DDR-Hip-Hop: Was Sachsen-Anhalt heute daraus lernen kann. Mit Jörg Schnurre

Shownotes

Hip-Hop in der DDR? Was heute kaum noch jemand weiß: Lange vor der Wiedervereinigung entstanden zwischen Dessau, Halle und Leipzig eigene Breakdance-, Graffiti- und Rap-Szenen. Ausgelöst durch den Kultfilm „Beat Street“ entwickelte sich in der DDR eine Jugendkultur, die bis heute nachwirkt.

In Dessau sprechen wir mit Jörg Schnurr vom Verein New Kid über die Anfänge des DDR-Hip-Hops, den Kampf um die Anerkennung als immaterielles Kulturerbe und die Frage, warum diese Geschichte nicht verloren gehen darf. Außerdem geht es um Jugendkultur heute: Warum junge Menschen Räume brauchen, was Gemeinschaft schaffen kann – und was Sachsen-Anhalt aus dieser besonderen ostdeutschen Geschichte lernen kann.

Eine Folge über Hip-Hop, Erinnerung und wichtiger Identität.

Mehr zu Thema der Sendung:

Verein New Kid in Dessau:

https://www.newkid.club/

Hip-Hop-Kultur in der DDR:

https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/als-beat-street-die-mauer-durchbrach-hip-hop-zwischen-bronx-heidelberg-und-dessau-4268352

Aktuelle Artikel:

https://www.volksstimme.de/wahl/landtagswahl-sachsen-anhalt/warum-afd-auf-tiktok-erfolgreich-ist-politikwissenschaftler-lewandowsky-4266281

https://www.uni-konstanz.de/universitaet/aktuelles-und-medien/aktuelle-meldungen/aktuelles-1/was-afd-waehlerschaft-verbindet-und-trennt/

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🎙️ Spitzengespräche mit den Kandidaten:

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00:00:00: Wenn ich mir Ihre Personen hier vorstelle, dann wäre das eigentlich ein Grund für mich, da rührt nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.

00:00:07: Ja wir erleben jetzt

00:00:08: im März, im Jahr-Zweißen-Sechsundzwanzig

00:00:09: Geschichte und den wenigen Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und das genau

00:00:13: so einordnen.

00:00:14: Wenn wir, meine Damen und Herren, den Kampf um unsere Demokratie gewinnen

00:00:17: wollen,

00:00:17: dann müssen wir die Herzen wieder zurückgewinnen!

00:00:20: Wir werden unsere Kultur nicht Nationalisten oder identitären Ideologen überlassen.

00:00:42: Warum ihr diesen Song hört und was damit sagt, um Anhalt zu tun hat?

00:00:46: Das klären wir gleich innerhalb unserer Podcast-Folge.

00:00:48: Zunächst einmal Herbst.

00:00:49: willkommen zur neuen Folge von zwei Komma Eins Millionen!

00:00:52: Wir sind der Podcast zur Wahl Hier in Sachsen-Anhalt von Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme.

00:00:57: Mein Name ist Lena Bellon, ich bin Haus bei ... Und wir sind heute mal wieder im Land unterwegs, und zwar in Dessau beim Verein NewKid.

00:01:04: Mir gegenüber sitzt Jörg Schnurr.

00:01:06: Hallo!

00:01:07: Herzlich willkommen in Desser.

00:01:08: Wir wollen heute ein bisschen über Hip Hop reden.

00:01:10: Genauer gesagt wollen wir über DDR-Hip Hop, über Jugendkultur und Jugendkulturen der DDR und Ostdeutschland die Folgen bis heute sprechen.

00:01:18: Und natürlich auch einen Bezug zur Wahl finden.

00:01:21: Ein New Kid ist hier besonders aktiv.

00:01:25: Was heißt heute jetzt?

00:01:29: Das ist so ein Stück weit Erinnerung wie der Wachrufen, also ich merke das sehr deutlich in einer jüngeren Generation, die überhaupt nicht bewusst ist dass es schon vor dem neunten November neunundachtzig Hip-Hop in Dessau gab oder überhaupt in der DDR.

00:01:42: und das geht mir auch in vielen Gesprächen in Ostdeutschland so.

00:01:46: Ich hatte letztes Jahr bei einem Hip Hop Ball im Berlin gehabt im Roten Rathaus.

00:01:49: Also da hat ja auch die Gelingheit mal kurz auf der Bühne zu stehen das Thema zu sprechen.

00:01:53: Ich hab gepitscht mit, wer kann sich vorstellen, dass es Hip-Hop in der DDR gab?

00:01:57: Und ein Großteil war völlig verdutzt.

00:01:59: und dann kam die Gespräche im Anschluss.

00:02:01: Das ist was wir auch sehr stark sehen, diese Verknüpfung wieder herzustellen.

00:02:05: Da gab's schon noch eine Generation davor.

00:02:07: Du und dein Verein, ihr arbeitet ja auch mit Bauhaus zusammen.

00:02:10: Vor wenigen Tagen gabs da auch die erste Breakdance Ampel hier in Desserts.

00:02:14: Es klingt alles so lebendig und spannend.

00:02:17: Gib uns einen Blick, was du sonst

00:02:19: machtst.

00:02:19: Wir sind relativ breit aufgestellter Verein ... haben so zwei Sparten, würde ich mal sagen.

00:02:23: So dass eine ist Elektro, wo wir auch sehr viel auf Tatten zur Anstaltung hier in Dessau organisieren also regelmäßig alle vier Wochen an der Schultheisbrauerei und parallel läuft so über mich ein Stück weit das Thema Hip-Hop.

00:02:34: Also machen so Graffiti Workshops Machen Breakdance Workshobs Auch mal so DJing Und eben das ganze Thema Osbrons wie es mir mittlerweile als Claim sozusagen haben Das Thema Hip Hop in Ostdeutschland und in der DDR quasi nochmal so ein bisschen auf ne andere Bühne heben und wieder präsenter machen.

00:02:48: Bevor wir noch ein bisschen weiter über die Gegenwart quatschen werden wir gerne erst mal zurück in das Jahr.

00:02:54: Man kann sagen, es war ein Jahr, dass dieses Bezüglich viel verändert hat.

00:02:57: Das große Beben in den DDR-Kinos?

00:03:00: Was ist damals passiert?

00:03:02: Genau auch im Juni kam der Film Beat Street raus und er hatte noch eine ganz besondere Bedeutung in der DDR.

00:03:10: Zum einen muss man sich bewusstwerden, warum dieser Film überhaupt in die DDR- Kinos kam.

00:03:14: Er war ja in Westdeutsch oder beziehungsweise ein Film gedreht im Nichtsozialistischen.

00:03:19: Ausland.

00:03:20: Also man muss eben diese Mauer wieder berücksichtigen, die Systemtrennung.

00:03:24: und Pari Bella Fonda, ein Regisseur aus den USA hat einen Film gedreht über die Hip-Hop Kultur in New York in der Bronx wie sie gerade am Entstehen ist war aber gleichzeitig ein großer Verfechter für den Sozialismus.

00:03:34: Und das hat die DDR-Führung dann doch auf dem Plan gerufen sich diesen Filmer näher anzuschauen.

00:03:38: Sie haben eine kleine Delegation nach Westberlin rüber geschickt um sich diesem film an zu schauen und Man hat den Film dann in der DDR zeigen wollen.

00:03:44: also dass war die Intention.

00:03:46: Die offizielle guckt mal wie der Kapitalismus wie auf Afroamerikaner wirkt, die im Ghetto leben.

00:03:53: Das war die Intention um das eigene System zu rechtfertigen?

00:03:56: Die DDR-Kids haben aber mit einer anderen Brille drauf gesehen, weil sie sagten, es sieht so abgefuckt aus wie bei uns hier zum Teil in Dessau und Halle in Leipzig, in Rostock, also den Hinterhöfen ... Aber irgendwie die haben coole Partys!

00:04:07: So kann man sagen, die Idee ist gescheitert eigentlich...

00:04:10: Also der DDR-Intention ist definitiv gescheitert an dieser Stelle.

00:04:13: Und das war ja dann das Interessante daran dass die Kids im mal in diesen Filmen gegangen sind, um sich gerade diese Breakdance-Moves abzugucken.

00:04:22: Um sie dann auf der Straße zu verfeinern.

00:04:24: also jetzt zum Beispiel auch wie hier in Dessau eine Museumskreuzung wo es ja jetzt diese Break Dance Ampeln gibt.

00:04:28: Aus diesem Grund die sind dort hingegangen weil's große Schaufenster gab und da konnten sie wie ein Symptanzstudio ihre Moves verfeineren.

00:04:34: Und zum Anfang war die DDR Führungen beziehungsweise auch der Sicherheitsapparat völlig überfordert damit.

00:04:39: Man wusste ja gar nicht was passiert denn jetzt auf einmal?

00:04:41: Jetzt fangen wir da an so Breakdances machen.

00:04:43: Dann haben Sie die halt regelmäßig einkassiert Dresden von unserem Stasi Oberstleutnant.

00:04:49: Brigitte, wir müssen dieses Phänomen unter Kontrolle

00:04:51: bekommen.".

00:04:52: Und das hat er geschrieben an eine Kulturbeauftragte in der Stadt und ... Wer

00:04:55: hat die reagiert?

00:04:56: Naja, die haben ja dann wirklich... Also ich weiß jetzt nicht wie Brigitte selber reagiert hat aber die DDR-Führung hatte gerade das Thema Breakdance aufgegriffen.

00:05:03: Hat es versucht auch wieder systematisch einzufangen indem sie den Kids dann Tanzmöglichkeiten gegeben haben also Trainingsmöglichkeit mit ganzer Unterkontrolle zu bekommen.

00:05:12: Was kann man sagen?

00:05:12: was hat der Film hier in Dessert ausgelöst zusammengefasst?

00:05:16: Zusammengefasst Euphorie und nicht nur in Dessau, sondern ganz aus Deutschland.

00:05:19: Also das merke ich immer wieder.

00:05:20: also jetzt auch nochmal weil gerade das Beispiel kam mit dem Bauhaus.

00:05:23: wir hatten ja am ersten Mai mit denen der Veranstaltung am historischen Arbeitsamt hier in Dessaoum und haben eine Breakdance Vorführung gemacht.

00:05:29: und ein Tag vorher war ich hier an so einem kleinen Laden und habe Linodium gekauft und brauchte halt zwei Bahnen damit es vier mal vier Meter werden.

00:05:35: und es waren halt geschnitten auf zweimal vier Meter.

00:05:37: und der Kollege stellte die Frage ob die Schnittmuster passen muss.

00:05:39: und ich sage nie ist das egal machen eh nur Breakdances drauf.

00:05:41: und da war so ein älterer Kollegen.

00:05:42: dann auf einmal fing die Augen richtig an zu glänzen vor Freude.

00:05:45: Ja, ich war ja auch früher in dieser Szene so ein bisschen mitgemacht.

00:05:49: Aber der Kollege aus der Elektroabteilung nahm das gar nicht mehr in diesem Lernen Dynamik an.

00:05:53: Ich wollte nur schnell einen Linonium kaufen und dann merkst du erst mal wie breit das in der Gesellschaft verankert war ohne dass es sofort sichtbar ist.

00:05:59: Ja, ich darf auch an der Stelle verraten.

00:06:01: Mir ging's auch so oft im WK her.

00:06:03: Ich bin ja Jahrgang, sechsundneinzig.

00:06:04: Ich hab das jetzt nicht mitbekommen.

00:06:06: Deswegen dachte ich, unterhalt mich mal mit meinem Redaktionsleiter Frank Rogules und er meinte auch, er war zwanzigmal Minimum in dem Kino damals.

00:06:12: Und er war auch ganz euphorisch mit dem Thema.

00:06:15: also gingen wir nicht anders.

00:06:17: Wir haben noch ein Song mitgebracht, wir haben ja am Anfang schon eingehört.

00:06:20: Wir würden jetzt noch einen Song einspielen Electric Beat Crew, quasi die Stars des Himmels.

00:06:42: Was fällt dir zu dem

00:06:43: Song ein

00:06:43: und auch den Song, den wir am Anfang gehört haben?

00:06:46: Also Electric Beat Crew ist ja, glaube ich eine der wenigen Platten die überhaupt in der DDR zum Thema Hip-Hop veröffentlicht wurden.

00:06:52: Das ist ja auch so ne ganz besondere Stellung.

00:06:54: Wenn ich heute gefragt wäre, sag mir doch mal Platten aus der DDR.

00:06:57: Wo ich halt sagen muss, da gab es noch ein anderes System.

00:06:59: Du konntest halt nicht einfach wie heute eine Platte veröffentlicher oder einen Song rausbringen ging halt einfach nicht weil alles staatlich kontrolliert und die Electric Beat crew hatte damals wenn ich das richtig zusammenfasse die erste Veröffentlichung.

00:07:09: Es ist auch einer der wenige wenig veröffentlicht.

00:07:11: Ich glaube, es gab gar ein oder zwei Gabs insgesamt.

00:07:13: Das darf man eben nicht vergessen bzw.

00:07:15: genau das ist diese Unterschiedlichkeit auch zum Hip-Hop in Westdeutschland.

00:07:20: Auch die Szene zur gleichen Zeit entstanden ist und der erste Song Beat Street... Also ich höre den Song und das glaube ich geht ganz vielen Hip Hop Leuten so.

00:07:27: du hörst diesen Song und siehst diese U-Bahnschächte Du siehst wie die Kids da breaken, wie sie sprühen Wie sie strengeln eigentlich im Leben so ein Stück weit.

00:07:36: also weil die Gesellschaft irgendwie nicht nett zu ihnen ist aber sie etwas Positives draus machen.

00:07:40: Also gerade auch zu diesem Thema Breakdance, also dass man battle heißt ja eigentlich Schlacht.

00:07:44: Also mein Kampf gegeneinander aber es bleibt trotzdem friedlich und das ist finde ich auch diese schöne Signale an hip-hop.

00:07:50: also each one teach one wir geben was weiter.

00:07:53: Ja also wir setzen uns positiv auseinander.

00:07:55: wie sind in dem Wettbewerb?

00:07:57: Wir sind nicht alle gleich sondern es gibt auch jemand der besser ist.

00:07:59: wir respektieren das wir handeln das aus aber auf eine friedliche Art und Weise fehlt mir manchmal zum Beispiel auch in der heutigen Gesellschaft so ein Stück weit.

00:08:07: Anzuerkennen, dass es jemand gibt, der besser ist heißt ja nicht das ich unbedingt schlechter bin aber also diese Offenheit fehlt mir mal.

00:08:14: und dieses positive, dieses Mal wieder...

00:08:16: Und sich dann zu begegnen?

00:08:17: Ja

00:08:17: genau!

00:08:20: Also wenn man jetzt auf die Politik aktuell so ein bisschen beziehen will Man kann ja miteinander streiten Aber dann eben auch immer durchatmen und sagen kommen wir setzen uns mit Trinken einfach im Bier miteinander

00:08:29: und auch respektvoll.

00:08:30: eben

00:08:32: So, das ist eben was ich so an Hip-Hop schätze und was auch dieser Song total rüberbringt.

00:08:37: Wir

00:08:37: wollen jetzt machen wir ein bisschen weiter im Zeitstrahl gehen quasi.

00:08:40: Man kann sagen dann kam die Wende, die Mauer fällt und der Zugang zu Hip Hop war nicht mehr begrenzt sondern unbegrenzt?

00:08:47: Was hat das verändert für die Szene?

00:08:49: Ganz viel.

00:08:49: also man muss es ja wirklich aufteilen hip hop ist einmal Breakdance Graffiti DJing und rappen und break dance war halt in der DDR sehr stark gefördert und unterstützt und das hatte eine ganz eigene Dynamik gehabt mit der Wende komplett zusammengebrochen, also auch diese Kulturförderung ein Stück weit.

00:09:05: Ich sage mittlerweile als Sozialwissenschaftler das war individuell was eine Aufbruch.

00:09:09: aber für die Szene war es erst mal ein kompletter Zusammenbruch an dieser Stelle.

00:09:12: und dann darf man eben auch nicht vergessen oder muss ich an Erinnerungen rufen... Die Wendetransformation hat halt echt bedeutet dass viele Leute weg gegangen sind.

00:09:20: jeder musste sich auch erstmal beruflich und im Leben wieder neu finden und da war eben für Hip-Hop erstmal nicht wirklich viel Zeit beziehungsweise nur noch begrenzt aufgebaut.

00:09:29: Ich bin ja auch schon in der Jahre und bin dann auch in der Jahrzehnte über Graffiti dazugekommen.

00:09:34: Und zum Beispiel Anfang der Zehntausender gab es ja auch noch mal ein Leipziger Klub, das Bounce AT-Seven.

00:09:39: Da sind ja auch Stars, die man heute noch kennt also Cool Salvage oder Asard Flair Bushido aufgetreten.

00:09:45: Internationale Stars auch.

00:09:46: Also da hat sich das ja schon nochmal zu einer Szene entwickelt

00:09:50: Genau, aber das hatte eben diese Vorarbeiten stückweit gab es schon in der DDR.

00:09:54: Also dieses Szene hat sich in den Neunzigern nochmal neu erfunden und konnte aber ein Stück weit auf Strukturen aufbauen.

00:10:00: Aber natürlich die ganze Vernetzungsarbeit in die West-Szene herein könnte erst ab dem Jahr neunzig dann passieren.

00:10:05: Und das war sowohl – ich kann da selber noch mit mich erinnern – dass wir uns Freitag hinzu gesetzt haben und sind nach München gefahren um sich Graffitis anzugucken, Spridosen zu kaufen, irgendwelche Hip Hop Klamotten weil du's einfach hier gar nicht….

00:10:14: Du hattest keine Läden hier!

00:10:15: Das nächste war Berlin also Westberlin und ansonsten eben München und die ganzen anderen Städte.

00:10:19: Umgekehrt sind halt auch viele sowie Torotschenko, die waren halt viel Anfang der Neunziger hier am Osten unterwegs.

00:10:24: Also es war wirklich so eine Wiedervereinigungsgeschichte, die halt wirklich Spaß gemacht hat.

00:10:29: aber und das kritisiere ich ab und zu dass diese ostdeutsche Erzählung dann ein Stück weit untergegangen ist

00:10:35: Ist ja auch in Dessau hier, ich muss sagen mir geht selber auch so als zugezogene quasi verbinde ich Dessow erstmal mehr mit Bauhaus als jetzt mit Hip Hop.

00:10:43: Aber genau hier ist ja auch eine Szene gewachsen.

00:10:46: was würden Sie sagen es davon heute noch übrig also von DDR Hip Hop?

00:10:50: Ist das nur eine Erinnerung oder schon auch noch lebendige Kultur wieder oder immer noch...

00:10:54: Also es ist wie gesagt den großen Teilen zusammen gebrochen.

00:10:57: Es gibt noch ein paar Kollegen die sehr aktiv sind.

00:11:00: weil ich jetzt zum Beispiel dieses International Boombox Meeting angucke war zwar sehr unrealmäßig stattfindet, aber immer noch stattfindete oder organisiert wird.

00:11:07: Das bringt halt immer wieder neue Leute und sowas zusammen.

00:11:09: Aber ansonsten sind es auch viele Genere die jetzt nachwachsen, nachrücken und irgendwas Neues aufbauen.

00:11:14: Also genau euer für allen New Kid ist ja genau das nicht nur Nostalgie sondern eben aktive Arbeit mit Jugendlichen heute hier in der Stadt.

00:11:21: Wer sind so die Menschen sie zu euch kommen?

00:11:23: Was wollen die?

00:11:24: was suchen die bei euch?

00:11:25: Also ein Verein Die Alters Range geht von siebzehn bis Sechzig.

00:11:29: Das finde ich schon mal mega interessant für einen Verein Der drei Jahre alt ist haben wir zum mittleren glaube ich jede Woche, jede zweite Woche im Mitgliedsantrag.

00:11:36: Das finde ich auch sehr interessant also dass wir gerade so eine Dynamik entwickeln und zu uns kommen Leute die Bock haben irgendwie deshalb wieder positiver zu gestalten in dessen auch wieder positive Erlebnismomente zu haben und das ist ja auch das was wir uns als zweites Ziel gesetzt haben oder überhaupt so als Vision aufgestellt haben.

00:11:52: Wir wollen halt einfach Raum zum Sein einfach wieder bieten ohne dass man wenn man rausgeht irgendwie nur nörgelnde leute sieht oder eben nur Rentner sieht sondern wir haben auch kein Problem mit älteren Leuten

00:12:02: und sagen, sind die auch welche bei euch

00:12:05: im Verein?

00:12:05: Genau.

00:12:06: Wir sagen ja immer junge Menschen und Jungebliebenen.

00:12:08: Und Jungebliben ist das was man selber aus dem Leben macht im Geiste, im Kopf und gibt der Leute sich mit ... wenn die sagen jugendlich sind, sondern einfach aufgeschlossen und Spaß haben.

00:12:20: Das ist das was wir bei unseren Veranstaltungen am Ende des Tages auch sehen, was es für ein Feeling gibt.

00:12:25: Und das ist das, was die Leute zu uns bringt und die dann Lust haben mit anzupacken.

00:12:29: Die

00:12:29: DDR-Pop war jetzt noch mal bisschen in den Nachrichten quasi nicht nur mit eurer Ampel, sondern auch unter dem Stichwort immaterielles Kulturerbe.

00:12:37: Die Hip Hop Kultur im westdeutschen Heidelberg wurde schon als immateriales Kultuerbe anerkannt.

00:12:46: warum das mit DDR-Hip-Hop eben noch nicht der Fall

00:12:48: ist.

00:12:48: Das ist ja auch bei uns im Verein über eine Schnapsidee entstanden, also wir haben ja eine Declation in der alten Schultheisbrauerei hier in Dessau und es ist das Depot.

00:12:57: da gab's schon mal da Clubaktivitäten drin, aber lange her und da ist die Genehmigung quasi erloschen dass man da Veranstaltung machen darf.

00:13:02: dann haben wir vor Ende'n zwanzig haben wir mit dem Bauordnungsamts erste Mal gesprochen und dann war natürlich die klassische Frage was wollte ich machen?

00:13:09: Und wir so Ja Klub!

00:13:10: Dann schauen sie natürlich in den Katalog und sagen Herzlichen Glückwunsch ganz viele Auflagen.

00:13:13: und dann habe ich einfach mal den Move gemacht gefragt, wie es dann wäre wenn wir ein Museum mit Aktionsfläche hätten.

00:13:18: So und ja das sieht gleich schon ein bisschen anders aus.

00:13:21: aber was wollen sie denn machen?

00:13:22: Und ich dann so ja Momma Hipper bin Dessau und so deklariere das als Museum und dann habe ich mich erstmal Sachkund nicht gemacht.

00:13:27: Was braucht's denn immer sich also überhaupt im Museum erst mal anerkennen zu lassen?

00:13:30: und da kam irgendwie dieses Thema Ja dann machen wir halt Breakdance aus Dessaux und hier im Materialiskulturherbe.

00:13:34: Habt dann im Dezember-Dreien-Zwanzig die Staatskanzlei in Sachsen halt angeschrieben.

00:13:38: also irgendwie glaube ich drei oder vier Tage vor Weihnachten und kriegte innerhalb von zwei Stunden eine positive Rückmeldung und war ja erstmal so cool Ja, krass!

00:13:45: Also so

00:13:46: ungewohnt, unkompliziert.

00:13:48: Genau und die haben uns dann auch direkt an den Landesheimatbund in Sachsen-Anhalt vermittelt.

00:13:52: Und die haben wir uns ab Februar auch inhaltlich sehr stark begleitet werden.

00:13:56: Wir hatten am Ende im September oder September eine große Netzwerkveranstaltung in Dessau.

00:14:00: Es hatte sich dann auch Anfang Vierundzwanzig rausgestellt.

00:14:02: Wir machen jetzt nicht nur Breakdance aus Dessert als Immaterielles Kulturer, wo man es auch den Film Dessaudancers dazu gibt sondern wir machen irgendwie Hip Hop in Ostdeutschland oder DDR und dann eben auch in Ost Deutschland weil gerade diese Wendetransformation hat noch mal ganz eigen... Perspektiven, die im Gesamtdeutsch Hip-Hop Erzählungen nicht so vorkommen.

00:14:18: Und gesagt getan und dann haben wir halt zwei Jahre lang ein Netzwerk für Arbeit gemacht.

00:14:22: Wir fahren viel in Ostseunstadt unterwegs bei vielen Veranstaltungen kleineren größeren haben uns auch mit den Kollegen aus Heidelberg vernetzt.

00:14:28: also sie haben auch relativ früh den Hinweis gegeben pass mal auf geht raus in die Szene.

00:14:32: bespricht das weil genau die es nicht gemacht haben und als dann die Auszeichnung kamen kann dann doch von einigen Kollegen aus der Szene so kritische Rückfragen.

00:14:39: ja wieso waren wir an die bei der Antragsbearbeitung eigentlich überhaupt nicht involviert?

00:14:44: Und das haben wir alles gemacht, dadurch dass wir eben nicht nur Sachsen-Anhaltan hatten sondern eben ganz Ostdeutschland hat und zum Beispiel auch die Stelle aus Sachsen zu der Antragsbearbeitung beraten.

00:14:53: Dann haben wir den im Oktober letzten Jahres eingereicht waren eigentlich guter Dinge.

00:14:58: Bis April des Jahres, als die Staatskanzler schreibt, dass sie eine Expertenkommission einberufen hat und die Experten-Kommission zu dem Schluss gekommen ist, das der Antrag als wissenschaftlich nicht ausreichend untersetzt wäre.

00:15:10: Das hat bei uns bei mir dann vor allen Dingen so die Frage aufgeworfen, wissenschaftliche Untersetzung?

00:15:15: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es im Antrag in irgendeiner Form erwähnt wurde... Was

00:15:19: hätte denn da gefehlt?

00:15:21: Also was hätte man haben müssen oder nachreichen müssen?

00:15:24: Diese schlaue Frage hat mir die Stadt gerade... der Staatskanzlei bis heute nicht beantworten können.

00:15:27: Und das zeigt eigentlich, wir haben ja jetzt über den Landesheimatbund und auch über die Kanäle, die wir selber haben feststellen dürfen.

00:15:33: also erstmal hat die Verantwortlichkeit seit Ende dreiundzwanzig innerhalb des Staatskanslais geändert.

00:15:38: vom Referat für Tradition und Heimatpflege und ehrenamtliches Engagement ist es gewechselt zum UNESCO-Welterbe.

00:15:44: Also von der Standarddurchschnittsubkultur hin zur Hochkultur.

00:15:48: Dieses Referat hat sich dann auch gedacht naja da braucht man eine neue Expertenkommission nur aus Hochkarätern einen Stück eingeladen und die hatten auch überhaupt keine Erfahrung mit so einer Antragstellung.

00:15:59: Also man hat nicht auf der Expertenkommission davor so ein Stück weit zurückgegriffen, sondern hat komplett neu aufgesetzt.

00:16:06: Das heißt ihr wartet jetzt weiterhin als bleibt ihr aber dran.

00:16:09: oder habt ihr jetzt gesagt gut dann soll es halt nicht sein?

00:16:12: Wie ist jetzt der Ist-Stand?

00:16:13: Der Ist-Sand ist also dass wir erstmal mega enttäuscht sind.

00:16:16: Also auch weil das Signal nicht mal kam, vorher passen wir auf.

00:16:19: Da müsste man das noch ein bisschen anpassen.

00:16:20: aber wir erkennen es zum Beispiel für Sachsen-Anhalt schonmal an.

00:16:23: also das wäre ja schon einmal so eine erste Möglichkeit gewesen um dann zu sagen in den nächsten zwei Jahren machen wir das mit euch noch so knackig damit's eben auch auf Bundesebene klappt.

00:16:29: und wenn ich das dann vergleiche wie es mit den Heidelbergern gelaufen ist dann würde ich

00:16:32: gerade fragen...

00:16:35: Dann passt es überhaupt nicht zusammen?

00:16:36: Und das ist ja auch ein Stück weit auch wiederum ein Kritikpunkt meiner oder unsererseits so einen Stückwand an der Auszeichnung für Heidel Berg.

00:16:44: Weil Heidel berg sagt ja dass sie die Ausbreitung der Hip-Hop-Kultur in Deutschland sehr zentral sind.

00:16:50: Das stimmt ab dem zehnten November, neunundachtzig.

00:16:53: Davor gab es zwei Szenen und da gabs keinerlei Vermischung.

00:16:56: also da gab's ja... Es gab indirekt Radio Berichte Fernsehberichte das kennen wir ja alles Kinofilme.

00:17:00: Da war der Heidelberger Hip Hop nicht präsent wenn ich sehe wie die den Antrag geschrieben und genehmigt bekommen haben dann passt das mit dem was Sachsen-Anhalt gerade fordert überhaupt nichts zusammen.

00:17:08: Und das hat uns auch die Kollegin aus Sachsen mittlerweile zurückgespiegelt dass sie sieht ja nur mittlerweile Also dadurch und mit Sachsen-Anhalt vergleichen kann, dass es da extreme Anforderungsunterschiede gibt.

00:17:19: Da muss man sagen, da ist bei der Staatskanzlei verkehrt gelaufen.

00:17:22: Auch wenn jetzt Herr Thulner vom Landesheimabund von der CDU sagt, wir könnten uns gerne noch mal an den Landesheimat bunt wenden?

00:17:28: Das haben wir zwei Jahre lang gemacht!

00:17:30: Also dieser bürokratische Weg, den glaube ich viele Vereine kennen, die irgendwas durchboxen wollen... Ich glaub' da können jetzt viele mitrelaten.

00:17:36: Sag gerne nochmal was aus deiner Sicht auch so die Unterschiede sind zwischen das hier, wir haben ja schon festgestellt, Was macht sie aus?

00:17:45: oder vielleicht auch noch mal im Vergleich zu der Westdeutschen, wenn man das so unterteilen will?

00:17:49: Also ich fange am besten mit der West-Deutschen an.

00:17:51: Die hatten GIs in ihren Städten, in Heidelberg, in Mannheim und in Stuttgart.

00:17:56: Sagst du

00:17:56: vielleicht nochmal kurz für unsere Hörerinnen und Hörern was das heißt?

00:17:59: Amerikanische Soldaten waren in Westdeutzland stationiert wie russische Soldatten in Ostdeutzlands stationiert worden Und die amerikanischen Soldaten kamen halt zum Teil aus New York, aus der Bronx und konnten diese Kulturform direkt vermitteln und sie konnten auch Netzwerke herstellen.

00:18:13: Sie konnten Sneaker verkaufen, sie konnten Platten oder Musik mitbringen und das hatten die Kids damals in der DDR überhaupt nicht.

00:18:20: Natürlich gab es die eine oder andere Oma, natürlich gab's den einen oder anderen Westkontakt, die mal was rüber gebracht haben aber das war so marginal... Also ich will nicht sagen dass das nicht weit erwähnenswert wäre, aber ist ne Randerscheinung.

00:18:32: Das siehst du halt auch wieder bei den Klamotten, allein bei den klamoten, dass die Kids angefangen haben sich selber an die Trainingsanzüge von der Oma schneidern zu lassen mit drei Streifen drauf zum Teil auch mit vier nur oder nur zwei weil man jetzt halt Man hat es ja im Film nur so mal vorbeilaufen sehen.

00:18:46: Es gibt T-Shirts, das Adidas-Logo und auf der anderen Seite das Puma.

00:18:50: Gibt's halt gar nicht!

00:18:53: Weil sie auch wenig Englischkenntnisse hatten, haben die sich Kruhnamen gegeben mit Begriffen, die es wortlich gibt im Englischen aber die klaren cool... Das macht es halt so besonders.

00:19:04: Diese komplette Abschottung, dass die für sich Hip-Hop nur aus diesem Film Beat Street und auch so ein bisschen Erzählungen aus dem Fernsehen kannten... ...und das dann für sich komplett neu definiert haben und eben auch gelebt haben.

00:19:15: Und mit der Wende hat es das auf einmal komplett überspült worden.

00:19:19: Es hat keinen mehr interessiert und das merkt man eben.

00:19:22: mittlerweile ist es ja eine Generation, die Ende der fünftigen Anfang der Sechziger ist zum Teil schon gestorben ist.

00:19:28: Und das macht's umso brisanter dieses Thema auf ein anderes Level zu bringen, bevor die Erzählung komplett weg ist.

00:19:34: Ist

00:19:34: es denn gut übermittelt und erforscht?

00:19:36: Weißt du das also?

00:19:37: wie gut dokumentiertes DDR-Hip Hop ist jetzt gerade zu büchendig auf dem Tisch

00:19:41: liegen?

00:19:42: Genau ich habe mich ein bisschen vorbereitet und das finde ich auch das Schöne an dieser Kritik von der Expertenkommission dass er es ja angeblich wissenschaftlich nicht ausreichend untersetzt werde ohne das genau zu definieren.

00:19:51: aber es gibt in der Tat mehrere Bücher darüber.

00:19:53: das wichtigste ist wohl von Leonhard Schmeding.

00:19:55: das ist unsere Party.

00:19:56: da hat er über die Hip Hop Szene in der DDR quasi geforscht und ist auch darüber promoviert.

00:20:01: sehr wichtiges Buch.

00:20:02: Hat natürlich den starken Fokus auf Breakdance, was ja klar war aber hat eben auch alles andere berücksichtigt.

00:20:06: und dann... Und das ist eben auch wieder so ein Kritikpunkt.

00:20:08: hier habe ich nochmal so drei Bücher.

00:20:09: Das ist ein Compendium.

00:20:10: Es entstand so Hip-Hop in Deutschland, zwanzig Jahre, fünfundzwanzig jahre und fünfund dreißig Jahre.

00:20:15: Die Hörer können es jetzt nicht sehen Aber die Bücher

00:20:16: sind... Sind dicke Bücher die hier vorne sind?

00:20:18: Genau!

00:20:18: Diese Bücher haben quasi über die Jahre angestiegen und es gibt in der ersten Auflage zwanziger Jahre also zehn Jahr, das darf man nicht vergessen, zehn Jahre getrennt ist Deutschland.

00:20:25: Zehn Jahre gemeinsam ist Deutschland.

00:20:27: als es geschrieben wurde Da sind neun Seiten über die DDR-Szene drin.

00:20:31: Das Buch ist angewachsen, extrem angewaxen.

00:20:34: Darfst du mal raten wie viele Seiten über der DDR- Szene da drin sind?

00:20:37: Von

00:20:37: neun angefangen, dann vielleicht zwanzig, I don't know!

00:20:40: Das

00:20:40: ist genau der Punkt.

00:20:41: es bleibt bei diesen neuen Seiten.

00:20:43: Oh

00:20:43: okay...

00:20:44: Und jetzt musst du dir einen jungen Redakteur vorstellen wo das Thema Hip Hop in Deutschland schreiben soll.

00:20:48: was macht er, der recherchiert so und er findet dieses Buch und sagt sich höre von dreißig Jahre in Deutschland hat's ja an der DDR nix gegeben.

00:20:55: So, wenn die das so schreiben.

00:20:56: Das ist ja so magisch...

00:20:57: Scheint nicht so relevant gewesen zu sein, wenn nur neuen Seiten gewidmet werden quasi!

00:21:01: Genau.

00:21:01: und genau das ist ja die Challenge.

00:21:03: und dann stelle ich mir die Frage warum dürfen also wenn da nur neun Seiten über die DDR drin sind?

00:21:07: Warum dürfen sie über Hip-Hop in Deutschland schreiben?

00:21:09: Wenn wir das Buch machen würden müssten wir drüber schreiben hiphop in Ostdeutschland.

00:21:13: Warum?!

00:21:14: Zester ist noch Nachholbedarf, sagst

00:21:16: du?

00:21:16: Wissenschaftlich gibt es da auf jeden Fall eine ganze Menge zu erforschen.

00:21:20: Aber das ist ja auch der Punkt, warum man so ein immaterielles Kulturherbe haben möchte.

00:21:23: Es geht nicht, dass wir uns damit aussehen, sondern eben, dass was stattgefunden hat anständig repräsentiert wird und genau das bekommt... Ich will nicht sagen zusteht aber das ist ne ganz eigene Szene.

00:21:34: und diese Wendetransformation.

00:21:36: Kein westdeutscher Kollege kann das in irgendeiner Form vermitteln!

00:21:39: Was war das Leben in der DDR?

00:21:40: War das Leben einer

00:21:41: Diktatur?!

00:21:42: Wie ist das wenn Du auf der Museumskultur Nachmittag Breakdance machst und dann kommt die Polizei, schiebt dich quasi auf irgendeinen Lkw drauf.

00:21:48: Und dann wirst du erst mal zu einer Polizeivache gefahren und musst da die ganze Nacht bleiben.

00:21:51: Du hast keine Rechte!

00:21:52: Du kannst nicht deinen Anwalt oder deine Eltern anrufen, die dich wieder abholen.

00:21:55: Obwohl du minderjährig bist.

00:21:57: Sondern du sitzt erst einmal bis zum nächsten Morgen.

00:21:58: Dann gibt es Stasi-Akten über dich.

00:22:02: Es können westdeutsche Kollegen nicht vermitteln.

00:22:04: Das ist ja auch der Grund warum wir beim New Kid Verein letzten Jahr eine Führung bekommen haben für ne Wanderausstellung zur Hip Hop in ner DDR.

00:22:11: Um eben genau diese Diktatur deutlich zu machen und eben auch diese Wendetransformation.

00:22:16: Also so Songs wie Tretmann, Grauer Beton... Das ist eine originär ostdeutsche Perspektive.

00:22:21: die hatten westdeutscher Kollege nicht.

00:22:22: oder auch Moloch Dilemma Oase.

00:22:24: also wenn ich diesen Song höre über Leipzig-Grünau der kriege ich Gänsehaut weil es genauso habe ich die Neunziger erlebt im Osten und das ist ne ganz eigene Erfahrung die bisher nicht ausreichend gefürcht wird.

00:22:35: Also würdest du mir zustimmen, dass die Erinnerungsarbeit aus genau diesen genannten Gründen von eben besonders wichtig ist um auch diese kulturelle Anerkennung zu bekommen?

00:22:45: Ja.

00:22:46: Das war wahrscheinlich ja auch eure Motivation unter anderem oder?

00:22:48: Genau

00:22:49: naja es geht wie gesagt um dieses Ostdeutsch.

00:22:51: ich will das jetzt eigentlich überhaupt nicht so immer hervorheben und so betonen aber die bemerkst ihr bei den Leuten draußen, dass ihnen ein Stück weit was fehlt.

00:22:58: Dass ihre Erzählung nur runtergebrochen wird auf DDR war in der Diktatur.

00:23:03: Das stimmt aber daneben gab's Und diese individuellen Erzählungen braucht es halt viel mehr, um eben auch zu vermitteln.

00:23:10: Das hat bisher nicht wirklich stattgefunden und wir sehen uns bei den dritten Oktober-Veranstaltungen wie das Thema Ostdeutschland ganz häufig behandelt wird, wenn's um Wiedervereinigung geht.

00:23:17: Das ist eine westdeutsche Perspektive, westdeutische Veranstaltung wo der Ossi mal so ein bisschen rumtanzen darf!

00:23:22: Jetzt sind wir ja hier einen reichweiten starker Podcast und da hast du hier die Chance auch ein bisschen was darüber zu erzählen... Was hat Ihnen so einzigartig gemacht?

00:23:31: DDR Hip

00:23:31: Hop?

00:23:34: von der restlichen Welt, also keine Kontakte nach New York zu haben.

00:23:37: Sich selbst Hip-Hop zu definieren dieser Gemeinschaftsgedanke... Also wir haben das jetzt vor zwei Wochen in Dresden wieder gesehen.

00:23:44: da gab es halt eine Hip Hop Veranstaltung von den Dresdnern Kollegen und dann ist halt so ein Kollege wie Bürger Lars Dietrich da.

00:23:49: Da ist halt Remo aus dem Film Beat Street da!

00:23:52: Und du merkst?

00:23:52: Das Thema ist noch super präsent und die Leute wünschen sich dass das wahrgenommen wird.

00:23:58: Das ist so einen Punkt und diese Einzigartigkeit ist eben wie gesagt dieses völlige System Abschottung.

00:24:03: Hast du ja zum Beispiel auch nicht wohl Beat Street in der DDR rauskamen?

00:24:05: In Tschechien hast es nicht.

00:24:06: Du hast das nicht in Polen, das ist nochmal eine ganz andere Geschichte.

00:24:08: Ich sag mal so Randbemerkungen sind eben dass sie z.B.

00:24:10: in Ostdeutschland mit teilweise mit Kindern russischer Offiziere Breakdance gemacht haben und darüber eben auch Breakdence nach Russland kam.

00:24:17: oder die Kids die in Stasswort in einer Schule der Freundschaft waren aus Mosambik die dann auch wieder Breakdances in der DDR gelernt haben und da quasi diesen ostdeutschen Breakdancs mit nach Mosambique genommen haben.

00:24:26: Das sind so Randerscheinungen aber das geht halt völlig unter dir.

00:24:30: Was würdest du sagen, welche Spuren hat er bis heute so hinterlassen?

00:24:34: Was davon ist noch bemerkbar.

00:24:35: Trettmann zum Beispiel.

00:24:37: Kennen jetzt viele als Sänger, dass der Breakdance in den achtzigen Jahren in Karl-Marxschad damals gemacht hat, das wissen halt viele nicht und das macht es eben so spannend wenn man ihn dann als Zeitzeug einlädt um über die DDR zu sprechen also auch vor dem Hintergrund, dass viele ja sagen, also das war damals nicht der richtige Sozialismus, da müssen wir nochmal irgendwie neu ran.

00:24:53: Dann sag ich so okay, dann lass uns mal über den Sozialismus von damals sprechen und dann holen wir uns mal Trettman wie das in der DDR war, was es am Ende des Tages bedeutet hat.

00:25:01: Ich würde sagen, dass der Sozialismus schlecht ist oder gut ist.

00:25:04: aber wir haben zumindest gesehen in der DDR war's jetzt nicht das Optimum.

00:25:07: Jetzt macht ihr natürlich im Verein, haben wir schon über eure Arbeit gesprochen.

00:25:10: Wie wird sonst Wissen weitergegeben?

00:25:12: Wir haben jetzt schon festgestellt Lektüre manchmal sperrlich.

00:25:15: Also viel über individuelle Erzählung Innerhalb

00:25:17: so von Familie

00:25:18: Familie und auch innerhalb der Szene.

00:25:21: Das haben wir jetzt in Dresden wieder gesehen.

00:25:22: Da kommen wirklich junge Familien mit ihren Kids Und dann stehen halt wie gesagt Böberlers Dietrich und Co.

00:25:26: Das sind ja nur die ältere Generationen Potsdam in den Achtzigern Breakdance gemacht haben und die dann aber erst mal erzählen, dass es Breakdances in der DDR war.

00:25:32: Und dann alle mit großen Augen dastehen und diese Erzählung das macht's halt so besonders ne?

00:25:36: Das ist halt wirklich wie sagt man oral history!

00:25:38: Das ist ja auch das Schöne und das Spannende ist eben das auch ein Stück weit wieder präsenter zu machen.

00:25:42: Das ist hier auch das Ziel was wir mit Ostbrunks verfolgen oder dann eben auch mit den Kollegen im Osterstand weit sagen, dass wir wollen ja auch einen Dachverband quasi gründen um dieses ganze Thema auf ein ganz anderes Level zu heben.

00:25:51: Der nächste Punkt, das war letztes Jahr zum Beispiel beim Old School Hip-Hop Camp in Brandenburg der Fall.

00:25:56: Dass ein Kollege aus Rostock auf mich zukommt und sagt wie weit seid ihr eigentlich schon mit eurem Dachverband?

00:26:00: Ich sage wie meins das sind!

00:26:01: Ja also er hat es mit seinen Kollegen aus Ronstock schon ausgemacht.

00:26:03: Also wer zuerst ins Gras bei ist überlässt dem anderen seine Privatsammlung.

00:26:07: Das ist das was noch total spannend wird also was in diesen Privatarchiven zum Teil lagert Was bisher überhaupt nicht präsent ist und auch nicht gezeigt wird.

00:26:14: ich merke auch wenn wir sprechen du brennst für dieses Thema jedenfalls Und deswegen kannst ja vielleicht für alle höhere und höre nochmal sagen Der erste Antrag wurde abgelehnt, aber ist das jetzt das Ende der Idee?

00:26:25: Oder für mich wirkt es schon so als ob du oder ihr als Verein auch noch viele Pläne habt.

00:26:30: Also wir haben definitiv viele Plähne.

00:26:32: Das ist überhaupt keine Frage!

00:26:34: Die Staatskanzlei hat ja zum Beispiel in Sachsen-Anhaltag gesagt, die können in zwei Jahren nochmal einreichen.

00:26:37: Es wäre grundsätzlich durchaus denkbar nur... Wir sehen ja auch politisch wo sich gerade... Wir haben am sechsten September die Wahl, wohin sich das Land bewegen könnte und ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob in zwei jahren mit einer AfD Regierung dieser Antrache überhaupt noch Stellbar ist.

00:26:51: Also stellbar vielleicht schon, aber der wird definitiv abgelehnt.

00:26:53: also von daher find ich es auch echt ein Stranger Move gerade von unserem Ministerpräsidenten und von Herrn Robra Leiter Staatskanzlei das Ding halt so hardcore abzulehnen.

00:27:01: Wir haben das jetzt in Dresden noch mal in der Szene diskutiert.

00:27:03: wie wir damit umgehen?

00:27:04: Wir warten natürlich erst einmal die Wahlabend Sachsen-Anhalt.

00:27:07: stellen uns dann die Frage stellen wir ihn hier nochmal Stellen wir in einem anderen Bundesland oder sind wir so richtig arschlochig Und stellen ihnen allen fünf Bundesländern an?

00:27:15: Dann können sich die Staatskantleien untereinander bitte austauschen weil dann wird glaube ich richtig deutlich, wie unterschiedlich die Qualitäten sind.

00:27:21: Also wir werden jetzt auch demnächst nochmal ein Brief an die Deutsche Unesco-Kommission zu diesem ganzen Thema schreiben weil es einfach nach wie vor Harnbüchen finden.

00:27:28: das ist natürlich kein Automatismus gibt zwischen Antrag eingereicht und Weiterreichung für völlig der Chor.

00:27:32: aber eben mit einer Ablehnung zu kommen, mit einem Kriterium was überhaupt nicht gefordert ist und des Antragsfumulark gäbe das doch überhaupt nicht her wenn man sich das mal anguckt dass ja teilweise tausend zweihundert Zeichen wo solchen da bitte noch eine wissenschaftliche Quelle unterbringen?

00:27:43: Ich sehe den Kampfgeist auf jeden Fall.

00:27:45: Und ich glaube, ihr gebt das noch nicht auf und auch der Zusammenhang zur Politik ist ja jetzt auch schon ...

00:27:50: Ja, hier poppen wir euch auch immer ein bisschen rebellisch!

00:27:52: Hip-Hop ist auch immer politisch gewesen und natürlich stellen wir uns die Frage.

00:27:55: Machen wir es jetzt in Sachsen-Anhalt, wie gesagt, das ist eine Strategiefrage oder machen wir es wirklich in allen fünf Bundesländern?

00:28:00: Da sind wir mal, wir sind sportlich so... Und da kommt wieder der Kampfgeist

00:28:04: aber

00:28:04: auf ne friedliche Art und Weise.

00:28:06: Du hast es ja schon angesprochen, dass gibt's wie bei Almen.

00:28:09: Wir sind hier an Wahlpottkast, wir sprechen viel über Politik und man kann eigentlich den Almen in Bezug zur Politik finden.

00:28:14: Und Jugendkultur und dieses Zugehörigkeitsgefühl, Räume für junge Menschen sind ja auch Wahltemen.

00:28:23: Wir haben vorhin schon kurz darüber gesprochen, wenn man noch mal über Beat Street spricht sich daran erinnert und auf heute in Sachsen-Anhalt schaut.

00:28:30: Was fällt dir da ein?

00:28:31: Welche Vergleiche kann man vielleicht ziehen?

00:28:33: Was kann man daraus mitnehmen?

00:28:35: Also wir haben natürlich bei uns im Verein die Diskussion immer so was kann man denn machen gegen die AfD?

00:28:39: So, wo ich grundsätzlich erst mal sage.

00:28:41: Ich bin da relativ offen.

00:28:43: und wenn ich mir aber anschaue zum Beispiel umfragen unter jüngeren Menschen warum wählen jüngere Menschen in ausdeutschland?

00:28:48: also gerade im ländlichen Raum sind der AfD zu geneigt so abgehängt?

00:28:52: weil es gibt keine kulturangebote.

00:28:53: ich komme mit dem öffentlichen nachverkehr nicht irgendwo hin und fühle mich wie der letzte rest war.

00:28:57: sie alle die besser sind gehen weg und ich finde mich völlig abgehängt.

00:29:00: das ist halt deshalb rosslau punkt.

00:29:02: und dann sage ich mir okay jetzt kommen wir uns hinstellen als alles do finden oder wir machen was dagegen.

00:29:07: und dass es eben dieser geist aus beats Das System ist jetzt nicht Optimum für uns, also es unterstützt uns nicht.

00:29:11: Wir leben ein Stück weit ... Armut haben wir ja hier nicht.

00:29:15: Abgehangen?

00:29:16: Ja und du fängst halt an aus dem Nichts was zu machen.

00:29:19: das ist ja auch Hip-Hop sprühen.

00:29:21: Ich mache Graffiti auch in der Nebentätigkeit.

00:29:24: Kann ich wieder studieren noch kann ich das als eine Ausbildung lernen.

00:29:27: Du merkst nur aus deinen eigenen Skills heraus kannst du was verändern die eine andere Perspektive geben.

00:29:34: Breakdance genau das gleiche, Reppen genau das Gleiche und Musik machen genau dass Gleiche.

00:29:37: Das macht's halt so spannend, das macht es schöner beim New Kid-Verein.

00:29:40: Wir wollen eben was machen.

00:29:41: Ich glaube, das ist wesentlich bessere Arbeit gegen die AfD aber für das politische Klima als immer nur irgendwie so ne Demo dagegen zu machen.

00:29:49: Wo ich sage, das kann man mal machen, aber das machst du einmal im Monat.

00:29:51: Was machst du die restlichen neunundzwanzig Tage?

00:29:53: Da kommt der New Kidverein ins Spiel!

00:29:55: Merkst

00:29:55: schon, du beschäftigst dich auch mit Politik.

00:29:57: Das mögen wir hier ja auch und haben einen Abschlussritual.

00:30:01: unsere Gäste hier im Podcast.

00:30:03: Die würde ich jetzt einfach nacheinander stellen, drei Fragen und eine knappe persönliche Antwort.

00:30:09: gerne die erste was sind die entscheidenden Themen für den aktuellen Wahlkampf?

00:30:14: Kultur Lebensgefühl und wirtschaftliche Zukunft.

00:30:18: Zweite Frage, ist das für dich eine Schicksalswahl?

00:30:21: Nee, Schicksaleswahl würde ich das jetzt nicht bezeichnen.

00:30:24: Also es wird ne spannende Wahl.

00:30:26: Es wird ein spannendes Ergebnis aber Schicksal... ähm... also bei etwa bei vierzig Prozent der Bevölkerung weiß ich noch mal, ob das noch als Schicksaldswahl bezeichnend kann sondern das ist eher gewollt.

00:30:36: Letzte Frage wo steht Sachsen-Anhalt am Ende des Jahres?

00:30:39: Wo steht Sachseneinheit am Ende eines Jahres?

00:30:41: Immer noch in Sachsenen-Ainhalten immer noch im Mitteldeutschland immer noch in Europa immer noch auf diesem Plan.

00:30:46: Es wird spannend.

00:30:47: Dankeschön!

00:30:48: Danke, dass wir da sein durften und Einblicke bekommen haben in den Vereinen eurer Arbeit.

00:30:53: Das war die sechzehnte Folge von zwei Komma.

00:30:55: eins Millionen.

00:30:56: danke euch fürs zuhören.

00:30:57: Wir sind der Politik.

00:30:58: Podcast von MZ und Volksstimme im Warjahr in Sachsen-Anhalt.

00:31:02: Hier bekommt ihr die wichtigsten Informationen rund um diese wichtige Landtagswahl.

00:31:06: Wir waren auch nicht zum ersten Mal unterwegs Im land.

00:31:08: wir waren schon mal in Harzgerode bei Bohai.

00:31:10: Wenn wir das öfter machen sollen gibt uns gerne Inspiration rein per E-Mail an podcast at volkschutner.de.

00:31:16: Wenn ihr eine Idee habt, wo wir als nächstes Roadtrip hinmachen könnten hinterlasst uns auch gerne Kommentare bei Spotify, YouTube, Apple.

00:31:22: das lesen wir gerne.

00:31:23: nutzen das als Inspiration.

00:31:25: in der nächsten Folge geht es um Kryptowertpapiere und IT-Sicherheit.

00:31:29: da könnt ihr euch auch schon mal drauf freuen.

00:31:31: danke erstmal fürs zuhören!

00:31:32: Und das Team hinter dem Podcast sind einmal die für Horst, Elisabeth Schulz, Jan Schumann Max Hunger und ich Redaktion Frank Rougoules Mitarbeiter Frank Krause, Till Gerloff Arnoholzki macht, zu beherrschen.

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