:59: eine Koalition bilden und zusammen die Regierung stellen. Dann hätten sie eine
00:14:02: sehr komfortable Mehrheit.
00:14:04: Jetzt schließt die Bundes-CDU und auch die CDU in Sachsen-Anhalt das grundsätzlich aus.
00:14:09: Die sagen, sie verfolgen die sogenannte Brandmauer-Idee. Es gab ja aber auch
00:14:14: schon Bestrebungen in Sachsen-Anhalt-CDU.
00:14:16: Ich denke, blicke da auf den Harz, also in Teilen der CDU, sich zumindest der AfD anzunähern.
00:14:22: Glaubst du, dass das bis zur Wahl noch passiert? Beziehungsweise glaubst du,
00:14:25: diese Brandmauer wird vor und nach der Wahl Bestand haben hier im Land?
00:14:29: Ich glaube nicht, dass sich jetzt vor der Wahl noch Prominente aus der CDU Sachsen-Anhalt
00:14:33: gegen die Brandmauer aussprechen werden.
00:14:35: Das glaube ich jetzt nicht. Werden alle begreifen, dass das total kontraproduktiv wäre.
00:14:39: Aber natürlich gibt es Abgeordnete...
00:14:42: Die jetzt im Landtag sitzen und die sich eigentlich wünschen,
00:14:46: mit der AfD auf irgendeine Art und Weise zusammenzuarbeiten,
00:14:49: diese Brandmauer zu beenden.
00:14:50: Und man weiß nicht, ob die dann im nächsten Landtag auch sein werden und weiterhin
00:14:54: Politik mitbestimmen können.
00:14:57: Aber ja, das gibt es.
00:14:58: Es gibt einerseits eben den Grundsatzbeschluss. Seit 2018 gilt das,
00:15:02: dass die CDU
00:15:02: mit der AfD nicht regiert oder auch keine ähnliche Form der Kooperation beginnt.
00:15:09: Das Gleiche gilt ja auch für die Linke.
00:15:11: Okay, das heißt, du glaubst, die Brandmauer hält, aber nach der Wahl, müssen wir mal schauen.
00:15:19: Ja, es ist wirklich schwer zu prognostizieren, weil man nicht genau weiß,
00:15:23: wer in den Landtag reinkommt.
00:15:24: Aber natürlich wird dann nochmal eine Debatte beginnen, weil es natürlich einige
00:15:28: Sachthemen gibt, wo CDU-Abgeordnete wissen, dass sie einfach der AfD näher sind.
00:15:35: Das müssen nicht extremistische Sachen sein, das können irgendwie einfach auch
00:15:39: konservative Anliegen sein, wo man weiß,
00:15:42: da gibt es große
00:15:43: Differenzen zu den Linken, auch zur SPD
00:15:46: oder zu den
00:15:47: Grünen und da wäre es leichter. Aber grundsätzlich steht natürlich eben über
00:15:51: allem diese Frage, kann man sich das leisten, eine Partei, die als rechtsextrem
00:15:55: eingestuft ist vom Verfassungsschutz,
00:15:57: in der Regierung zu beteiligen?
00:15:58: Oder macht man dann nicht den gleichen Fehler, den Konservative schon mal in
00:16:01: der Weimarer Republik gemacht haben,
00:16:03: Indem sie die extremen Rechte beteiligt haben und dann wenig später weg vom Fenster waren?
00:16:07: Also das sind ja die großen Fragen,
00:16:09: die da entschieden werden müssen.
00:16:10: Ja, interessante Verbindung, die du da herstellst. Diese...
00:16:15: Bisschen knifflige Lage für die Parteien ergibt sich ja auch aus den Umfragewerten,
00:16:19: die wir jetzt kennen, die mit Blick auf die Landtagswahl ja eine ganz andere
00:16:24: Gestaltung des Landtags möglich machen, als wir sie jetzt kennen.
00:16:27: Du hast es vorhin schon gesagt, laut einer Umfrage, laut den aktuellen Umfragen,
00:16:30: die letzte ist ungefähr einen Monat alt, gibt es ja mehrere Parteien,
00:16:35: die jetzt im Landtag sitzen, die tatsächlich drohen, an der 5%-Hürde zu scheitern.
00:16:40: Also du hast es schon gesagt, die SPD steht bei 6 Prozent, das BSW,
00:16:43: was ja zum ersten Mal bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt antritt,
00:16:46: steht bei 5, Grüne bei 4 und FDP bei 3.
00:16:50: Es könnte also sein, dass all diese Parteien nicht in den Landtag kommen nach
00:16:54: der Wahl, dann hätten wir nur noch CDU, AfD und Linke im Landtag.
00:16:57: Ja, und das wäre natürlich ein riesen Umsprung.
00:17:00: Wir haben jetzt sechs Parteien im Landtag zurzeit und dann hätten wir nur noch drei.
00:17:04: Also das wäre natürlich dann sehr anders. Und dann käme es darauf an,
00:17:09: wie die CDU sich entscheidet.
00:17:12: Aber was für eine Regierungskoalition oder was für ein Szenario hältst du dafür
00:17:17: für realistisch, wenn das tatsächlich eintritt?
00:17:19: Ich halte für das Wahrscheinlichste, dass die CDU dann eine Minderheitsregierung
00:17:22: beginnen wird, dass sie versuchen wird, die Linken zu einer Tolerierung zu bewegen.
00:17:27: Was ja schwierig ist, weil sie eigentlich ja auch nicht mit den Linken immer
00:17:32: zusammenarbeiten will. Das
00:17:33: sagt sie ja schon lange. Es gibt auch diesen Unvereinbarkeitsbeschluss.
00:17:36: Es gibt den Beschluss der Bundespartei,
00:17:38: der gilt einfach und der ist natürlich sehr oft auch von Landespolitikern wiederholt worden.
00:17:42: Also das ist so, aber der schließt eben nur formale Formen der Kooperation aus.
00:17:47: So informelle
00:17:49: Sachen, also man
00:17:50: trifft sich auf den Flur und sagt:
00:17:52: Na kommt, könnt ihr nicht dieses Mal beim Haushalt zustimmen,
00:17:55: die sind damit natürlich.
00:17:56: Nicht gemeint oder nicht erfasst und sind auch schwer zu beweisen letztlich.
00:18:00: Also da gibt es Möglichkeiten.
00:18:02: Wenn man diesen Schritt dann machen will.
00:18:05: Aber das Problem ist, die CDU hat
00:18:06: sich eben von beiden Parteien sehr deutlich distanziert und hat gesagt:
00:18:09: Mit denen wollen wir nicht.
00:18:11: Also früher noch deutlicher als jetzt. Der Ministerpräsident Sven
00:18:13: Schulze ist jetzt sehr viel vorsichtiger geworden.
00:18:16: Er sagt, er
00:18:17: wird jedenfalls keine Linken am
00:18:18: Kabinettstisch haben und natürlich auch keine von der AfD.
00:18:21: Das ist schon nicht mehr das Gleiche wie mit denen niemals.
00:18:26: Und glaubst du, die Linken würden da mitspielen? Die werden dann ja eigentlich
00:18:29: in einer spannenden Position, weil man braucht sie, man hat sie aber vorher
00:18:33: immer von sich weggeschoben.
00:18:35: Ich glaube, da muss man nicht groß spekulieren.
00:18:37: Ja, das werden sie, das würden sie.
00:18:39: Da bin ich fest von überzeugt.
00:18:40: Sie haben ja jetzt zum Beispiel auch gerade mitgemacht
00:18:43: Bei dem gemeinsamen Versuch, ein paar Gesetze und auch die Verfassung zu ändern,
00:18:46: die sogenannte Parlamentsreform, die jetzt diese Woche durch den Landtag gehen soll.
00:18:49: Also die Linken sind bereit zu sowas.
00:18:53: Die fühlen sich da in der Verantwortung. Die wollen auf gar keinen Fall,
00:18:56: dass es irgendeine Annäherung der CDU an die AfD gibt. Und deswegen würden die,
00:19:00: glaube ich, relativ weitgehende Zugeständnisse machen. Die stünden für sowas bereit.
00:19:04: Die Frage ist, was bedeutet das für die CDU, ein wirklich lang vor sich her
00:19:10: getragenes Versprechen aufzugeben?
00:19:14: Okay, ja, vielen Dank. Spannende Angelegenheit. Für alle, die das noch im Detail
00:19:20: interessiert, wir haben euch in den Shownotes ein Infopaket geschnürt und da
00:19:25: findet ihr unter anderem die Programme der Parteien zur Wahl.
00:19:28: Und wenn ihr das Gefühl habt, es fehlt noch was, ihr wollt noch was anderes
00:19:31: besprochen haben, dann nochmal der Hinweis, schreibt uns gerne an podcast.volksstimme.de.
00:19:36: und jetzt, Hagen, würde ich gerne mit dir ein bisschen den Weg weg von Umfragewerten
00:19:41: und Parteistatistiken führen und ein bisschen mehr den Blick für die Lebensrealität schärfen.
00:19:47: Wir wollen eine kleine Bestandsaufnahme machen von Sachsen-Anhalt und ich würde
00:19:50: dich jetzt einfach mal so zu drei aus meiner Sicht Kernthemen dieses Landes befragen.
00:19:55: Du kannst danach aber auch gerne noch sagen, was du sagst, was in diesem Land wichtig ist.
00:19:59: Du hast es aber auch vorhin selber schon angesprochen. Ich denke,
00:20:01: ein Thema, wo Politiker und Bürger nicht drumherum kommen, sich Gedanken darüber
00:20:05: zu machen, ist die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt.
00:20:08: Wir haben schon gesagt, denen fehlt so vor allem das Personal in ganz vielen
00:20:11: Branchen. Ich kenne das auch aus den journalistischen Arbeiten.
00:20:14: Man kann über jede Branche schreiben, dass es da einen Fachkräftemangel gibt.
00:20:17: Ja, das hört man überall.
00:20:18: Was würdest du sagen, sind noch so Punkte, die in Sachsen-Anhalts Wirtschaft
00:20:22: gerade Baustellen sind?
00:20:24: Ja, das Thema Energie ist natürlich eine extreme Belastung.
00:20:29: Also alle, die darauf angewiesen sind, mit Fahrzeugen unterwegs zu sein,
00:20:32: müssen zurzeit eben sehr viel mehr bezahlen.
00:20:34: Da hat natürlich eine Landesregierung einfach realistischerweise null Einfluss drauf.
00:20:39: Das würde auch
00:20:39: eine AfD-geführte Regierung nicht anders machen können. Und die Entscheidungen
00:20:44: da werden anderswo gefällt
00:20:46: und da kann.
00:20:47: Man einfach nur das Beste hoffen. Ansonsten, man merkt das deutlich.
00:20:53: Also gestern hat der Ministerpräsident in der Pressekonferenz gesagt,
00:20:57: hat beschrieben, wie anders das ist,
00:20:59: als er Wirtschaftsminister geworden ist.
00:21:02: Da ging es noch vor allem darum, ob man irgendwelche großen Ansiedlungen herbekommen kann.
00:21:08: Man muss dazu sagen, Sven Schulze, jetzt Ministerpräsident, war vorher im Kabinett
00:21:12: Haselhoff noch Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt.
00:21:13: Genau, der ist 2021 als Wirtschaftsminister angetreten, hat also das jetzt ein
00:21:18: paar Jahre gemacht. Und er sagt, damals ging es darum, große Firmen zu bewegen.
00:21:23: Jetzt muss er einen Großteil seiner Energie aufwenden,
00:21:26: um bestehende Unternehmen hier zu halten, um zu verhindern, dass sie zumachen.
00:21:31: Also das Land hat ja mit sehr viel Geld zum Beispiel da Chemiefirma Domo künstlich
00:21:36: am Leben gehalten, bis eine neue Lösung gefunden wurde.
00:21:39: Das kostet sehr
00:21:39: viel Geld und Kraft auch, aber das sind im Prinzip Rückzugsgefechte.
00:21:43: Es geht nur darum,
00:21:44: noch das zu halten, was man eigentlich schon hat.
00:21:47: Wir haben ja viel Chemieindustrie, die relativ energieintensiv arbeitet,
00:21:51: auch so Düngemittelwerke und so.
00:21:53: Was man natürlich sieht ist, erneuerbare Energien sind ein echter Jobmotor.
00:21:57: Wenn Sachsen-Anhalt da die Weichen richtig stellt, kann man da auf jeden Fall was bewirken.
00:22:03: Also große Windenergiehersteller, Anlagenhersteller brauchen viel Personal und
00:22:09: da hängt es natürlich auch davon ab, wie bereit Sachsen-Anhalt ist.
00:22:14: Also die Landesregierung.
00:22:14: Ist jetzt durch den Bund vorgeschrieben, eine bestimmte Flächengröße bereitzuhalten dafür.
00:22:21: Das muss aber nicht so sein, das kann ja auch anders sein. Und also die AfD
00:22:25: zum Beispiel hat ja angekündigt,
00:22:26: dass sie keine neuen Windenergieanlagen will.
00:22:28: Also wäre jetzt diese Branche
00:22:30: dann die gekniffene.
00:22:31: Und ich sagen würde, Platz hätten wir. Ich meine, muss man mit den Bauern verhandeln,
00:22:34: denen ja meistens die Felder gehören, wo die drauf sollen. Aber wir stehen ja
00:22:37: auch ganz gut damit, was Windräder betrifft.
00:22:39: Windenergie ist relativ weit ausgebaut und das führt ja auch dazu,
00:22:42: dass Sachsen-Anhalt eben diesen einen Punkt immer bei Verhandlungen mit Unternehmen
00:22:45: anführen kann. Man kann sagen, also Energie,
00:22:47: ökologisch erzeugte Energie gibt es hier.
00:22:50: Darauf könnt ihr euch verlassen. Das ist bislang ein Vorteil,
00:22:53: Das kann man so sagen.
00:22:55: Okay. Also ein anderes Thema, was viele Menschen bewegt, ich glaube,
00:22:59: das kann man auf jeden Fall so sagen, ist das Thema Migration.
00:23:02: Da würde ich noch vorab reinschieben, dass wir in Sachsen-Anhalt eigentlich
00:23:06: ein Bundesland sind, was einen vergleichsweise niedrigen Ausländeranteil hat.
00:23:09: Und auch zum Beispiel die Zahl der Asylsuchenden ist zuletzt wieder auf den
00:23:12: Stand von 2012 zurückgefallen. Also die Zahl neuer Anträge.
00:23:18: Damit sind wir eigentlich nicht mehr in der Lage, wie wir zum Beispiel 2015,
00:23:23: 16 waren, als sehr viele Menschen aus Syrien nach Deutschland und auch nach
00:23:27: Sachsen-Anhalt gekommen sind oder auch nach 2022,
00:23:29: wo zehntausende Ukrainer nach Sachsen-Anhalt geflohen sind.
00:23:35: Trotzdem ist das ein großes Thema. Die AfD macht damit ja auch viel Wahlkampf.
00:23:39: Wie siehst du das? Was ist da die größte Herausforderung für das Land?
00:23:42: Die Herausforderung ist die Lage zu vermitteln.
00:23:44: Also so wie du es jetzt geschildert hast,
00:23:46: ist es korrekt. Es gibt jetzt vergleichsweise niedrige Zugangszahlen.
00:23:51: Bis das so in der Breite der Bevölkerung angekommen ist,
00:23:54: Wird das glaube ich dauern.
00:23:56: Das ist ja ein bekannter Effekt.
00:23:57: Probleme schwappen auf, werden immer größer und beschäftigen die Menschen dann
00:24:04: relativ lange. Auch dann, wenn die Probleme eigentlich schon kleiner sind,
00:24:08: schon halb gelöst sind. Und diesen Umschwung zu erklären.
00:24:13: Das ist, glaube ich, eine große Herausforderung.
00:24:15: Okay, apropos Probleme, die uns lange beschäftigen.
00:24:20: Wir erleben ja, ich auch, ich glaube, jeder erlebt es in seinem Alltag,
00:24:24: auch mehr und mehr einen Einfluss von Konflikten, die viele tausende Kilometer entfernt stattfinden.
00:24:29: Ich denke an den Krieg in der Ukraine, der bei uns die Inflation angetrieben hat,
00:24:35: für eine Fluchtbewegung gesorgt hat, aber aktuell auch den Krieg im Iran,
00:24:39: der die Tankstellenpreise nach oben schnellen lässt und mittelfristig durch
00:24:43: den Dieselpreis auch alles, was bewegt wird, also auch die Butter im Supermarkt
00:24:46: oder was auch immer man im Einzelhandel kauft,
00:24:51: Welche Rolle spielt das aus deiner Sicht für Sachsen-Anhalt mit Blick auf den
00:24:55: Wahlkampf und auf den Wahltag?
00:24:57: Ja, das sorgt für großen Frust und für Verunsicherung bei Leuten.
00:25:01: Also natürlich, was man direkt im Portemonnaie spürt,
00:25:04: das hat viel, viel größere Auswirkungen als manches,
00:25:06: was man einfach nur im Wahlkampf behauptet. Wenn die Leute merken,
00:25:09: sie müssen deutlich mehr für ihre Tankfüllung ausgeben oder eben für Lebensmittel,
00:25:14: dann sorgt das dafür,
00:25:16: dass die Leute unzufrieden sind und sich irgendwelche Änderungen erhoffen.
00:25:21: Die Frage ist,
00:25:22: was kann man auf Landesebene daran wirklich ändern?
00:25:25: Und was kann man ändern?
00:25:26: Im Prinzip kann das Land versuchen, sich möglichst unabhängig zu machen von fossiler Energie.
00:25:35: Also hätten wir jetzt zum Beispiel
00:25:37: einen Anteil an Elektroautos wie in Norwegen, dann würde es die Leute jetzt
00:25:42: nicht ganz so hart treffen.
00:25:43: Ich weiß natürlich, die
00:25:44: Elektroautos sind lange Zeit sehr viel teurer gewesen und teils jetzt noch.
00:25:49: Also es gibt Gründe.
00:25:50: Warum das nicht so funktioniert hat, aber das hängt uns jetzt nach.
00:25:54: Also das belastet uns jetzt.
00:25:55: Wir sind nach wie vor auf Importe angewiesen und wenn es dann schief geht.
00:26:00: Wie zurzeit, und das Öl und das Gas nicht so läuft,
00:26:03: wie das eigentlich eingeplant ist.
00:26:05: Dann sind wir einfach die Gekniffenen.
00:26:08: Okay, vielen Dank. Ich habe jetzt so ein paar Stichworte in den Raum geschmissen.
00:26:12: Gibt es noch was, wo du sagst, das ist irgendwie ein Kernknackpunkt für Sachsen-Anhalt,
00:26:15: da müssen sich die Politiker drum kümmern?
00:26:18: Naja, das Thema Bildung auf jeden Fall.
00:26:23: Das ist auch interessanterweise jetzt in den Wahlprogrammen mit großen Punkten.
00:26:30: Meinst du den Lehrermangel?
00:26:31: Ja, das ist der Lehrermangel. Es ist aber auch die Frage, wie man darauf reagiert.
00:26:36: Also Lehrermangel, genau.
00:26:37: Jeder weiß, es fällt massenhaft Unterricht aus.
00:26:39: Ja, ich meine, wir haben Schulen, die haben Unterrichtsversorgung unter 60
00:26:42: Prozent oder so. Wir haben jetzt glaube ich 93 Prozent oder so.
00:26:47: Insgesamt im Durchschnitt, ja. Ja, aber das bedeutet eben nicht,
00:26:49: dass, also das bedeutet für unterschiedliche Schulen sehr unterschiedliches.
00:26:52: Ja, also die Sekundarschulen sind sehr hart getroffen, auch Förderschulen fällt sehr,
00:26:57: sehr viel aus.
00:26:58: Da muss man dazu sagen, die Unterrichtsversorgung ist die,
00:27:01: bezeichnet die Quote an Stunden, an vorgegebenen Unterrichtsstunden,
00:27:04: die dieses Personal abdenken kann, wenn alle da sind.
00:27:07: Wenn keiner im Urlaub ist und wenn keiner krank ist.
00:27:09: Genau, die Krankheiten kommen also noch oben drauf. Also jedenfalls gibt es da riesige Probleme.
00:27:14: Und natürlich gibt es ein paar Stellschrauben, die man machen kann.
00:27:16: Einerseits kann man Personal anwerben, versuchen zu werben.
00:27:20: Dann macht das Land einiges. Man kann aber auch das Schulsystem komplett umstellen.
00:27:23: Also wir haben ja jetzt so ein zweigliedriges System. Wir haben die Sekundarschulen im Groben.
00:27:27: Die Sekundarschulen, die bis zur 10. Klasse führen. Und wir haben die Gymnasien
00:27:32: und theoretisch kann man das natürlich auch zusammenlegen.
00:27:35: Dann kann man Lehrerpersonal effizienter einsetzen,
00:27:38: Hat natürlich andere Nachteile.
00:27:41: Man kann auch kleine Schulen schließen, die Debatte gab es ja auch immer wieder in
00:27:45: der Landespolitik.
00:27:46: Hat dann auch größere Schulzentren, erfordert natürlich auch wahnsinnig viel Investitionen.
00:27:52: Man muss also erstmal bauen, muss die Klassengrößen, also die Klassenzimmer in der Größe haben.
00:27:57: Aber klar, wenn man größere hat, dann kann man das wenige Personal effizienter
00:28:00: einsetzen. Und das sind so Fragen,
00:28:02: Die jetzt sehr grundsätzlich diskutiert werden.
00:28:06: Es gibt ja mehrere große Reformvorschläge in Wahlprogrammen.
00:28:11: Ich denke, das wird auch ein wichtiges Thema.
00:28:13: Und das ist ja auch ein Thema, wo das Land ziemlich autark agieren kann.
00:28:16: Bildung ist Ländersache, das heißt, die könnten große Hebel umlegen und die
00:28:22: Bildungslandschaft tatsächlich neu strukturieren, wenn sie das wollen.
00:28:24: Vielleicht müssen sie das ja, weil die Lage ist schwierig, wie du gerade gesagt hast.
00:28:28: So ist es. Also das ist der Teil neben der Polizei,
00:28:31: Also der inneren Sicherheit,
00:28:32: Wo das Land einfach selber in der
00:28:34: Verantwortung steht und auch nicht auf andere
00:28:36: es abschieben kann und wo es viel bewegen kann. Und da ist zwischen einem dreigliedrigen Schulsystem.
00:28:41: Und einer Einheitsschule, so wie in der DDR,
00:28:44: so POS-mäßig, ist da alles möglich.
00:28:47: Und die Frage ist, was dann am Ende rauskommt.
00:28:50: Und damit hast du wieder eine fantastische Überleitung geschaffen zu einem Thema,
00:28:54: über das ich mit dir auch noch sprechen möchte.
00:28:56: Und zwar, wir haben ja gesagt, wir wollen in den Blick nehmen,
00:28:58: was die Menschen hier tatsächlich beschäftigt.
00:29:00: Und wenn man in die Zukunft blickt, ist, glaube ich, eine Gruppe von Menschen
00:29:04: für dieses Land besonders wichtig.
00:29:06: Und das sind jüngere Menschen oder junge Generationen. Klar,
00:29:09: wir freuen uns über jeden, der hier lebt.
00:29:10: Aber das Land hat doch einen Mangel an jungen Menschen, kann man,
00:29:13: denke ich, sagen. Wir haben einen sehr, sehr hohen Altersdurchschnitt.
00:29:17: Und wenn wir uns das so angucken, stellen wir fest, dass viele junge Menschen
00:29:22: Sachsen-Anhalt auch jedes Jahr verlassen, was dieses Demografie-Thema natürlich
00:29:27: noch ein bisschen zuspitzt.
00:29:28: Hagen, was würdest du sagen, warum ist das so und wenn ja, was kann man denn
00:29:32: tun, um diese Menschen doch zu halten?
00:29:36: Das sind sehr, sehr langfristig arbeitende Trends.
00:29:40: Muss man sagen. Das ist jetzt nichts, was in den letzten fünf oder zehn Jahren
00:29:44: angerichtet worden ist, sondern das ist natürlich vor allem eine Folge von dem
00:29:48: Zusammenbruch der Industrie
00:29:50: und der gesamten
00:29:50: Wirtschaft 1989,
00:29:52: 1990.
00:29:53: Das heißt, Menschen finden hier keine geeignete Stelle und gehen deshalb?
00:29:56: Haben es damals nicht gefunden, sind deswegen weggegangen, zu einem großen Teil nicht wiedergekommen.
00:30:03: Die fehlen nun als jetzige Elterngeneration. Das heißt, wir haben eh schon sehr
00:30:07: niedrige Geburtenraten und es sinkt ja zur Zeit noch dramatisch weiter ab.
00:30:11: Aber wir bekommen zu wenig Kinder schon seit den 80er Jahren.
00:30:15: Also das ist jetzt nichts,
00:30:16: Neues , das war
00:30:16: auch in den 70er Jahren schon so.
00:30:18: Also im Prinzip haben wir schon seit den 70er Jahren in dem Gebiet des heutigen
00:30:21: Sachsen-Anhalt nicht mehr so viele Kinder neu bekommen, wie wir Sterbefälle haben.
00:30:26: Also das gibt es schon sehr lange und das hat sich extrem zugespitzt,
00:30:29: dann eben 1989, 90 und Anfang der 90er.
00:30:32: Und jetzt spüren wir das Echo und in einem Land, in dem eben ein relativ hoher
00:30:38: Altersdurchschnitt ist, fühlen sich junge Menschen möglicherweise auch nicht
00:30:41: ganz so wohl. Die suchen sich dann möglicherweise Orte, wo mehr Aufbruchstimmung ist,
00:30:46: wo es cooler ist,
00:30:47: wo es interessantere Jobs gibt und da hat Sachsen-Anhalt dann jetzt häufig das Nachsehen.
00:30:52: Wir haben ja aber auch schon darüber gesprochen, was ganz gut läuft in Sachsen-Anhalt.
00:30:55: Kita-Landschaft, Mieten, Grundstückspreise, das sind ja auch Sachen,
00:30:59: die attraktiv sind für Familien zum Beispiel.
00:31:02: Wenn wir jetzt mal aus Sicht der jungen Generation auf das Land blicken,
00:31:05: was brauchen die denn? Was würdest du sagen, was brauchen die hier?
00:31:11: Es geht natürlich mit Arbeitsplätzen los,
00:31:13: mit attraktiven Arbeitsplätzen und natürlich ein angenehmes Lebensumfeld.
00:31:19: Also eins, das nicht von Verbitterung und von Angst geprägt ist,
00:31:23: sondern indem sie das Gefühl bekommen:
00:31:26: Hier entsteht was Neues.
00:31:28: Hier kann was wachsen, hier können meine Kinder auch noch groß werden.
00:31:31: Das ist keine von Hass zerfressene Gesellschaft, wo jeder dem anderen misstraut,
00:31:36: sondern wir fühlen uns hier wohl.
00:31:37: Das ist eigentlich das, was zu erzeugen gilt.
00:31:40: Und das kann vielleicht zur Zeit ein bayerisches Dorf häufig besser bieten als
00:31:45: eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt.
00:31:47: Aber das ist natürlich was, was wir täglich selbst erzeugen.
00:31:50: Also es liegt ja an uns,
00:31:52: wie wir miteinander umgehen.
00:31:53: Interessant. Also sagst du sowas, was zwischen den Zeilen liegt, eine Stimmung am Ende?
00:32:00: Stimmung, jetzt sind junge Menschen auch eine Wählergruppe in Sachsen-Anhalt.
00:32:04: Eine sehr viel kleinere.
00:32:05: Aber doch ja die Menschen, die hier in Zukunft das Land gestalten sollen, auf lange Sicht.
00:32:12: Mein Eindruck ist aber, dass viele Parteien die jungen Menschen nicht mehr so
00:32:17: gut erreichen, wie das vielleicht mal der Fall war. Woran könnte das liegen, was glaubst du?
00:32:23: Und die Parteien haben sich, also die Parteien, jetzt mal die AfD ausgenommen,
00:32:28: also die Parteien, die seit Jahrzehnten hier Verantwortung tragen,
00:32:32: die haben sich im Prinzip darauf ausgeruht,
00:32:34: Auf einem Modell,
00:32:36: von dem sie dachten,
00:32:37: dass es automatisch immer läuft.
00:32:38: Es gibt Wahlen, Parteien gewinnen Sitze und das führt dann dazu,
00:32:45: dass man gute Politik machen kann, dass man Nachwuchs bekommt,
00:32:48: aber das funktioniert so leider gar nicht.
00:32:50: Also es ist einfach nicht sehr attraktiv für Menschen in vielen Parteien mitzumachen,
00:32:55: weil die Strukturen einfach veraltet sind, verknöchert, weil es um Rituale geht,
00:33:00: weil es schwer ist, schnell was zu bewegen.
00:33:04: Und deswegen, man muss das so sagen, die Parteien, die haben einfach,
00:33:07: also die bislang verantwortlichen Parteien haben sehr schwache Wurzeln in der Bevölkerung.
00:33:13: Es gibt insgesamt
00:33:14: schon viel zu wenig
00:33:15: Parteimitglieder, muss man sagen. Also je mehr Mitglieder die haben,
00:33:19: desto besser können die natürlich auch in die Gesellschaft wirken und aufnehmen,
00:33:22: was die Leute so bewegt.
00:33:23: Es gibt halt eine relativ kleine Funktionärskaste in vielen Parteien,
00:33:27: Die mit gutem
00:33:29: Willen und viel Fleiß versuchen, alles zu beackern, aber nicht das leisten können,
00:33:33: Was große, starke Parteien eigentlich können müssten.
00:33:37: Und dieser Kontakt ist verloren.
00:33:39: Also es gibt natürlich jetzt Fälle,
00:33:41: wo man sieht, da läuft es jetzt anders. Also die Linkspartei schafft es jetzt
00:33:45: gerade sehr geschickt, mit TikTok-Videos junge Menschen anzusprechen und die
00:33:49: AfD mit ihren Moped-Corso.
00:33:52: Das wäre jetzt auch mein Punkt gewesen. Also eine Möglichkeit,
00:33:54: das ja relativ effizient zu tun, also einen Kontakt aufzubauen zu einer jüngeren
00:33:58: Generation sind die sozialen Netzwerke.
00:34:00: Da bewegen sich die meisten jungen Menschen viel.
00:34:03: Wenn wir uns da umgucken, ist mein Eindruck, dass die AfD da mit Abstand die größte Reichweite hat.
00:34:09: Also der Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund,
00:34:12: hat fast eine halbe Million TikTok-Abonnenten. Das ist echt viel.
00:34:17: Bei den anderen Parteien habe ich den Eindruck, dass die das noch nicht geschafft
00:34:21: haben, da aufzuholen, bis auf die Linkspartei vielleicht.
00:34:24: Das hängt natürlich auch mit den Kandidaten zusammen. Ja, Ulrich Sigmund ist selbst Mitte 30,
00:34:28: also kann wirklich glaubhaft ein junges Gesicht vorzeigen. Gut,
00:34:33: der CDU-Spitzenkandidat, Sven Schulze,
00:34:35: ist mit 46 für politische Verhältnisse auch noch jung. Hat auch, denke ich,
00:34:41: Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen. Er hat Kinder.
00:34:44: Entdecken die das für sich,
00:34:45: dass da noch was zu holen ist, die CDU zum Beispiel?
00:34:48: Ja, sie versuchen es, aber es ist einfach, sie haben da jahrelang Sachen versäumt.
00:34:53: Das muss man einfach so sagen.
00:34:55: Also es ist für junge Menschen nicht sehr attraktiv gewesen,
00:34:57: in die CDU einzutreten. Es gibt die Junge Union,
00:35:00: Man kann da mitmachen.
00:35:01: Aber sie hat jetzt nicht die Massen
00:35:02: Angesprochen und einige,
00:35:04: also die AfD zum Beispiel,
00:35:05: Versucht es ja auch mit ganz anderen Sachen. Also die Nachwuchsorganisation
00:35:08: von denen, Generation Deutschland, die
00:35:11: Bietet zum Beispiel Wanderungen an.
00:35:13: Die gehen zusammen los mit kurzen Hosen und versuchen so Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.
00:35:18: Das kann natürlich dann später auch zusammenschweißen und dann dazu führen,
00:35:22: dass die Leute dann sehr überzeugt sind
00:35:24: und das gibt es bei anderen nicht.
00:35:27: Dazu noch eine Abschlussfrage. Wenn wir diese Gemengelage uns einmal vor Augen
00:35:30: führen mit TikTok und Co., welche Rolle wird das aus deiner Sicht spielen für die Landtagswahl?
00:35:35: Wir haben schon gesagt, junge Menschen sind eigentlich mit Abstand nicht die
00:35:38: größte Wählergruppe, aber super wichtig fürs Land.
00:35:40: Ja, es wirkt natürlich online sehr stark.
00:35:43: Also wenn man sieht,
00:35:44: wie zum Beispiel Heidi Reichenberg sehr viele Menschen erreicht
00:35:47: von der Linken
00:35:48: oder eben AfD-Kandidaten.
00:35:51: Am Wahltag zählt dann eine andere Realität, das muss man sagen.
00:35:55: Da sind einfach die jungen Menschen eine sehr kleine Minderheit und ob sie zur
00:36:00: Wahl gehen, das muss man auch sehen.
00:36:02: Verlässliche Wähler sind Leute ab 60, also sie gehen zu einem höheren Prozentsatz,
00:36:07: gehen sie auch wirklich zur Wahl, weil sie sich verpflichtet fühlen.
00:36:10: Und in der Gruppe ist die AfD nicht so stark.
00:36:14: Das heißt, es kommt darauf an,
00:36:15: welche Bevölkerungsteile am Ende erscheinen und ihren Stimmzettel einwerfen.
00:36:21: Ja, okay. Hagen, schon mal vielen Dank.
00:36:24: Ich denke, wir sind in unserer Bestandsaufnahme schon weit gekommen,
00:36:27: haben so ein bisschen umrissen, wie die politische Lage, wie ist die gesellschaftliche
00:36:31: Lage und kommen jetzt langsam zum Ende dieser ersten Folge.
00:36:35: Und da führen wir mal ein Ritual ein.
00:36:38: Wir wollen nämlich zum Ende jeder Folge unseren Gästen die gleichen drei Fragen
00:36:43: stellen und ich würde dich jetzt bitten, einfach relativ knapp,
00:36:46: aber persönlich zu antworten.
00:36:48: Erste Frage, was sind für dich die entscheidenden Themen im Wahljahr 2026 in Sachsen-Anhalt?
00:36:55: Würde ich jetzt kein Sachthema nennen, sondern das, was ich schon angesprochen habe,
00:36:58: Das Thema Optimismus.
00:36:59: Wem gelingt es,
00:37:00: Optimismus zu versprühen, Mut auf Zukunft?
00:37:04: Das wird, glaube ich,
00:37:05: die Wahl entscheiden.
00:37:07: Ist das denn für dich eine Schicksalswahl?
00:37:11: Ja, es ist eine Schicksalswahl,
00:37:13: weil wir wirklich eine Situation hätten, wenn die AfD sich hier durchsetzen
00:37:17: würde, die wir noch nicht hatten.
00:37:19: Also mit wirklich nicht planbaren Folgen.
00:37:22: Es gibt die Möglichkeit theoretisch,
00:37:23: dass ein Land, ein Bundesland, das sich Bundesgesetzen verweigert zum Beispiel,
00:37:28: was ja nicht ausgeschlossen ist,
00:37:29: dass die AfD das dann machen würde,
00:37:30: mit Bundeszwang verwaltet wird. Das gab es noch nicht in der Nachkriegsgeschichte.
00:37:35: Das ist ein schlimmes Wort.
00:37:36: Aber über solche Sachen müsste man dann möglicherweise nachdenken.
00:37:40: Ich glaube, der Begriff ist nicht übertrieben.
00:37:43: Okay. Und wo steht Sachsen-Anhalt aus deiner Sicht am Ende dieses Jahres 2026?
00:37:51: Wenn ich das wüsste,
00:37:52: dann könnte ich da jetzt bei bestimmten Wettportalen viel Geld gewinnen,
00:37:55: vermutlich.
00:37:58: Es ist offen.
00:37:59: Man kann es nicht vorhersehen.
00:38:01: Es kann sein, dass es eine Minderheitsregierung gibt. Es kann auch sein,
00:38:06: dass die AfD zum ersten Mal regiert.
00:38:08: Also es ist nicht zu prognostizieren.
00:38:12: Hagen, ich habe ganz, ganz herzlichen Dank. Hat mir großen Spaß gemacht.
00:38:15: Ich fand, du hast sehr interessante Einschätzungen geliefert.
00:38:18: Und damit war es das schon. Die erste Folge von 2,1 Millionen.
00:38:22: Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht, haben die ein bisschen die Ausgangslage
00:38:25: viereinhalb Monate vor der Wahl umrissen.
00:38:28: Wie schon gesagt, wenn euch Details interessieren, ihr mehr wissen wollt,
00:38:31: schaut gerne in die Shownotes und auf unser Infopaket, was wir dort geschnürt haben.
00:38:35: Und ganz wichtig, wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann abonniert ihn
00:38:39: und schickt ihn gern Menschen, denen die Politik und das Land Sachsen-Anhalt
00:38:44: ebenso am Herzen liegt wie uns.
00:38:46: Und wir wollen diesen Podcast auch mit euch da draußen zusammengestalten.
00:38:49: Also wenn ihr Anregungen, Themen, Kritik habt, die wir hier besprechen sollen,
00:38:54: die wir zu uns zu Herzen nehmen sollen, dann schreibt uns unbedingt an podcast.volksstimme.de.
00:38:59: Wir werden jede E-Mail lesen.
00:39:02: In der nächsten Folge schauen dann meine Kolleginnen und Kollegen auf die CDU
00:39:06: und wie die ins Wahljahr gestartet ist, wie sie im Vergleich zur AfD dasteht
00:39:11: und vieles weitere mehr.
00:39:12: Und wenn ihr täglich Sachsen-Anhalt im Blick haben wollt und nicht verpassen
00:39:16: wollt, was hier so passiert, dann könnt ihr auch gerne unseren Newsletter abonnieren.
00:39:20: Der heißt Update Sachsen-Anhalt und den findet ihr auf den Webseiten der Mitteldeutschen
00:39:23: Zeitung und der Volksstimme. Der ist total kostenlos.
00:39:26: Und dann bleibt mir nur zu sagen, ganz, ganz vielen Dank an Hagen, dass du heute da warst.
00:39:31: Hat mich gefreut. Vielen Dank, Max.
00:39:33: Vielleicht hören wir uns hier ja mal wieder. Und euch ganz vielen Dank fürs
00:39:36: Zuhören und bis zur nächsten Folge von 2,1 Millionen.
00:39:40: Diesen Podcast mache ich natürlich nicht alleine. Es gibt ein Team hinter dem Podcast.
00:39:45: Das sind die vier Hosts. Lena Bellon, Elisa Schulz, Jan Schumann und ich.
00:39:51: Redaktion Frank Rugullis. Mitarbeit Frank Krause und Til Gerloff.
00:39:58: Grafik Tobias Büttner.
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