"Verspielt eure Freiheit nicht!" Mit Bischof Gerhard Feige
Shownotes
Unser Gast: Bischof Feige
https://www.bistum-magdeburg.de/bischof-bistum/bischof/bischof
Neue Wahl-Umfrage:
https://www.mz.de/wahl/landtagswahl-sachsen-anhalt/umfrage-trend-kleine-parteien-afd-cdu-4293509
Allgemeine Informationen zur Wahl:
📄Die Wahlprogramme
- SPD: SPD-Wahlprogramm-2026.pdf
- AFD: AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt
- DIE LINKE: 2026-03-19_Landtagswahlprogramm__final_.pdf
- BSW: BSW_Landtagswahlprogramm_SachsenAnhalt.pdf
- FDP: [Freiheit hat nur eine Heimat – Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf](https://42cloud.universum.com/sites/default/files/2026-04/Freiheit hat nur eine Heimat %E2%80%93 Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf)
- BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN: https://www.gruene-lsa.de/programm2026/ Entwürfe:
- CDU: entwurf_regierungsprogramm2026_2026-03-24.pdf (entwurf)
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🎙️ Spitzengespräche mit den Kandidaten:
- Ministerpräsident Schulze im Interview: Nur ein Kind der DDR kann Sachsen-Anhalt regieren
- Linke Spitzenkandidatin Eva von Angern: „Sven Schulze mit dieser Agenda ist für die Linke nicht wählbar“
- AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund: AfD-Spitzenkandidat sagt, wie er Sachsen-Anhalt umbauen würde
- BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze: Das BSW sagt, wer in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident werden soll
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00:00:00: Wenn
00:00:00: ich mir Ihre Personen hier vorstelle,
00:00:02: dann wäre das eigentlich ein Grund für mich,
00:00:03: da rührt nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.
00:00:07: Ja wir erleben jetzt
00:00:08: im März, im Jahr-Zweißen-Sechsundzwanzig
00:00:09: Geschichte und den wenigen Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und das genau
00:00:13: so einordnen.
00:00:14: Wenn wir, meine
00:00:14: Damen und Herren,
00:00:15: den Kampf um unsere Demokratie gewinnen
00:00:17: wollen,
00:00:17: dann müssen wir die Herzen wieder zurückgewinnen!
00:00:20: Wir werden unsere Kultur nicht Nationalisten oder identitären Ideologen überlassen.
00:00:28: der Politik-Podcast von Mitte Deutscher Zeitung und Volksstimme.
00:00:32: Wir haben in den vergangenen Wochen, glaube ich schon öfter mal gesagt so ja heute begrüßen wir einen ganz besonderen Gast eine ganz besondere Gästein aber heute stimmt das auch schon wieder ganz besonders.
00:00:41: unser Gast heute steht nämlich für ne ganze Epoche.
00:00:44: er stammt aus Halle hat die DDR erlebt die Wende die Neugründungen des Bistums Magdeburg und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten beshoff.
00:00:52: Er hat wesentlich die Entwicklung von Sachsen-Anhalt geprägt und ist heute deswegen zu Gast bei unserem Podcast, Zwei Komma Eins Millionen.
00:00:59: Herzlich willkommen Bischof Feige!
00:01:00: Danke schön ja.
00:01:02: Bischoff Feige Sie geben selten lange und persönliche Podcast Interviews.
00:01:06: Deswegen freuen wir uns ganz besonders dass sie uns zum Gespräch eingeladen haben.
00:01:10: ich bin Lena Bellon Haus bei zwei Komma eins Millionen Und heute hier für die Aufnahme bei Ihnen im Büro quasi zu Gast.
00:01:17: Wir wollen halt nicht nur über Kirche sprechen, wir wollen auch über Sachsen-Anhalt sprechen, über Menschenpolitik, Zusammenhalt – auch die AfD aber auch über Hoffnungen und Enttäuschung!
00:01:27: Und über die Frage was bleibt wenn man auf fast ein ganzes Leben inzwischen zurückblickt?
00:01:32: Sie stammen aus Halle.
00:01:34: Sie haben dort ja ihre Jugend verbracht und auch ihr Abitur gemacht, die Schule gibt es auch heute noch.
00:01:39: wenn sie so an Ihre Kindheit und Jugend zurückblicken was war damals so Ihr Blick auf Sachsen-Anhalt?
00:01:46: Soweit ich mich erinnern kann spielte der Begriff Sachsen Anhalt damals wohl keine Rolle.
00:01:52: also wir haben in Heimatkunde in der Grundschule haben wir uns mit dem Saalkreis intensiv beschäftigt und von den Eltern her wir hatten keinen.
00:02:02: Wir sind auch nicht viel verreist.
00:02:05: Der einzige Urlaub oder Ferienort meiner Kindheit war Bad Kösen.
00:02:09: Meine Mutter hat da gekurt und hatte dann die Möglichkeit, mich mitzunehmen.
00:02:15: Mein Vater kam in einigen Jahren auch mit.
00:02:18: Da habe ich Bad Kößen kennengelernt und die Umgebung, das kannte ich wie aus meiner eigenen Hosentasche ... Das war wunderschön und ich kann mich noch erinnern, dass wir von der Schule aus mal in Wernigerode waren.
00:02:32: In der Jugendherr-Berge oder ... Ich war auch im Magdeburg.
00:02:35: In nineteenhundertsechzig kann ich mich dran erinnerne.
00:02:38: Da haben wir hier tausend Jahre Erzbistung Magdeburger feiert.
00:02:42: Aber was nördlich von Magdebourg lag, das war nicht in meinem Horizont.
00:02:47: Also nichts damit man sich identifiziert hat so, ich bin Sachsenanhalter?
00:02:51: Es gab es nicht, sagen Sie!
00:02:52: Ich habe auch noch mal nachgeschaut, bei De Hiro, also dem Handbuch für Kunstdenkmäler und Kulturdenkmähler gab es damals zwei Ausführungen für den Bezirk Halle und für den bezirkmaktebord.
00:03:05: Also Sachsen-Anhalt spielte als Begriff und als Land damals nicht diese Rolle.
00:03:11: Meinen Sie jetzt gibt's immer noch was?
00:03:12: Was Leute die nicht ausm Osten kommen so falsch verstehen über Sachseneinheit oder vielleicht auch nicht verstehen ...
00:03:19: Also es gibt eine ganze Reihe, die kennen Sachsen-Anhalt immer noch nicht und sind dann erstaunt über die historische Bedeutung, die Sachsenanhalt hat.
00:03:28: Und auch über die vielen Weltkulturerbestätten und überhaupt die Architektur, die romanische Straße beispielsweise aber auch was die Gotik hinterlassen hat und andere Kulturstile.
00:03:40: Auch die Landschaft ist wunderbar und vielfältig wenn man guckt vom Harz, Bogenlandkreis aber auch Elbe-Sale-Gebiet oder eben die Altmark.
00:03:51: Und die Altmarkt, die habe ich dann schätzen gelernt an meiner ersten Stelle als Fikaner in der Pristerweihe.
00:03:58: Da bin ich nach Salzwedel versetzt worden.
00:04:01: Ich kannte das noch nicht.
00:04:03: Aber lieben gelernt?
00:04:04: –
00:04:04: Ich hab's lieben gelernet und hatte dann Sparseshalber nach meiner ersten Messe den anderen gesagt im Halle.
00:04:10: Ich komme nach Salzwebeln.
00:04:11: Das ist erst nach Norden und dann immer geradeaus Und das war damals die Reklame für Bommerlunder, die wir aus dem Westfernsehen kannten.
00:04:19: Was macht Sachsen-Einheit das Bundesland stärker als andere vielleicht denken?
00:04:25: Ja, das ist schwierig zu sagen... Ich behaupte mal die Transformationserfahrung, die wir gemacht haben.
00:04:32: Die waren zwar für viele niederschmetternd aber sie haben andererseits auch gestärkt und haben auch lebensdüchtig gemacht.
00:04:41: Geprägt vor allen Dingen?
00:04:42: Ja mit solchen Krisen umzugehen neue Anfänge zu setzen da meine ich das spielt schon für Sachsen-Anhalt eine Rolle.
00:04:49: und aber auch wir haben ja nach neunzehnhundertneuen achtzig den Zuzug gehabt von Westdeutschen aber auch international Und heute meine ich, dass das eigentlich gar nicht wegzudenken ist.
00:05:02: Dass das also auch uns ausmacht eine vielfältige Gesellschaft zu sein die sich den Problemen stellen kann.
00:05:08: Sie haben jetzt gerade schon das Stichwort Transformation gesagt.
00:05:11: Sie leben ja jetzt schon sehr lange in Sachsen-Anhalt und haben dementsprechend viele gesellschaftliche Veränderungen mitgemacht.
00:05:18: Würden sie sagen, die Leute sind heute zufriedener als vor zwanzig Jahren oder unzufriedener?
00:05:22: Also diese Leute gibt es ja nicht!
00:05:25: Die Sachsen-Anhalter.
00:05:27: Ja, aber ich würde sagen nach der Wende oder nach der fröhlichen Revolution und vor allem Deutschlands.
00:05:34: es hat Verlierer gegeben und Gewinner.
00:05:37: Das ist sehr.
00:05:37: die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich gewesen Und die Phasen sind auch sehr unterschiedliche gewesen.
00:05:42: Es gab schon bessere Zeiten als heutzutage Und die Stimmung haben sich auch verändert.
00:05:49: Ich kann mich von was
00:05:50: wohin also wie wir hat sich die stimmung verändert?
00:05:53: Naja, momentan ist sie schlechter als in vergangenen Zeiten.
00:05:57: Und da spielt sicherlich eine Rolle die vielen Krisen, die es inzwischen gegeben hat.
00:06:02: Man spricht ja auch von einer sogenannten Polikrise wo mehreres zusammenkommt und das hat angefangen mit der Finanzkrise, der Wirtschaftskrise Der Corona-Zeit.
00:06:13: Das war ein massiver Einschlag.
00:06:15: und dann wenn man sich umschaut Die Kriege, die gibt Verwerfung, die Polarisierung Das alles macht eine Gesellschaft, fordert die enorm heraus.
00:06:26: Und das führt also auch zur Spaltung zu Polarisierungen und zu Verwerfungen...
00:06:31: Auch zu Unzufriedenheit würden Sie sagen?
00:06:33: ...und zu Friedenheit und Verlustängsten!
00:06:35: Aber das ist ein gewisser Widerspruch.
00:06:37: schon kurz nach der Wende gab es mal so den Spruch mir geht's gut uns gehts schlecht.
00:06:43: Das sagen ja immer noch viele Umfragen aktuell, wenn man so auch Wahlumfragen und so.
00:06:47: Es geben immer noch die meisten Leute an dass es ihnen in sich gut geht aber sie denken das ist der Gesellschaft allgemein eher schlecht geht.
00:06:53: Ja das ist so ein Sog Und das wird durch einige eben noch geschürt und verstärkt diese negative Stimmung, die nicht unbedingt den persönlichen Erfahrungen jetzt der Einzelnen entspricht.
00:07:07: Aber ich möchte da nicht verschweigen dass es doch Leute gibt denen's tatsächlich schlecht geht Die haben Rande der Gesellschaft leben und die sich mühen müssen, ihr Leben also in den Griff
00:07:18: zu bekommen.
00:07:19: Ja absolut!
00:07:20: Sie haben jetzt gerade schon ein paar Punkte angesprochen, die für mich so klangen als würden sie sich über Mensches auch Sorgen machen.
00:07:26: Deswegen nochmal die Frage was bereitet ihnen Sorgen hier im Land oder allgemein gesellschaftlich?
00:07:32: Ja, der Zustand der Gesellschaft.
00:07:33: Vor einigen Jahren hat Axel Hanke schon einen Buch geschrieben mit dem Titel über den Zustand in schwierigen Zeiten und die Frage wie wir miteinander umgehen.
00:07:44: Das war vor einigen jahren schon ein Problem Und das hat sich also noch verschärft, dass es gewissermaßen eskaliert.
00:07:52: Diese Polarisierungen und Spaltungen in der Gesellschaft haben zugenommen und auch eine gewisse mentale und verbale Verrohung, so würde ich es mal bezeichnen.
00:08:04: Auch eine höhere Gewaltbereitschaft?
00:08:06: Ja!
00:08:07: Und
00:08:07: auch durch die sozialen Medien, wo man auf einmal keine Hemmungen mehr hat in aggressiver Weise sich zu äußern... Ich bekomme das ja manchmal mit auch durch Mehl.
00:08:17: Sind
00:08:17: Sie auf Social Media?
00:08:18: Nicht direkt aber ich bekomme manchmal Mehls, die das also zum Ausdruck bringen, wo ich auch entsetzt bin Über
00:08:26: Hass, der Ihnen oder anderen entgegenkommt?
00:08:29: Ja
00:08:29: und ich glaube mal wenn die Menschen mir persönlich gegenübersetzen würden, würden sie nicht so reagieren wie Sie das also anonym oder pseudonym unter Ihrem Namen über soziale Medien tun.
00:08:41: Das denke ich auch!
00:08:42: Und das macht mir Sorge dass also der Zusammenhalt in der Gesellschaft immer mehr verloren geht.
00:08:49: Jetzt wollen wir hier ja nicht nur über Negatives sprechen, Sie haben natürlich mit vielen Punkten davon recht und das ist natürlich ein gutes Recht es als Sichtweise zu haben.
00:08:56: aber gibt's denn auch was wo sie Zusammenhalt erleben?
00:09:00: weil es gibt ja nicht Nur Spaltung und Hass und Gewalt.
00:09:03: Wo erleben Sie denn das Gegenteil?
00:09:05: Also zum Beispiel was ich auch höre und selber erlebe in den Familien Auch wenn Kinder, Enkelkinder woanders wohnen.
00:09:14: Also wie oft trifft man sich und hält doch zusammen?
00:09:17: Oder wenn beispielsweise von mir Autos fahren, wo hinten dran klebt also Großeltern Taxi oder so ähnlich oder Enkeltaxi dann merk ich aha da ist was in Bewegung.
00:09:30: Oder aber eben auch Vereine und Verbände.
00:09:33: der Sport bringt viele zusammen.
00:09:35: das ist für mich auch immer ein Phänomen.
00:09:38: beispielsweise eben das Weihnachts-Sing im Magdeburger Stadion, wo ...
00:09:43: Sind Sie da immer?
00:09:44: Ja in den letzten Jahren ja.
00:09:45: Wo immer vierundzwanzigtausend Menschen zusammenkommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und
00:09:51: Verfassungen.
00:09:53: Und zusammensingen!
00:09:55: Das ist schon ein Phänomen.
00:09:58: Wir erleben das also auch in der Kirche.
00:10:00: Das höre ich manchmal von Leuten die sich neu taufen lassen, die neu hinzukommen dass also die Gemeinschaft sie auch berührt hat und sie da eine gewisse Geborgenheit finden.
00:10:13: Und Heimat, von daher gibt es diese Kreise ...
00:10:17: Ankerpunkte quasi.
00:10:18: Das kann ja für die einen der Glaube sein, für anderen Sport oder die Familie oder so, sagen Sie?
00:10:25: Wir haben's jetzt schon mit ein paar Antworten angedeutet aber wir alle wissen ja das die AfD sehr stark hier in Sachsen-Anhalt ist Und wir auch viel über sie sprechen, gerade hier vor der Wahl und in unserem Wahlpodcast.
00:10:38: Was sagt das aus Ihrer Sicht über so die politische Lage im Land aus?
00:10:43: Machen Sie sich darüber Gedanken!
00:10:45: Ich habe ja vorhin schon das Versuch zu beschreiben – der Zustand der Gesellschaft ist problematisch und herausfordernd.
00:10:53: Politiker können keine Wunder bewirken, sondern sie müssen sich den Problem stellen, sie müssen Kompromisse finden aus verschiedenen Sichten heraus und müssen auch manchmal unpopuläre Lösungen umsetzen.
00:11:05: Und da gibt es so die Erwartung, dass eigentlich alles ganz einfach gehen müsste und für alle zum Vorteil gereichen müsste.
00:11:13: Eventuell ist dann noch eine Mentalität aus DDR-Zeiten...
00:11:17: Was ist denn die Mentalität, die die AfD erstarken lässt?
00:11:21: Ja also das
00:11:23: z.B.,
00:11:23: der Staat alles zu regeln hat oder alles regeln muss.
00:11:27: Die Ängste werden geschürt, vor allem die Verlustängste.
00:11:32: Und ja ... die Erwartungen werden geweckt.
00:11:35: Also wenn man so manche Losung jetzt auf Plakaten sehen kann, alles ist möglich.
00:11:41: Was soll das heißen?
00:11:43: Ein Paradies
00:11:44: wird
00:11:44: auch demnächst nicht ausbrechen oder ein Wunderland.
00:11:48: Da werden Träume irgendwie geweckt, dass alles ganz einfach sein könnte und das isst es nicht in unserer Welt!
00:11:57: Sie haben es eben schon erzählt.
00:11:58: Ich habe es auch in meiner Recherche vorher gefunden, dass sie ja Teil der Initiative bewusst wählen sind und sich da eindeutig hinter demokratische Parteien stellen, zu denen die AfD bekanntlicherweise nicht gehört.
00:12:14: Warum stehen die katholische Kirche und die AfD so gegeneinander?
00:12:19: Also was schließt sich dagegenseitig aus?
00:12:21: Diese Partei hatte eine Entwicklung hinter sich.
00:12:24: Sie ist ja hier in den Jahren im Jahr zwei Tausend dreizehn gegründet worden, nicht in Ostdeutschland sondern in Westdeutsche Land und war zunächst eine EU-kritische und Eurokritische wirtschaftsliberale Partei.
00:12:36: Markante Entwicklungen bringen dann zum Ausdruck, dass sie eine andere Entwicklung genommen hat.
00:12:41: Also beispielsweise, im Jahr die Gepäckung von den Gekründen.
00:12:44: in dem Jahr ist Bernd Lucke gestürzt worden.
00:12:49: Im Jahr war es Frauke Petri abgewählt und im Jahr ist Jörg Meuthens aus dieser Partei gegangen.
00:12:58: Sie hat sich immer mehr radikalisiert und bereits im Jahr ist sie durch den Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft worden.
00:13:09: Und das zeigt eben, dass sie eine Entwicklung genommen hat die am Anfang so noch nicht abzusehen war.
00:13:15: und da gibt es auch verschiedene Phasen wo wir durchaus noch im Kontakt und im Gespräch waren mit Vertretern
00:13:21: dieser Partei.
00:13:22: Also wie heißt die Kirche sozusagen?
00:13:24: Die Kirchen in verschiedener Weise ja!
00:13:26: Und jetzt nicht mehr weil was sagen Sie... Ist da so konträr?
00:13:29: Also warum können Sie als Kirche sagen, sie ganz klar das ist für uns eine unwählbare Partei.
00:13:35: Das Programm dieser Partei auch die Äußerungen, die in den Landtagen zu hören sind und was für uns Social Media mitzubekommen ist, die Pressemitteilung und die Prinzipien der katholischen Soziallehre stehen konträren zueinander Und das haben wir also auch wissenschaftlich erhoben.
00:13:55: Das haben wir nicht aus dem Bauch heraus so formuliert, sondern wir haben uns intensiv mit dem Regierungsprogramm beschäftigt – mit den Äußerungen in den Landtagen, mit den äußeren auf Social Media oder aber auch mit den Pressemitteilungen und haben das verglichen mit den Prinzipien der katholischen Soziallehre Im Jahre, im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz dann ein Text veröffentlicht unter dem Titel Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar.
00:14:29: Ein Monat vorher hatten es schon die Nord-Ostdeutschen Beschöfe.
00:14:32: Im Hinblick damals auf die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg so formuliert.
00:14:40: da haben wir uns erstmalig also auch explizit gegen diese Partei geäußert was wir sonst eigentlich nicht tun.
00:14:47: Aber diese Haltung widerspricht so massiv unserer christlichen Grundlage, dass wir meinten das tun zu müssen.
00:14:58: Es gibt ja auch ein paar Faktoren wo eigentlich die katholische Kirche, die Institution zumindest und die AfD gar nicht so unähnlich sind also wenn es um Queerfeindlichkeit geht oder um die körperliche Selbstbestimmung von Frauen Überschneidungen.
00:15:12: Wenn man, wie gesagt nicht von jedem Menschen und jedem Bistum aber so grundsätzlich muss man ja sagen auch dass manche Positionen nicht von Frauenbesetzern dürfen, so das Frauenbild, Selbstbestimmung, Öffentlichkeit da gibt es ja auch übereinstimmungen zur AfD ist das dann auch eine Bestrebung zu sagen wir wollen uns auch da noch mehr abgrenzen?
00:15:28: oder wie sehen sie das?
00:15:31: Da ist eben gerade das Interessante festzustellen, dass uns vorgeworfen wird das Gegenteil Wir seien der Regenbogenideologie verfallen, wir seien also die Komplizen der Queertransgender-Regenbogen-Iteologie.
00:15:45: Von der AfD der Vorwurf oder?
00:15:46: Genau!
00:15:48: Wir werden in die linksgrün versiffte Ecke gedrückt.
00:15:51: hier also Formulierungen auch so lauten Es gibt konservative Sichten, die auch in der katholischen Kirche noch vertreten sind.
00:15:59: Aber wir haben da inzwischen auch eine Entwicklung durchgemacht und sind vielfältiger geworden als es diese Position zum Ausdruck bringen.
00:16:07: Und man muss mal genau hinschauen wenn beispielsweise auch die AfD jetzt massiv gegen Abtreibung auftritt was steht dahinter?
00:16:18: Wenn wir dagegen sind dann geht's um die Würde eines jeden einzelnen Menschen auf das Ungeborene als ein Recht, was quasi auch konträr steht zum Selbstbestimmungsrecht der Frau.
00:16:31: Aber das nicht außer Acht gelassen werden darf!
00:16:34: Wenn die AfD dieses Thema belegt dann geht es ihr um Direkt-Generierung des deutschen Volkes und nicht um die Würde eines jeden Menschen.
00:16:44: Ich würde
00:16:44: dann auch mal fragen wie sie denn bei dieser Frage zu den Migranten und Flüchtlingen steht ob sie da dieselbe Position vertritt?
00:16:52: wird das ja auch kühre Paare nicht gesegnet werden dürfen?
00:16:56: und so weiter.
00:16:57: Das schlägt schon von der Mentalität in eine ähnliche Richtung, also Sie können gerne sagen ob das was ist wovon sie sich dann noch auch zunehmend abgrenzen wollen wenn Sie sagen dass das was die AfD propagiert nicht zur Kirche passt und zu dem Weltbild das die Kirche vertritt.
00:17:12: aber wie gesagt ein paar Gemeinsamkeiten gibt es da immer noch.
00:17:15: oder sehen Sie das nicht?
00:17:17: Ich würde da keine Gemeinsamkeit mehr sehen, sondern da würde ich stärker differenzieren.
00:17:22: Wir haben bestimmte Grundhaltungen aber auch eine Entwicklung hinter uns und sind inzwischen da ganz anders unterwegs.
00:17:30: also
00:17:31: was
00:17:31: z.B.,
00:17:32: was Quiere Paare betrifft oder die Segnungen... Da gibt es unterschiedliche Meinungen in der katholischen Kirche.
00:17:38: Aber die große Tendenz ist, dass wir da offen sind für jeden Menschen und jeden Menschen achten in seiner Art und Weise, in seiner Sexualität und in seiner Bestimmung.
00:17:50: Wir haben auch selber im Bistum, obwohl wir nur klein sind und nicht für alle Aufgaben speziell die jemanden da beauftragen können.
00:17:57: Haben wir einen Beauftragten der ist sonst Krankenhausseelsorge aber ist beauftragt für die Seelsorge an queeren Menschen und wir haben da ein Jahr andere die eben Bistumen verteilt auf für diese Fragen zur Verfügung stehen.
00:18:10: Also sagen die Kirche entwickelt sich dahingehend?
00:18:13: Und das grenzt dich von der AfD dann ab?
00:18:15: Ja!
00:18:16: Vielleicht können Sie ja gerne grundsätzlich nochmal sagen, Sie haben jetzt hier im Gespräch und auch schon anders öffentlich die AfD ja wieder oft kritisiert und sehr deutlich kritisieren.
00:18:24: Wo verläuft für sie da die Grenze zwischen so legitimer demokratischer Auseinandersetzung?
00:18:29: Und so Positionen wo sie sagen, die sind nicht mit unserem christlichen Menschenbild vereinbar?
00:18:35: Also früher war es so dass in der alten Bundesrepublik Fahrer von der Kanzel herunter.
00:18:41: gepredigt haben, wer gewählt werden soll und meistens war es dann eben die CDU.
00:18:46: Das geschieht schon seit Jahrzehnten nicht mehr, sondern wir sind da offen für alle demokratischen Parteien.
00:18:52: Katholisch heißt nicht unbedingt konservativ, sondern kann auch liberal bedeuten sozial-, ökologisch-, lokal-, universal- und mehrereres miteinander verbinden sodass also Christen unterschiedliche Parteien wählen können und auch in unterschiedlichen Parteien engagiert sind.
00:19:09: Aber es werden eben Grenzen gezogen, die AfD ist jedenfalls im Bundesland Sachsen-Anhalt durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
00:19:21: Und das markiert schon einmal eine Grenze wo wir das ernst nehmen aber eben auch in anderen Bereichen wo wir eben das Menschenbild nicht teilen können nicht auf Abspaltung und Selektion setzen, sondern eben für alle Menschen da sein wollen.
00:19:40: Und was würden Sie jemandem sagen, der zum Beispiel die AfD will?
00:19:44: Weil er sagt, ich fühl mich von der Politik nicht mehr vertreten oder vielleicht auch von einer Kirche nicht.
00:19:48: Was könnte man so jemandem machen?
00:19:50: Derjenige sollte genau mal das Parteiprogramm lesen oder das jetzt mögliche Regierungsprogramm.
00:19:59: Er sollte die Pressemitteilungen mal hören, oder manchen Link zu Landtagsreden und sich da seine Meinung bilden.
00:20:07: Und ich befürchte ja dass viele das gar nicht so zur Kenntnis nehmen sondern eben eher allgemein sprüchen und parolen und ihren Bauchgefühl folgen.
00:20:17: Ich glaube mit der Einschätzung sind sie nicht alleine.
00:20:20: Jetzt gehört ja das bis zum Magdeburg zu den Regionen mit den wenigsten Katholiken in Deutschland.
00:20:27: Was kann Kirche aus ihrer Sicht heute leisten, vielleicht auch in diesem gesellschaftlichen Zustand?
00:20:34: Wir sind uns bewusst dass wir nur eine kleine Minderheit sind drei Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung aber wir verstehen uns nicht als eine beschlossene Gruppe oder eine Sektor sondern Wir haben so als Motto für uns, wir wollen eine schöpferische Minderheit sein in guten ökumenischen Kontakt mit den anderen Christen und in Kooperation mit anderen Partnern unserer Gesellschaft.
00:21:00: Die also nicht zur Kirche gehören aber teilweise unsere Vorstellung, unsere Ideale, unsere Werte teilen und mit denen wir auch gemeinsame Projekte jetzt veranstalten können.
00:21:10: Also so ein Vernetzen ist dann was, was die Kirche kann oder was würden Sie daraus
00:21:14: schließen?
00:21:14: Vernetzung ja!
00:21:15: Und ich möchte mal ein paar Beispiele nennen... Ja
00:21:17: gerne!
00:21:17: Wir haben das sogenannte Netzwerkleben eine Stiftung gegründet wo es also um die Hilfe bei der Geburt von Kindern geht und in schwierigen Verhältnissen wo ganzheitlich versucht wird zu helfen.
00:21:31: da wirken auch viele Nichtkosten mit.
00:21:34: Wir haben die Partnerschaftsaktion Ost, das ist uns schon lange ein Anliegen.
00:21:38: Früher hat uns gewissermaßen der Westen geholfen und nach der Wende haben wir sofort gesagt, wir müssen jetzt den Christen in Osteuropa oder Mitteleusteuropah helfen.
00:21:48: Und auch da sind viele außerhalb der Kirche engagiert und ich habe dann zwei Tausend und vierzehn also einen Jahr noch bevor der große Flüchtlingsstrom kam, die sogenannte Flüchtlingshilfe Sachsen-Anhalt gegründet Auch eine Initiative, die bei der Integration und Migration mit helfen will.
00:22:08: Und auch das geht über den Rahmen der Kirche hinaus.
00:22:11: Wenn man dann noch in die institutionellen Möglichkeiten schaut ... Wir haben mehrere katholische Schulen im Sachsen-Anhalt.
00:22:19: Gietasse auch oder?
00:22:20: Und zwar sogar acht Schulen sind damit sogar der größtefreie Schulträger allgemeinbildender Schulen.
00:22:28: Wir haben Kitas und eine Fülle von sozial-karitativen Einrichtungen.
00:22:33: Und wir sind auch in der Bildung ansonsten durch Akademiearbeit, die katholische Erwachsenenbildung tätig.
00:22:40: Also wir wirken durchaus in die Gesellschaft hinein und wollen mit dazu beitragen dass diese Gesellschaft sich konstruktiv positiv entwickelt.
00:22:49: Das klingt nach vielen, ich denke viele haben so was rausgehört wo sie denken das kenn ich oder auf so einer Schule war.
00:22:55: Ich vielleicht auch inklusive mir bin auch auf eine katholische Mädchenschule gegangen und habe mich aber danach dafür entschieden aus der Kirche auszutreten.
00:23:01: und ich weiß damit bin nicht alleine da gibt es ja irgendwie ne Strömung.
00:23:05: Was meinen Sie warum treten?
00:23:07: So viele Menschen aus der kirche?
00:23:09: außer obwohl sie gerade aufgezählt haben dass auch viele wichtige Institutionen gibt die dadurch gestützt werden.
00:23:16: Das ist ein komplexes thema weil es sehr verschiedene Künde gibt.
00:23:20: Also die Religionssoziologen sagen uns, dass also bestimmte Entwicklungen global auch weitergehen und das ist... Die Säkularisierung schreitet voran, die Pluralisierung und Indivisualisierung der Gesellschaft, dass viele zur Organisation, zur Institution immer weniger Zugang haben.
00:23:40: Ich würde mal noch sagen, die Mobilisierung spielt eine Rolle dass viele entwurzelt sind, unterwegs sind aus Berufskründen oder sie ziehen um und dann geht ihnen auch eine gewisse Bindung verloren.
00:23:55: Und die Digitalisierung.
00:23:57: Das heißt also man kann sich ja sonst wo seine Meinung holen.
00:24:01: inzwischen das ist ja nicht mehr überschaubar.
00:24:04: Also die Welt ist komplex und kompliziert geworden.
00:24:07: Und dann kommt es hinzu, dass eben immer weniger Kinder die vielleicht noch getauft worden sind auch tatsächlich in die Kirchen hineinwachsen.
00:24:15: Also gewissermaßen sozialisiert werden und eines Tages auch sagen was habe ich eigentlich mit Kirchen zu tun?
00:24:22: Das bedeutet mir nichts!
00:24:24: Ich habe aber auch nie so richtig kennengelernt was das eigentlich ist.
00:24:28: und das heißt da eine Distanzierung über Jahre wächst wird dann entschieden, jetzt trete
00:24:36: ich aus.
00:24:37: Die Sozialisierung hat sich verändert?
00:24:39: Man wächst in der Stadt im Dorf auf und geht immer zur Kirche oder ist da in der Gemeinde aktiv, dass das die Menschen wegtreibt von der Kirche sagen Sie?
00:24:48: Früher gab es also in volkskirchischen Gegenden vor allem auf den Dörfern auch einen gewissen sozialen Druck.
00:24:54: Da gehörte das selbstverständlich dazu.
00:24:57: Und wenn man dann eben in die Stadt zog Umgebung klebt und auf einmal merkt, die anderen gehen ja auch nicht.
00:25:06: Dann bewirkt das etwas mit einem.
00:25:10: Jedenfalls spielt der Missbrauchskandal eine Rolle.
00:25:13: Das möchte ich also nicht verhehlen.
00:25:15: Der hat massiv dazu beigetragen.
00:25:19: Und dann gibt es die Dinge ... sich persönlich vielleicht über ein Pfarrer ärgert oder über dies und jenes.
00:25:25: Wir
00:25:25: wollen die Kirchensteier nicht zahlen?
00:25:27: Das hängt aber auch damit zusammen, dass man also kein inneres Verhältnis mehr unbedingt damit hat.
00:25:33: Und dann kommen ja die Aussagen ich kann noch ohne Kirche gut kürst sein... Ja
00:25:37: keils sind nicht das die Leute nicht gläubig sind
00:25:39: ne?
00:25:40: Und das ist eine Schwierigkeit!
00:25:42: Also die Institution ist nicht das eigentliche Aber sie hilft auch dabei salopp gesagt bei der Stange zu bleiben Und das sagen Religionssoziologen, auch wenn die kirchen Bindung schwindet.
00:25:54: Dann schwindelt also gewöhnlicherweise auch die religiöse Intensität.
00:26:00: Wir haben ja schon gesagt wir wollen über positive Sachen bleiben.
00:26:03: jetzt haben wir überlegt woran es liegen könnte dass Leute gehen.
00:26:06: aber es gibt ja auch welche die bleiben.
00:26:08: und vielleicht sagen sie gerne mal warum bleiben Menschen in der Kirche?
00:26:11: Nicht nur bleiben sondern noch neu dazu kommen!
00:26:15: Das ist ein Phänomen das gab's zu den Erzheiten eigentlich fast gar nicht dass sich Erwachsene taufen lassen und neu in die Kirche eintreten.
00:26:25: Das sind keine Massen, aber es ist
00:26:27: doch
00:26:28: eine beträchtliche Zahl in jedem Jahr.
00:26:31: Auch hier im Magdeburg und Sachsen-Einheit?
00:26:34: Wir haben da immer den Samstag vor dem ersten Fastensondach, wo ich all die Einlade aus dem ganzen Bistum, weil eigentlich in der katholischen Kirche ist das so geregelt, dass der Bischof die Erwachsenen tauft.
00:26:46: Und da ich das ja nicht gleichzeitig überall im Land machen kann, meistens sind die Taufen zu Ostern, lade ich die Kandidaten Kandidatinnen ein.
00:26:54: Damit ich sie mal kennenlerne und sie mit einem lockeren Gottesdienst stellen, die sich selbst vor erzählen auch von ihren Biografien wie es dazu gekommen ist.
00:27:05: Das berühren muss ich sagen.
00:27:08: für Leute, die von Kindheit auf jetzt in der Kirche aufgewachsen sind, ist das auch berührend weil Sie auf einmal anfangen, über sich selber nachzudenken.
00:27:17: Wie war das eigentlich bei mir?
00:27:18: Das haben sie bis jetzt oftmals nicht so gemacht und da gibt es die unterschiedlichsten Gründe.
00:27:23: Ja sagen Sie gerne mal welche.
00:27:24: was ist so was Sie oft hören?
00:27:26: warum Leute kommen oder bleiben?
00:27:28: also einmal ist ins Schicksals schläge.
00:27:31: die leute wenn Familien auseinander gegangen sind wenn jemand verstorben ist wenn sie das Leid erlebt haben also Notfallsehle Sorge beziehungsweise notfalls an die Täter die also mit Tod und Leid konfrontiert werden, kommen dann oftmals zum Nachdenken.
00:27:49: Oder aber es gibt welche, die jahrelang vielleicht bei einem Gottesdienst dabei waren und auf einmal merken das ist eine Welt, die tut mir gut.
00:27:57: Da fühle ich mich gebrochen, da fühle Ich mich zu Hause.
00:28:01: Das is was anderes als was ich sonst erlebe.
00:28:03: oder Aber dass eben so genannte Konfessions verschiedene Paare da sind.
00:28:08: einer ist getauft der Anderes nicht getauft Und im Laufe des Lebens entwickelt sich das dass also die Kommunion oder die Taufe von Kindern ansteht und dann der eine Elternteil sagt, jetzt ist es für mich auch so weit.
00:28:21: Ich möchte mit dazu gehören.
00:28:23: Ja, sehr persönliche Gründe?
00:28:25: Und aber auch das, welche Gemeinde erlebt haben, Gemeinschaft angenommen worden sind, akzeptiert worden sind und gesagt haben, das ist meine neue Heimat, da möchte ich ganz dazugehören.
00:28:36: Es gibt doch ne ganze Reihe an Gründen ... Oder aber auch allein wenn jemand eine leere Kirche erlebt, auf einmal den Raum der Stille und man kommt bei ihm irgendetwas zum Klingen.
00:28:51: Also es sind wirklich ganz verschiedene Gründe und vor allem ist es für Leute die also länger in der Kirche sind von Kindheit an das in der Glaube tatsächlich etwas bedeutet dass er sie auch Krisen im Leben überstehen lässt und dass sie sich ganz einfach mit dieser weltweiten Kirche verbunden wissen.
00:29:11: Hier in Magdeburg sind es ja aber auch überwiegend eher nichtgläubige Menschen.
00:29:15: Gibt's was, was sie von denen gelernt haben oder wo sie sagen da hatte ich Begegnungen?
00:29:19: Da habe ich auch etwas von Leuten gelernt die mit Kirche gar nichts oder glauben auch nichts am Hut haben.
00:29:24: Also ich würde da erst mal bin ich beeindruckt Ich bin ganz selbstverständlich auch im Kontakt Mit anderen war es schon immer schon in der Schulklasse auch und bin beeindruckt davon, wie also manche auch Werte leben umsetzen die für uns Christen eine große Bedeutung haben.
00:29:44: Besonders hat mich berührt ich war auch schon mal in Hospizvereinen, die also zivilgesellschaftlich gegründet worden sind wo nur einige Christen oder Christinnen mitarbeiten.
00:29:55: aber die Initiative ging von anderen aus.
00:29:58: Da gab es sehr tiefe Gespräche, wo ich eben auch gefragt habe, warum machen Sie das überhaupt?
00:30:04: Und wieso gehen sie mit der Problematik Tod und Leben so konstruktiv und einfühlsabend um.
00:30:12: Und was haben die da gelernt?
00:30:13: Gibt's da sowas, womit sind sie
00:30:15: da... Ja, dass es auch sehr verschiedene Wege gibt, um gut-und menschlich zu leben.
00:30:21: Jetzt haben wir viel über ihr Amt gesprochen und auch über ihre Politischen Wirken.
00:30:24: Jetzt wollen wir aber noch ein bisschen über sie als Person sprechen, um sie noch ein wenig kennenlernen.
00:30:28: Wenn Sie so auf Ihr Leben schauen worauf sind Sie besonders stolz?
00:30:32: Besonders stolz bin ich darauf aus einfachen Verhältnissen zu stammen.
00:30:36: Mein Vater war Schumacher Meister allein hatte an der Werkstatt betrieben.
00:30:40: meine Mutter war Hausfrau aber gelahmte Textilkäuferin.
00:30:44: Ich sage immer es waren einfache Menschen aber sie waren nicht primitiv Sie waren durchaus geistig auf der Höhe, das hat mich geprägt.
00:30:52: Besonders stolz bin ich auch darauf im Jahre und achtundachtzig noch mit einer Schreibmaschine meine Dissertation geschrieben zu haben mit mehrfachen Durchschlägen Und damals hatte ich schon Tipp X Plättchen aber noch nicht tipp x flüssig.
00:31:06: Das war eine besondere Herausforderung
00:31:09: die sie gemeistert haben.
00:31:10: ja.
00:31:11: und dann letztendlich dass Ich glaube Im vereinten deutschland angekommen zu sein.
00:31:17: Das war für mich auch ein Lernprozess.
00:31:19: Ich konnte mir vor neunzehnundachtzig nicht vorstellen, souverän und sicher jetzt im Westen dazu agieren, vor allem nicht zu predigen.
00:31:28: Weil ich im Kontext der DDR wusste was ich sagen konnte, was ich zu sagen hatte und auch zwischen den Zeilen hergesprochen habe.
00:31:36: das wurde damals auch durch die Gläubigen verstanden, was man da andeutete.
00:31:40: Das hab' ich inzwischen gelernt dass ich also auch mich eben im gesamtdeutschen Kontext ganz gut bewegen kann.
00:31:46: Und wann waren Sie am meisten enttäuscht in Ihrem Leben?
00:31:50: Ja, das hat sich aber verändert.
00:31:54: Ich muss sagen, dass war die Einschränkung, die diese Erbegrenzung mit sich gebracht
00:31:59: hat.
00:32:00: Das habe ich später erst gemerkt, wie sehr mich das geprägt hat und ich würde fast sagen traumatisiert hat.
00:32:08: Jedes Mal wenn ich Filme sehe von der Grenzöffnung dann muss ich mich zusammennehmen ... kommen fast die Tränen und dann merke ich, wie tief das gesessen hat.
00:32:20: Also keine Freiheit zu haben in der Weise ausreisen zu können.
00:32:24: Das war eine tiefe Enttäuschung, die mir erst später so richtig bewusst geworden ist.
00:32:29: Zum Rückblick dann quasi auch.
00:32:31: Und wir haben jetzt schon über ein paar Begegnungen gesprochen, die sie hatten.
00:32:34: aber gibt es eine besondere, die ihnen so in Erinnerung geblieben ist?
00:32:38: Eine besondere Begegnung.
00:32:39: Dann muss ich sagen, da gibt's ne ganze Menge!
00:32:42: Das heißt also... ja inzwischen drei Päpsten persönlich auch begegnet, dem Jetzchen noch nicht.
00:32:49: Aber auch weil ich im Bereich der Ökumene unterwegs bin das heißt im Kontakt zu den anderen Kirchen, den evangelischen, den orthodoxen, den orientalisch-orthodoxen... Ich bin verschiedenen Patriarchen persönlich begegnete, auch dem ökumenischen Patriarch von Konstantinopel und sogar im Jahre twohntausend elf mal dem russischen Patriarchy Kyrill der ja jetzt auch so in den Schlagzeilen ist.
00:33:12: Wir haben von der Deutschen Bürgerskonferenz nach dem Beginn des Ukrainekriegs die Kontakte zu Moskau abgebrochen, aber ich bin eben noch damals begegnet und es gab auch sowas wie einen zivilgesellschaftlichen Prozess, den Petersburger Dialog zwischen Russen und Deutschen und in dem bin ich auch gekommen im Rahmen einer Arbeitsgruppe Kirchen.
00:33:37: Da hab ich Gorbatschow schon mal die Hand gedrückt.
00:33:39: Der war da eine Zeit verantwortlich und ich war mal, weil am Rande dann auch Regierungskonsultationen zwischen Russland und Deutschland stattfanden, war ich mal in einem größeren Raum wo die Bundeskanzlerin und Putin da waren.
00:33:54: Also von fern habe ich ... Viele
00:33:55: bekannte Menschen haben sich schon getroffen?
00:33:57: Ja
00:33:57: das waren... Und eins darf ich nicht vergessen!
00:34:01: Das war der dritte Oktober-Zweitausend und einundzwanzig Also der Tag der Deutschen Einheit, die jedes Jahr in einem anderen Bundesland festlich begangen wird und das war damals zu Corona-Zeiten im Halle Andersale.
00:34:16: Und da habe ich im Ökumenischen Gottesdienst gepredigt und vor mir saßen die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident, der Bundestagspräsident und die meisten Ministerpräsidenten.
00:34:28: Wenn ich mir vorstelle dass sich zu DDR-Zeitend Da hätte ich mir das nicht vorstellen können.
00:34:35: Das sind besondere Momente, da gibt es aber eine Fülle auch noch anderer.
00:34:40: Und was würden Sie Ihrem jüngeren Ich
00:34:42: raten?
00:34:43: Beim jüngerem Ich ...
00:34:45: So bedeutend Jünger quasi!
00:34:48: Vertraue dem Leben und versuche es vernünftig zu gestalten.
00:34:53: Was bedeutet Hoffnung für Sie hier in Sachsen-Anhalt?
00:34:57: Ich habe bei den Spruch gehört er starb rechtzeitig bevor er die Welt nicht mehr verstand.
00:35:02: Ich hoffe, dass ich bis an meinen Lebensende in freiheitlichen Verhältnissen leben kann und die Welt doch noch einigermaßen verstehe.
00:35:11: Jetzt haben Sie vorhin schon verraten oder man kann es auch schon lesen, dass sie in diesem Jahr in den Ruhestand gehen wollen voraussichtlich wenn das erlaubt wird.
00:35:19: vom Papst hab' ich hier gelernt schon Wenn man so einen Leben lang sehr viel Verantwortung getragen hat sowie sie fällt das dann auch schwer so los zu lassen?
00:35:27: Oder haben sich schon viele Pläne was sie dann machen in ihrem Ruhzustand?
00:35:31: Also ich hoffe es, dass sich gut loslassen kann.
00:35:34: Ich freue mich jedenfalls darauf auch Verantwortung loszubekommen und eben etwas ruhiger treten zu können.
00:35:43: Ich habe noch keine konkreten Pläne aber ich weiß ich muss noch einiges aus der Vergangenheit aufräumen.
00:35:49: Ich war ja mal ein paar Jahre Professor für alte Kirchengeschichte, Pathologie- und Ostkirchenkunde.
00:35:55: Zu DDR-Zeiten war es wichtig, Literatur sich selber zu besorgen und zu behalten.
00:36:01: Und das habe ich alles nach Magdeburg mitgebracht... ...und bin nie dazugekommen, da mal Ordnung einzubringen.
00:36:06: Sie meinen
00:36:07: so tatsächlich aufräumlich?
00:36:08: Ich dachte so persönlich Sachen aufräumen, der sie meinen die Räumlichkeiten.
00:36:11: Auf meine Umgebung muss ich aufräume und verkleinern,... ...weil ich auch umziehen werde.
00:36:18: Ja, ich hoffe darauf dann auch Kontakte, die ich nicht so pflegen
00:36:22: konnte.".
00:36:23: wieder mehr pflegen zu können, noch ein bisschen auch zur Reisen.
00:36:26: Ohne Druck!
00:36:27: Ich bin viel gereist aber es waren im meisten Dienstreisen.
00:36:31: Viel auch in der Welt rumgekommen, aber mal so mit Muße die Welt zu betrachten und... Es gibt einen kleinen Hund und ich hoffe dass ich mir dem dann noch mehr Spaziergänger machen
00:36:42: kann.
00:36:42: Das klingt nach einem sehr gewöhnlichen Rohrstand das ist doch super.
00:36:47: Bücher habe ich inzwischen genug geschrieben.
00:36:49: Wenn Sie jetzt den Menschen hier in Sachsen-Anhalten Brief hinterlassen könnten, was würden sie so reinschreiben?
00:36:55: Was wäre die Hauptbotschaft?
00:36:57: Die Hauptboteschaft wäre verspielt.
00:37:00: Eure freiheitliche Situation nicht bleibt menschlich, solidarisch und beim Herz sich und versucht gut miteinander zu leben.
00:37:10: Vielleicht haben sie ja schon öfter in unseren Podcasts reingehört.
00:37:13: Wir haben immer einen Abschlussritual für alle unsere Menschen, die hier zu uns zu Gast kommen und das wollen wir natürlich auch mit ihnen machen.
00:37:20: Da gibt es drei Abschlussfragen und die können Sie gerne kurz und persönlich beantworten.
00:37:26: Erste Frage?
00:37:27: Was sind für Sie persönlich die wichtigsten Themen noch bis zur Wahl?
00:37:30: Das ist unsere Initiative Bewusstwählen!
00:37:33: Wir sind da gut vernetzt und das passiert viel schon in den nächsten Wochen noch und ich hoffe, dass wir da auch noch etwas erreichen können mit den Werten die wir ins Spiel bringen.
00:37:47: Menschenwürde, Solidarität, Nächstenliebe und Dialog.
00:37:51: Und es gibt aber noch eine andere Anlässer.
00:37:54: Ich habe noch zu Predigen bei tausend achtzig Jahre Bistum Havelberg.
00:37:59: Da bin ich von der evangelischen Seite eingeladen worden, ich fahre noch nach Litauen ein Wochenende.
00:38:05: dort haben wir einen Partnerbistum mit einer Wallfahrt und in Magdeburg wird am ersten September ja Kaiser Otto wieder beigesetzt Und auch da hab' ich noch etwas zu sagen dazu.
00:38:18: Also es gibt noch eine ganze Menge in den nächsten Wochen
00:38:21: Von der Terminkalender quasi.
00:38:23: Zweite Frage, ist das für Sie eine Schicksalswahl?
00:38:26: Das würde ich sagen ja.
00:38:28: Ich habe viele Wahlen erlebt.
00:38:29: zu den Zeiten bin ich entweder nicht gegangen oder...
00:38:33: Nicht wählen gegangen meinst du?
00:38:35: Oder fünf Minuten vor sechs, das war dann schon eine Provokation.
00:38:40: Aber ich habe den Zettel durchgestrichen und das war unüblich.
00:38:44: Und für mich waren die wahlen in der Jahrhundert neunzig voll bewegende Wahlen.
00:38:49: Das waren drei oder vier.
00:38:51: in diesem Jahr.
00:38:52: Meine Mutter hat zum ersten Mal ihrem Leben frei wählen können, das war also schon entscheidend.
00:38:58: und die letzten Wahlen ja da ging es um auch Entscheidungen aber nicht so dramatische wie jetzt.
00:39:04: von daher sehe ich darin schon ein Schicksalswahl.
00:39:07: Und da gehen sie dann auch zur Wahl Urne nämlich an?
00:39:09: Selbstverständlich oder ich praktiziere Briefwahl weil wir an diesem Sonntag unsere Bistumswahlfahrt haben auf der Höchstburg bei Halberstadt.
00:39:18: dritte und letzte Frage aus unserem Abschlussritual.
00:39:21: Wo steht Sachsen-Anhalt am Ende des Jahres?
00:39:25: Vor keiner leichten Zukunft, und vor sicherlich schwierigeren Zeiten als wir sie bisher erlebt
00:39:32: haben.
00:39:33: Vielen Dank für Ihre Zeit, für Ihre Einschätzung Bischof Feige!
00:39:36: Und danke dass wir hier zu Besuch sein durften bei Ihnen.
00:39:39: Danke auch.
00:39:40: Das war diese Folge von zwei Komma eins Millionen.
00:39:43: Danke euch fürs Zuhören, wir sind der Politik Podcast von MZ und Volksstimme in diesem wichtigen Wahljahr hier in Laxen-Anhalt.
00:39:49: Hier bekommt ihr die wichtigsten Infos rund um die Wahl.
00:39:53: Also wenn ihr uns hört, ihr habt jetzt noch vier Wochen Zeit könnt ihr eine gute Entscheidung treffen.
00:39:57: Und wenn euch der Podcast gefällt dann abonniert uns gerne empfiehlt uns weiter und schreibt uns gerne eure Anregungen per E-Mail an podcastatvochschöme.de.
00:40:06: Wir lesen aber auch gern eure Kommentare bei Spotify, Apple oder YouTube.
00:40:10: Ich sage bis zum nächsten Mal Das Team hinter dem Podcast das sind die vier Hosts Jan Schumann Max Hunger Elisabeth Schulz und ich Lena Bellon Redaktion Frank Rogules Mitarbeit Frank Krause Till Gerloff Arneholzki Grafik Tobias Büttner.
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