Warum Tante Rita und Onkel Manfred die Wahl entscheiden. Mit David Begrich
Shownotes
Warum ist die AfD in Sachsen-Anhalt so stark? Geht es wirklich nur um Protest, Migration und Wirtschaft? Oder liegen die Ursachen tiefer?
In dieser Folge von 2,1 Millionen spricht Lena Bellon mit dem Extremismusforscher David Begrich über die Entwicklung der AfD, über unterschiedliche Wählergruppen und darüber, wie politische Meinungen tatsächlich entstehen. Nicht nur in Talkshows, Leitartikeln oder sozialen Medien, sondern oft am Küchentisch, beim Vereinsfest oder auf dem Geburtstag von Tante Rita, wenn Onkel Manfred seine Sicht auf die Welt erklärt.
Ein Gespräch über Ohnmacht, politische Identität, Meinungsbildung und die Frage, warum viele Menschen das Gefühl haben, von Politik nicht mehr erreicht zu werden.
Unser Gast David Begrich: https://www.miteinander-ev.de/arbeitsstelle-rechtsextremismus/
Neue Wahl-Umfrage:
https://www.mz.de/wahl/landtagswahl-sachsen-anhalt/umfrage-trend-kleine-parteien-afd-cdu-4293509
Allgemeine Informationen zur Wahl:
📄Die Wahlprogramme
- SPD: SPD-Wahlprogramm-2026.pdf
- AFD: AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt
- DIE LINKE: 2026-03-19_Landtagswahlprogramm__final_.pdf
- BSW: BSW_Landtagswahlprogramm_SachsenAnhalt.pdf
- FDP: [Freiheit hat nur eine Heimat – Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf](https://42cloud.universum.com/sites/default/files/2026-04/Freiheit hat nur eine Heimat %E2%80%93 Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf)
- BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN: https://www.gruene-lsa.de/programm2026/ Entwürfe:
- CDU: entwurf_regierungsprogramm2026_2026-03-24.pdf (entwurf)
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🎙️ Spitzengespräche mit den Kandidaten:
- Ministerpräsident Schulze im Interview: Nur ein Kind der DDR kann Sachsen-Anhalt regieren
- Linke Spitzenkandidatin Eva von Angern: „Sven Schulze mit dieser Agenda ist für die Linke nicht wählbar“
- AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund: AfD-Spitzenkandidat sagt, wie er Sachsen-Anhalt umbauen würde
- BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze: Das BSW sagt, wer in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident werden soll
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00:00:00: Wenn ich mir Ihre Personen hier vorstelle,
00:00:02: dann wäre das eigentlich ein Grund für mich,
00:00:03: da rührt nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.
00:00:07: Ja wir erleben jetzt
00:00:08: im März, im Jahr-Zweißen-Sechsundzwanzig
00:00:09: Geschichte und den wenigen Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und das genau so einordnen.
00:00:14: Wenn wir, meine Damen und Herren,
00:00:15: den Kampf um unsere Demokratie gewinnen
00:00:17: wollen,
00:00:17: dann müssen wir die Herzen wieder zurückgewinnen!
00:00:20: Wir werden unsere Kultur nicht Nationalisten oder identitären Ideologen überlassen.
00:00:28: der Politik-Podcast von Mitte Deutscher Zeitung und Volksstimme.
00:00:32: Hallo, liebe Hörerinnen und Hörern!
00:00:33: Und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von «Zwei Komma Eins Millionen».
00:00:37: Ich heiße Lina Ballon und wir sind heute hier in Magdeburg bei der Völkschimmer und begrüßen einen der wichtigsten Extremismusforscher im Ostdeutschland.
00:00:45: Herzlich Willkommen David Bekrich.
00:00:47: Schönen guten Tag.
00:00:48: Lieber Herr Bekich die AfD liegt bekanntermaßen in Sachsen-Anhalt aktuell bei forty-one Prozent Und seit Monaten wird darüber diskutiert, welche Themen die Partei stark machen.
00:00:59: Auch wir hier im Podcast haben schon viel darüber gesprochen aber es ist allgegenwärtig würde ich sagen.
00:01:03: also geht's ja um Migration und Wirtschaft und über Frust und unsere These für die heutige Sendung ist Die Ursachen gehen tiefer und darüber wollen wir mit ihnen reden und denken dass sie dafür ein farbehafter Ansprechpartner sind.
00:01:18: Wenn wir über die AfD sprechen, reden wir oft so als wer sie seit der Gründung dieselbe Partei.
00:01:24: Das ist aber nicht so!
00:01:26: Vielleicht können Sie kurz sagen was sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren grundlegend bei der Partei verändert hat?
00:01:32: Ich glaube wenn man nochmal auf die Gründungsphase der AfD schaut... ...zwei tausend dreizehn ist das gewesen da es die AfD gegründet worden von unter anderem Bernd Lucke.
00:01:42: Manche Hörerinnen und Schüler werden sich vielleicht noch an ihn erinnern.
00:01:46: Der war Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler.
00:01:50: Und wenn man damals auf die Parteitage der AfD gegangen ist, dann hatte man das Gefühl, man nimmt Teil an einem finanz- und wirtschaftswissenschaftlichen Proseminar.
00:01:59: Also die AfD in der Gründungsphase eigentlich eine Einthemenpartei, die sich fast ausschließlich mit der Frage der Eurorechnung und der Fortfolgewirkungen der Eurorettung beschäftigt.
00:02:10: Das ist die erste Phase dieser Partei.
00:02:12: Dann kommt eine zweite Phase, etwa im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise gibt es eine Erweiterung des politischen Handlungsspielraums, der AfD in deren Zuge sich die Partei von einer ordoliberalen Partei zu einer aus heutiger Sicht würde man sagen nationalkonservativen Gesellschaftspolitik-Partei entwickelt.
00:02:38: Das ist die Zeit in der Frauke Petri, die bestimmende Kraft in der Führung der AfD ist und Frauke vertreten sehr konservatives Frauen- und Familienbild, vertritt konservative gesellschaftspolitische Orientierung.
00:02:54: Und das ist eine Situation in der die AfD sozusagen eine liberalkonservative Akteursgruppe isst, in der es aber schon damals so etwas wie ein rechtsextremen Kern gibt, der unter anderem gebildet wird durch Landespolitiker aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nämlich André Poggenburg, den nachmaligen Fraktionsvorsitzenden der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und natürlich von Björn Höcke.
00:03:23: Und es gibt so etwas wie einen Umschlagpunkt in der Geschichte der AfD.
00:03:27: das ist das Jahr zwei Tausend Vierzehn.
00:03:30: Da erscheint ein Text in der Öffentlichkeit Der heißt Erfurter Resoluzion.
00:03:36: Was steht da drin?
00:03:37: Grob ganz kurz zusammengefasst.
00:03:38: Grob zusammengefasst gesagt also wenn die AfD eine In Anführungsstrichen nur konservative Alternative Partei bleibt, würde sie scheitern.
00:03:49: Sie müsste eine rechte alternative Partei sein und das ist der Zeitpunkt an dem dann der völkische Flügel in der AfD also der offenrechtsextreme Flüge sich beginnt zu formieren.
00:04:02: Zweiter Einschnittpunkt, das ist die Wahl in Sachsen-Anhalt im März.
00:04:07: Da haben die Institute die AfD auf dem Zettel mit etwa fünfzehn bis achtzehn Prozent.
00:04:14: So sechs Wochen vor der Wahl oder drei Wochen vor einer Wahl und dann kommt die AfD bei diesen Landtagswahlen bei vierundzwanzig Komma drei Prozent raus.
00:04:23: Und es ist damals Damals Das höchste jemals gemessene Ergebnis für eine rechte Partei in Deutschland.
00:04:33: Und von da an setzt ein Prozess der Radikalisierung dieser Partei ein, ganz wesentlich von den Landesverbänden Sachsen-Anhalt und Thüringen vorangetrieben worden ist.
00:04:49: Die ja von ihrer Zahl ihrer Mitglieder gar nicht die Mehrheit bilden!
00:04:55: Aber die politisch-ideologischen Organisatoren oder Ideologieproduzenten, die sitzen in diesen beiden Bundesländern und treiben diesen Rechtsruck in der AfD strategisch voran.
00:05:08: Und es hat vielleicht seinen Höhepunkt in dieser sogenannten Kümmeltürkenrede von André Poggenburg.
00:05:15: Pogenburg ist ja bekannt dafür gewesen, dass er nicht gerade das rhetorische Floret verwendet hat sondern eher den Dreschpflege.
00:05:24: Er war für seine harten rassistischen Aussagen bekannt.
00:05:27: Und dann gibt es eine politische Aschermittwochs-Veranstaltung, das sind so Veranstaltungen wo viel Bier getrunken wird und mal so politisch richtig drauf gehauen wird.
00:05:35: Das gehört dazu zur politischen Kultur.
00:05:37: aber Pockenburg überzieht und macht dort eine hatte rassistsische Aussage.
00:05:44: In welchem Jahr war das?
00:05:46: Du musst, zwei tausend, achtzehn, zweitausend neunzehnten.
00:05:50: Du kann ich jetzt nicht mehr genau sagen.
00:05:52: Nur so von der Richtung?
00:05:52: Weil es hat sich dann immer wie Sie ja gerade schon immer weiterentwickelt.
00:05:55: Genau also es gibt einen Radikalisierungsverlauf.
00:05:58: man kann das jetzt mal abkürzen damit es nicht so langweilig wird.
00:06:02: und dieser Radikalisierung Verlauf bedeutet dass am Ende wobei hier noch gar nicht klar ist ob wir da jetzt am Ende sind die AfD in Ostdeutschland Für Westdeutschland muss man das noch mal ein bisschen differenzierter betrachten.
00:06:15: Die AfD in Ostdeutschen ist eigentlich eine, in sich politisch ideologisch geschlossene rechtsextremistische Partei.
00:06:23: Das denke ich beschreibt ja ganz gut aber viele sagen auch immer noch es ist ja nur so ne Protestpartei oder viele sind protestwieder.
00:06:31: was würden sie zu dem Begriff sagen?
00:06:33: Wir wissen ja aus Wahlsoziologischen Untersuchungen ganz gut, was die Motivlage der Wählerinnen und Wähler der AfD ist.
00:06:39: Und es gibt eben nicht den AfD-Wähler oder die AfD- Wählerin sondern es gibt grob gesagt drei Wählergruppen und da gibt es die Kernwählerschaft.
00:06:49: Von der Kernwährlerschaft wissen wir dass sie die Partei aus Gründen der programmatischen Übereinstimmung wählen.
00:06:54: das heißt die finden die Politik der AfD grundsätzlich richtig auch die politischen Aussagen der AfD richtig.
00:07:00: Das sind diejenigen die also politisch der AfD sehr nahestehen.
00:07:05: Und dann gibt es eine zweite Gruppe, die sagen da hat die AfD einen Punkt ja also die Stimmen sozusagen bei bestimmten Themen zu.
00:07:14: das ist die zweite Grupp.
00:07:15: und dann gibt's die dritte Gruppe die sagen ich benutze meine Stimme um durch die Wahl der AfD den von der AfD als altparteien apostrophierten anderen Parteien im demokratischen Spektrum mal ein Denkzettel zu verpassen.
00:07:31: Das sind doch die, die dann sagen ist eine Protestpartei quasi.
00:07:35: Genau und nur diese Gruppe sind die Protestwähler.
00:07:39: das heißt wir haben ne dreigeteilte Wählerschaft von der die Wählergruppe drei Die protestwählern sind während die wählergruppen eins also Der parteipolitische ideologisch nah stehen aus ganz anderen gründen die partei wählen.
00:07:52: Und die gruppe zwei habe ich schon beschrieben.
00:07:54: genau.
00:07:54: Wir wollen auch gleich noch mal ein bisschen näher auf die kreise eingehen quasi also auf die verschiedene Wählerschaftsgruppen.
00:08:02: Jetzt sind wir aber noch ganz kurz bei der Gründung, Sie haben das eben schon ganz gut erklärt.
00:08:06: Was meinen Sie wenn der Parteigründer Bernd Lucke heute auf die AfD blickt?
00:08:12: Was ist sein Gefühl dazu?
00:08:13: also erkennt er dennoch sagt ja es eine gute Entwicklung.
00:08:17: oder wie sehen sie das?
00:08:19: von Bernd Lucke ist mir kein Zitat im Kopf aber mir ist ein Zitat um Kopf von Konrad Adam.
00:08:24: Der war auch Mitbegründer der AfD und war in seinem früheren beruflichen Leben Wirtschaftsjournalist bei der Welt.
00:08:32: Und der hat meiner Erinnerung mal in einem sehr viel späteren Interview gesagt, wir haben ein Monster erschaffen mit der AfD.
00:08:41: Das heißt, die Gründungsakteursgruppe der AfD, die aus einer ordoliberalen Motivation herausweise ... Die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung und der Europäischen Union nicht geteilt haben diese Partei gegründet haben.
00:08:55: Die aber zweifelsohne... Und das ist wichtig!
00:08:57: Die aber zweifel sohne Demokraten waren und auf dem Boden des Grundgesetzes standen.
00:09:01: Und was hat sich ja erheblich gewandelt?
00:09:03: Erkennen diese Partei in ihrem jetzigen Angesicht überhaupt nicht mehr wieder weil sie sehen dass die AfD nicht nur in ihrer Programmatik, sondern auch in den Äußerungen der Funktions- und Mandatsträger – also der Abgeordneten und derjenigen, die in der Partei hohe Ämter innehaben – Aussagen kommen von denen man mehr als nur infrage stellen muss.
00:09:26: Ob sie sich noch auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen?
00:09:29: Verstehe!
00:09:29: Wir haben ja eben gerade schon über die Wählergruppen gesprochen.
00:09:33: Wir wollen uns hier nochmal so ein bisschen genauer ansehen.
00:09:35: Sie haben ja schon gesagt es gibt einmal den Kreis der Überzeugten.
00:09:38: sozusagen Haben sie die Idee, also wer sind diese Menschen?
00:09:42: und vor allem wie viele sind das?
00:09:43: Also wie viel machen die aus von den Menschen, die insgesamt AfD wählen.
00:09:49: Also wir haben das Phänomen dass die AfD und es ist nicht nur bei der AfD so sondern bei allen rechten und rechtspopulistischen Parteien ist die wichtigste Wählerressource Männer.
00:10:01: Die AfD ist eine Männerpartei.
00:10:04: Vom sozioökonomischen Status her sind das Menschen, die in der Regel einen Facharbeiterabschluss haben oder als Angestellte arbeiten.
00:10:12: Das heißt dieses Vorurteil, dass es lange auch in der öffentlichen Debatte gab, Menschen die die AfD wählen, sind eigentlich sozial abgehängt – das trifft nicht zu!
00:10:23: Also die Mehrzeit der Wählerinnen und Wähler
00:10:27: Insgesamt aus allen Kreisen quasi.
00:10:29: Ja, genau.
00:10:29: Für alle trifft
00:10:30: das nichts zu?
00:10:31: Jetzt reden wir erst mal über den Fehlergruppe eins.
00:10:33: Aber sozusagen so und jetzt jetzt zu quantifizieren ist natürlich schwierig.
00:10:38: es gibt Leute die sagen ah das sind zwanzig Prozent der Wählerschaft der AfD's.
00:10:42: gibt welche die sagen ein bisschen mehr da isst die Sozialpsychologie und die Politikwissenschaft nicht ganz einig aber In einem Befund ist sie einig, nämlich dass die Mehrzahl der Wählerinnen und Wähler der AfD diese Partei wählen aus Gründen der Übereinstimmung oder der Inkaufnahme ihrer Positionen.
00:11:03: Also verstehen Sie es entsteht ja manchmal in der öffentlichen Debatte der Eindruck als gäbe es eine Situation in der das Wählen der AfD quasi einen Akt der politischen Notwehr sei Es gebe sozusagen keine andere Möglichkeit Und das ist in einem pluralistischen Parteien-System natürlich unzutreffend.
00:11:21: Also Sie könnten ja auch, wenn sie die im Parlament repräsentierten Parteien nicht wählen wollen, kann sie dazu ja niemanden zwingen?
00:11:28: Sie können ja auch die Tierschutzpartei wählen oder also... Ja klar!
00:11:33: Also Alternativen gibt es keinen Fall.
00:11:35: Genau und es gibt mehr Alternatifen und die AfD hat natürlich ein Interesse daran ihrer Wählerschaft und vor allen Dingen ihre Anhängerschaft zu sagen Es gibt zwei Lager nämlich die sogenannten Altparteien Und es gibt uns als einzige Alternative Und diese Erzählung ist sehr, sehr wirkungsmächtig.
00:11:51: Weil die Partei auf dieser Erzählung schon sehr lange herumreitet.
00:11:57: Ja?
00:11:57: Das hat ja auch funktioniert.
00:11:59: also es glauben ja viele.
00:12:01: Genau!
00:12:01: Es glauben viele.
00:12:03: dennoch kann man natürlich auch noch mal die Frage stellen welches Politikverständnis steht denn da dahinter?
00:12:08: und ich kann mich bei einem Teil der Wählerschaft der AfD des Eindrucks nicht erwähren als Solle die AfD sozusagen so eine Art Wünsche erfüller sein.
00:12:19: Also ich führe sehr viele Gespräche mit Menschen, die sagen Herr Begrich Die AfD ist jetzt zehn Jahre in der Opposition dann sollen sie doch jetzt mal regieren und zeigen was sie können.
00:12:29: Und wenn das nicht klappt
00:12:30: auch manchmal
00:12:31: genau.
00:12:31: und wenn dass nicht klappt Dann wem wir Sie wieder ab.
00:12:33: und das ist ja.
00:12:34: also kann man jetzt erst Mal als ein sehr pragmatisches Verhältnis zu Parteien beschreiben, dass es in Ostdeutschlands schon sehr lange gibt.
00:12:41: Wir haben in OstDeutschland das Phänomen, dass wir eine sehr hohe Voladidität haben.
00:12:45: Also Voladilität meint die Menschen haben ne geringe Parteienbindung.
00:12:49: Das ist in der alten Bundesrepublik zum Teil anders?
00:12:53: Wo es traditionelle Milieus gibt.
00:12:55: also wenn man in Westdeutschen Land in der katholischen Jugend sozialisiert worden ist dann war es naheliegend, dass man die CDU wählt.
00:13:01: und wenn man an der Gewerkschaftsbewegung sozialisiert wurden ist und bei VW im Betriebsrat gab's er hat mal SPD.
00:13:10: Das hat es aus zeitgeschichtlichen Gründen hier nicht gegeben.
00:13:13: und es gibt noch einen anderen Punkt.
00:13:14: Es gibt in Ostdeutschland eine weit verbreitete Skepsis gegenüber Parteien- und Parteienpolitik überhaupt, also wenn man sich mal anguckt wie viele Mitglieder haben denn die Parteien in Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen oder auch im Brandenburg dann ist das ja ein Bruchteil dessen was die Partei als Mitglieder in Westdeutscher Land haben.
00:13:31: und das hat ne zeitgeschichte Ursache nämlich der DDR Weil die Leute in der DDR ja die Erfahrung gemacht haben.
00:13:37: Also am besten ist man hat mit der Partei, der regierenden Partei der SED nichts zu tun und schafft eine möglichst breite Distanz zwischen dem eigenen Alltag und den politischen Betrieb.
00:13:48: Und
00:13:49: das zieht sich bis heute durch, dass Leute weniger Interesse daran haben in Parteien einzutreten und politisch aktiv zu werden?
00:13:57: Ja.
00:13:58: Aber es kommt noch etwas anderes hinzu nämlich eine Mehrheit der Ostdeutschen identifiziert sich nicht mit dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland.
00:14:05: die sagen nicht das ist mein politisches System sondern sie sagen Das ist etwas was uns von außen gegeben worden ist aber wir identifizieren uns damit nicht.
00:14:15: Das ist jetzt sehr abstrakt aber.
00:14:18: Und das Ergebnis davon, dass die AfD eine Alternative für sie bildet?
00:14:23: Da könnten wir uns dann wieder mit identifizieren.
00:14:25: oder
00:14:25: was
00:14:25: wollen Sie daran sagen?
00:14:26: Ja,
00:14:26: das Interessante ist ja, dass sich die AfD folgen.
00:14:29: Das macht die AfD, führt eine Doppelkommunikation.
00:14:33: Die AfD isst eine Partei und tut so als sei sie gar keine Partei sondern eine Art.
00:14:39: Volksbewegung oder irgendeine Amorfe, Interessenvertretungen.
00:14:43: Also die AfD schafft eine Erzählung, die alle Populisten schaffen nämlich zu sagen wir vertreten die Interessen der Menschen hier unten und die sogenannten Altparteien sind da oben und schaffen so ne Art Dualismus ja?
00:14:56: So es hindert sie ja niemand daran sich in SPD CDU grüne linke FDP zu engagieren und dort einzutreten und zu sagen jetzt muss ich hier mal was ändern.
00:15:07: Und damit sich was ändert, trete ich hier ein und versuche Kreisvorsitzende zu werden um das Programm dieser Partei zu beeinflussen.
00:15:14: Das wäre ja der in der Parteiendemokratie der naheliegende Weg.
00:15:18: Das ist aber nicht der Weg den die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler an Ostdeutschland sieht sondern sie sehen sozusagen die Parteien als eine abgeschlossene Sphäre an mit der Sie nicht in Interaktion treten wollen.
00:15:28: Jetzt sind wir schon ein bisschen abgeschreift, aber alles aus großem Interesse an dem was sie sagen.
00:15:32: Aber genau, wir wollten ja uns die Wählerschaft noch ein bisschen angucken.
00:15:35: jetzt haben wir über den ersten Kreis wie Sie das nennen gesprochen.
00:15:39: der zweite Kreis besteht ja so aus Menschen haben sie erklärt, die sagen naja bei manchen Punkten hat die AfD einen Punkt.
00:15:45: ich stimme vielleicht nicht mit allem überein aber nehmt das alles zu hin weil manche Punkte für mich Stimmt, warum ist das so politisch?
00:15:52: eine interessante Gruppe die man sich vielleicht mal näher anschauen könnte?
00:15:56: Die
00:15:56: ist deshalb so interessant diese Wählergruppe weil sie politisch nicht so eindeutig festgelegt ist.
00:16:01: Also diese Wählergruppe folgt ja nicht den politisch-ideologischen Leitlinien der AfD in Gänze also beispielsweise ihrer rechtsextremen Programmatik sondern Sie sagen wenn die AfD was vernünftiges vorschlägt dann soll man das doch machen
00:16:14: und würden denn alles andere quasi dafür einen Kauf nehmen?
00:16:17: Also das ist genau die Frage, die man diesen Wählerinnen und Wählern stellen muss.
00:16:22: Ich mache es jetzt mal an einem drastischen Beispiel Wenn die AfD mit der Forderung um die Ecke kommt und sagt Es geht um irgendein pragmatisches Thema Lagen, Ladenöffnungszeiten oder was auch immer Und da macht die AfD einen vernünftigen Vorschlag Dann ist der Vorschlag natürlich immer noch vernünftig.
00:16:36: Aber – und das ist der Punkt – wenn die AfD ein vernünctigem Vorschlag macht ändert das an der politisch-ideologischen Ausrichtung der AfD als einer rechtsextremen Partei nichts.
00:16:47: Und jetzt könnte man natürlich sagen – und das sagen auch viele aus Deutschland, es ist mir egal welche Partei einen vernünftigen Vorschlag macht.
00:16:54: Hauptsache dieser Vorschlag wird umgesetzt!
00:16:56: Jetzt ist das in der Parteiendemokratie aber so, dass sozusagen politische Inhalte auch in Dienst genommen werden.
00:17:03: Das heißt?
00:17:04: Das heißt die AfD macht sich Forderungen anderer Parteien zu eignen, Umwählerinnen und Wähler zu erreichen, die bei anderen Themen sagen sollen, oh Gott, das will ich nicht!
00:17:13: Also diese Partei würde ich unter keinen Umständen wählen.
00:17:16: Haben Sie da jetzt irgendwie aus Sachsen anhalten?
00:17:18: ein Beispiel, wo man sagt, da hat sich die AfD einem Thema der CDU oder SPD oder wie man auch immer bedient?
00:17:25: Wenn man sich das Regierungsprogramm genannte Wahlprogramm der AfD anschaut.
00:17:29: Da gibt es ja zahlreiche Themen, woman auf den ersten Blick sagt dass es wünschenswert.
00:17:32: also nehmen wir mal das Beispiel beilftragsfreie Kindertagesstätten.
00:17:37: Ich bin mir jetzt nicht sicher, aber ich bin mir relativ sicher.
00:17:39: Es gab es in den letzten Jahren immer mal wieder, dass die eine oder andere Partei gefordert hat wie sollen die Kindergärten kostenlos machen?
00:17:45: Oder das Schulmittagessen kostenlosmachen?
00:17:47: Klar so Debatten gibt's ja auch auf kommunaler Ebene oder landesebene oder
00:17:50: so.
00:17:51: Genau.
00:17:51: und jetzt ist ja nicht nur die Frage Wie kann man das finanzieren oder gegenfinanzieren sondern Die frage ist auch welche anderen politischen Inhalte werden denn mit dieser forderung sozusagen tappiziert oder legitimiert?
00:18:03: oder wenn die afd sagt wir wollen ein begrüßungsgeld für
00:18:07: Neu geborene
00:18:08: Kinder, wo mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit hat und so weiter.
00:18:12: Natürlich verfolgt auch die AfD – das ist überhaupt nicht illegitim in ihrer Politik sowohl strategisch als auch taktische Ziele und eignet sich sozusagen die Forderungen anderer politischer Parteien an.
00:18:27: Man könnte auch sagen da gibt es eine Art Copy and Paste Verfahren.
00:18:30: Das gibt es natürlich bei anderen Parteien auch je nach Lage.
00:18:33: Der Unterschied die AfD in ihren Grundaussagen eben das bleibt, was ich vorhin beschrieben habe.
00:18:40: Nämlich eine rechtsextreme Partei.
00:18:42: für diese rechtseextreme Parteien gibt es auch noch ne dritte Wahlgruppe.
00:18:46: Die wollen wir uns auch noch kurz angucken.
00:18:47: genau dass sind die die Politik eher so im Rande verfolgen oder werden ja auch von Ihnen schon gesagt sind auf welche die andere vielleicht als Protestwähler bezeichnen würden oder?
00:18:56: Das sind vor allem Menschen für die die Sphäre des politischen ein weit entferntes Hintergrundrauschen ihres Alltags ist
00:19:03: Oder vielleicht auch einige, die lange oder konstant nicht Wählerinnen und Wähler waren?
00:19:07: Genau.
00:19:07: Das ist auch eine
00:19:08: Gruppe.
00:19:08: Auch
00:19:08: das ist sehr wichtig dass Sie das sagen weil wenn wir uns ansehen wie der Verlauf der Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt Wir hatten im Jahr zwei tausend sechs und zweitausend elf eine Wahlbedeidigung Die schwankte immer so um die fünfzig Prozent!
00:19:21: Das ist sehr gering.
00:19:22: Das heißt wir haben ne sehr große Gruppe von potenziell nicht Wählerinnen und Nichtwählern in Sachsen-Anhalt.
00:19:28: Und die AfD hat sich bei den vergangenen Wahlen immer auf die Fahnen geschrieben, wir haben die Wahlbeteiligung gesteigert.
00:19:35: Die Antritte der AfD hat die Polarisierung in der Gesellschaft vorangetrieben, das hat auch die Wahlbeteilung in der Tat nach oben getrieben.
00:19:41: Jetzt ist ja die Frage, wie nehmen denn diese Wählerin und Wähler Politik wahr?
00:19:45: Und ich will das mal mit einem Bild versuchen zu
00:19:48: beschreiben.
00:19:48: Ja, gerne!
00:19:49: Diese
00:19:49: Wählerinnen und Wähler haben das Gefühl, Politik sei etwas was oberhalb von ihnen stattfindet worauf sie keinen Einfluss nehmen können ja?
00:20:00: Was ihr auch unzufrieden machen kann wenn man sich so machtlos
00:20:03: fühlt.
00:20:03: ne?
00:20:03: Genau und dieses Gefühl erzeugt Ohnmacht.
00:20:06: und jetzt kommt die AfD und sagt wir sind der Adressat für eure OhnMacht wählt uns dann könnt ihr diese Ohn Macht kompensieren.
00:20:15: Ja, also wenn ich den Eindruck habe Politik findet da oben statt und hier unten findet der Alltag statt mit all seinen Sorgen wo Problemen nöten und Herausforderungen.
00:20:25: Und das hätte mit Politik nichts zu tun was ja nicht stimmt.
00:20:27: aber dann inszeniert sich die AfD als eine Art Vermittlungsinstanz.
00:20:32: Also es gab mal einen Wahlkampf-Slogan der AfD in Sachsen-Anhalt der hieß wir sind die Stimme der Bürger.
00:20:40: Nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig.
00:20:42: Weil alle Parteien die zur Wahl antreten sind... ...die Stimme der Bürger wenn sie gewählt werden.
00:20:47: Und also was?
00:20:48: Wenn jetzt jemand Ihnen das so erzählt und sagt ja Das sind die die mich abholen quasi Also was würden Sie denen sagen?
00:20:54: Ich weiß gar nicht ob es darauf ankommt den Leuten jetzt irgendwie die Welt zu erklären Sondern meine Haltung ist eher eine Zuhörende.
00:21:02: ich will erstmal verstehen wie sich Die Motivlage ausgerechnet dieser Partei seine Dünme oder ihre Stimme zu geben zusammensetzt.
00:21:11: Und ich glaube, dass dieses Verhältnis von Achtzigzwanzig – ich erkläre gleich was ich damit meine – das sehr wichtig ist nämlich in der politischen Kommunikation kommt es in solchen Situationen darauf an achtzig Prozent zuzuhören und zwanzig Prozent selbst zu sprechen.
00:21:27: Ich habe ja Theologie studiert und hab' das in einer Seelsorgeausbildung gelernt, dass wenn man mit Menschen ins Gespräch kommen will dann ist erstmal die Voraussetzung dafür wirklich eine zuhörende Haltung einnimmt.
00:21:41: Und nicht nur sagt erzählen Sie mir mal irgendwas und eigentlich im Kopf seine eigene Agenda durchspielt, sondern wirklich eine offene, zuhörende Haltung hat!
00:21:50: Ich glaube das ist ne wichtige Voraussetzung dafür es mit dieser Gruppe von Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen.
00:21:56: Ich will Ihnen und diesem Podcast gar nicht so nahetreten.
00:21:59: ich glaube nur wir müssen uns auch klar machen Diese Wählergruppe drei, das sind nicht diejenigen, die jetzt unruhig werden.
00:22:06: Wenn sie die drei Tageszeitungen, die Sie wie ich abonniert haben, morgens nicht im Briefkasten vorfinden?
00:22:11: Das sind nicht Die Tagesschau Ultras oder diejenigen noch hektisch ender MDR App irgendwie nach Nachrichten suchen Sondern das sind Menschen, die in ihrem Alltag so absorbiert sind von der Bewältigung dieses Alltags.
00:22:26: Dass ihre politischen Meinungsbildungen sich daraus rekrutieren, dass sie mal hören was im Ihrem Umkreis so gesprochen wird.
00:22:33: Ja es ist auch ein Privileg sich so unfassbar für damit auseinandersetzen
00:22:36: zu können und
00:22:38: das alles auch konsumieren zu können, was angeboten wird absolut.
00:22:41: Die Zeit zu haben und die Ressourcen zu haben, ich lese pro Tag vier Tageszeitung oder ich schaue drei Politikmagazine.
00:22:49: So, bei dieser Wählergruppe findet die Meinungsbildung ganz woanders statt nämlich beim sechzigsten Geburtstag von Tante Rita.
00:22:55: Und da sitzt auch der Onkel Manfred.
00:22:57: das ist der Mann, der immer so ein bisschen lauter redet und eine sehr klare politische Meinung hat?
00:23:03: Und an dem was er sagt orientieren sich dann wiederum viele weil sie sagen...
00:23:08: Der hat es damit auch befasst.
00:23:10: Ich
00:23:10: kann das alles gar nicht beurteilen.
00:23:11: ja wenn ich so genau
00:23:13: Kennt bestimmt jetzt ganz viele Hörerinnen und Hörern, haben jetzt Flashbacks zu ihrem letzten Weihnachtsfest oder so.
00:23:19: Oder zur letzten Advents-File kann ja auch noch die Fußballgespräche oder weiß nicht
00:23:24: was sagen?
00:23:25: Genau genau!
00:23:25: Was im Übrigen nicht heißt dass diese Menschen unpolitisch sind das heißt das überhaupt nicht sondern es heißt vor allem dass die Art und Weise wie sie den Bereich der Politik wahrnehmen eine völlig andere ist als dass im politischen medialen Betrieb kommuniziert wird.
00:23:41: Wir haben jetzt gerade schon darüber gesprochen, auch über die sogenannten Altparteien.
00:23:45: Also in den meisten anderen Parteien investieren ja so sehr viel Energie im Programm und Beschlüsse und Positionspapiere.
00:23:51: Die AfD spielt ja ein bisschen mit anderen Regeln.
00:23:55: oder würden sie da zustimmen?
00:23:57: Da würde ich nicht zustimmen!
00:23:58: Ich glaube dass die AfD etwas tut was auf den ersten Blick paradox erscheint.
00:24:02: Sie gibt sich ein Wahlprogramm, das sie Regierungsprogramm nennt.
00:24:06: Das zum radikalsten dessen gehört was jemals in der deutschen Parteingeschichte als Rechteswahlprogramm aufgeschrieben worden ist und dass es sehr detailliert sind.
00:24:14: ungefähr hundertsechzig Seiten.
00:24:16: ich habe die auch gelesen.
00:24:17: da sind wirklich harte recht extremistische zum Teil verfassungsfeindliche rassistische Aussagen drin.
00:24:24: Und dann gibts den Spitzenkandidaten Ulrich Sigmund von dem man den Eindruck hat er redet gar nicht über Politik.
00:24:29: Also Siegmund hat ja die Fähigkeit, die eigenen politischen Inhalte zu depolitisieren.
00:24:34: Also unpolitisch aufzutreten!
00:24:36: Das ist der Punkt eins.
00:24:37: Punkt zwei.
00:24:38: Siegmond tritt informell auf.
00:24:39: also wenn sie den mal beobachtet haben bei einer Veranstaltung das habe ich mehrfach getan Der geht ganz anders auf die Leute zu als ein Spitzenpolitiker der einen Amt hat.
00:24:48: Also Sigmund kommt auf die leute zu und sagt Ich bin da Uli und wer bist denn du?
00:24:53: Und
00:24:53: wir machen jetzt ein Selfie.
00:24:54: Genau
00:24:54: so.
00:24:55: Und dann kommt der Ministerpräsident, der natürlich in einer anderen Rolle ist.
00:25:00: Da ist noch der Pressesprecher dabei und da stellt vertretene Staatssekretär... Der kann gar nicht so informell auftreten wie das Ulrich Sigmund kann?
00:25:09: Das scheint ein Paradox zu sein!
00:25:11: Auf der einen Seite hat man ein sehr detailliertes rechtsextremes Wahlprogramm und auf der anderen Seite in Spitzenkandidaten, die scheinbar total unpolitisch sind.
00:25:20: Das ist aber kein Widerspruch sondern eine Doppeladressierung.
00:25:24: Ja, das Programm adressiert sich an die Kernwählerschaft.
00:25:27: Und Ulrich Siegmund als Kandidat ist an die Wählergruppe zwei und drei adressieren zu sagen er ist alles nicht so schlimm.
00:25:32: und was da unsere Gegner behaupten es trifft alles gar nichts
00:25:35: zu.
00:25:36: Wir haben ja eben schon zusammen festgestellt dass ich alle die Medien auch konsumieren können oder es einfach nicht tun.
00:25:44: Wenn wir aber auf MZ und Volksstimme schauen Sie gerne kritisch auf uns.
00:25:48: Was machen jetzt im aktuellen Wahlkampf richtig oder falsch?
00:25:51: Was könnte noch anders laufen, um vielleicht auch nochmal andere Menschen zu erreichen?
00:25:55: Also ich glaube was MZ-und Volksstimmen gutmachen ist dass sie diesen Wahlkampff sehr engmaschig begleiten Und auch sozusagen die Zwischenthöne abbilden, die dieser Wahlkumpf mit sich bringt.
00:26:07: Also wir gehen ja jetzt auf die sogenannte heiße Wahlkampfphase zu.
00:26:10: Ich gehe davon aus, dass wenn die Ferien jetzt enden alle Schulkinder wieder da sind und auch die Eltern wieder arbeiten müssen das dann der Wahlkampf nochmal Fahrt aufnimmt?
00:26:18: Ja Und die Qualität der Berichterstattung von MZ & Volksstumme steht darin den Nuangsen auch in den politischen Aussagen der Spitzenkandidaten oder der Aussage der Parteien noch mal nachzuspüren und zu sagen, was bedeutet denn das wenn Schulze jetzt plötzlich den Akzent setzt?
00:26:33: Oder will man einen anderen Akzent setzen.
00:26:36: Das finde ich sehr wichtig weil es die Voraussetzung dafür bildet dass Menschen sich eine Meinung bilden können also nicht irgendwie vom Hörn sagen sondern sie können sich eine Meinung bilden.
00:26:47: Das zur Qualität, zu den Wünschen an die Berichterstattung und das ist natürlich immer auch eine sozusagen Ressourcenfrage.
00:26:53: Ich glaube wir leben in einer Zeit, in der es ein Überangebot an emotionalen Informationen gibt.
00:27:01: Ja absolut!
00:27:01: Auch an Kanälen einfach.
00:27:03: Genau also Sie können sich ja den ganzen Tag beballern mit Instagram und was weiß denn ich nicht?
00:27:07: Und ich glaube Tageszeitungen haben eine Qualität von der ich sagen würde sie müssten mit diesem Fund sehr viel stärker wuchern.
00:27:16: Nämlich zu sagen, für uns kommt es nicht darauf an in dreißig Sekunden eine Ansage zu machen oder eine Kurzanalyse die irgendwie sowieso ein Video wie so ein Instagram-Video ist wo einem so einen Appetit haben hingeworfen wird und man dann dran bleiben soll sondern wir können Kontext liefern.
00:27:34: Wir können Analyse liefern!
00:27:35: Wir können auch etwas erklären was ein bisschen komplizierter ist.
00:27:39: Wir nehmen uns auch die Zeit und wir kommentieren das
00:27:43: auch.
00:27:44: So eine Einordnung noch mehr?
00:27:45: Und
00:27:45: wenn ich jetzt die Volksstimme aufschlage, das ist ja auch ne Frage der Medienkompetenz.
00:27:49: Also ich sehe das ja bei meinen Kindern den ich versucht habe beizubringen wie liest man eine Zeitung und dass es ein Unterschied ist zu sagen Ich lese auf Seite eins einen Bericht oder ich lese Auf Seite vier einen Kommentar und Dass das Beides Unterschiede sind Die aber zusammen gehören.
00:28:07: für die frage Wie läuft denn ein Meinungsbildungsprozess?
00:28:10: Und wir sind ja hier in Ostdeutschland, in einer Situation, in der es sehr viele Menschen gibt die sagen Wir haben keine Meinungsfreiheit mehr.
00:28:18: Das
00:28:19: ist auch der Vorwurf an die Medien oft?
00:28:21: Ja und wir befinden uns ja hier im Bahnhofstraße Im Volksstimmehaus.
00:28:25: Hier ist also Luftlinie ca.
00:28:28: hundertfünfzig Meter Ist ein großer Zeitungskiosk.
00:28:31: Da kann man reingehen und sich Zeitungen kaufen Von ganz links bis ganz rechts.
00:28:36: Ich bin in einem Land aufgewachsen In dem gab es sozusagen keine Meinungsfreiheit und eine sehr enge Binnenpluralität in der Publicistik, die immer unter der Maßgabe einer Marxistisch-Leninistischen Weltanschauung steht.
00:28:49: Und das heißt zu sagen ich habe keine Meinuchsfreiheit ist eigentlich ein Absurdum in einem Land indem sie so wie wir hier sitzen können und sagen können Wir machen den Podcast oder wir bringen einen Flugblatt raus oder wir machen ein Instagram Video Oder sie können in Post bei Blue Sky oder X machen.
00:29:07: Das heißt, Sie haben die Möglichkeit sich zu artikulieren und das ist nicht wenig!
00:29:12: Ja?
00:29:12: Also Sie können heutzutage anders als vor fünfzehn Jahren wenn Sie eine Aussage des Spitzenkandidaten misst finden...
00:29:20: Dann kann man das sagen..
00:29:21: Ja dann konnten Sie vor fünf zehn Jahren einen Leserbrief schreiben und konnten hoffen der wird abgedruckt oder auch nicht.
00:29:26: Jetzt können Sie ein Handy nehmen im Video aufnehmen uns sagen Guten Morgen, ich sitze hier mit meiner Kaffee-Tasse.
00:29:32: Ich finde das übrigens Mist was Spitzenkandidat XY sagt.
00:29:35: und wenn sie Glück haben und ihre Kaffeetasse schön ist und Sie sich auch die Zähne geputzt haben... Dann gucken das
00:29:40: Leute an!
00:29:41: ...dann gucken
00:29:41: sich das plötzlich vierzigtausend Leute an und der Spitzen-Kandidat ruft sie an und sagt wir müssten mal miteinander reden.
00:29:47: Das ist Meinungsfreiheit, das ist Demokratie.
00:29:50: Ja und die kann ja jeder nutzen und ausleben.
00:29:53: Und dass es mir auch nochmal wichtig, ich lese eine Zeitung nicht um darin meine Meinung wiederzufinden Dass ein Missverständnis der Meinungsfreiheit ist, dass manche Leute sagen ich kaufe mir eine Zeitung die soll bitte meine Meinung besteht.
00:30:07: Nein!
00:30:07: Ich lese eine Zeitpunkt um mich mit anderen Meinungen zu konfrontieren um ihr meine Meinung bilden zu können.
00:30:15: das heißt es ist produktiv wenn ich mich über einen Kommentar ärgere weil es nämlich ermöglicht mir meine Meinung zu bilden.
00:30:23: Ja,
00:30:24: wir kommen jetzt auch schon zu unserem Abschluss-Ritual des Podcasts.
00:30:28: Wir stellen allen unseren Gästinnen und Gästen die drei gleichen Fragen und wünschen uns da eine kurze und persönliche Antwort und Einschätzung von ihnen.
00:30:36: Die erste Frage ist was sind die drei entscheidenden Themen bis zur Landtagswahl?
00:30:41: Also dann müsste man ne sozialwissenschaftliche Untersuchung machen.
00:30:43: aus dem Bauch heraus würde ich sagen Gesundheit, Rente und Infrastruktur.
00:30:48: Zweite Frage ist das für Sie eine Schicksalswahl?
00:30:51: Ich glaube nicht an das Schicksal, ich glaube aber es ist eine der wichtigsten Wahlen in Ostdeutschland in den letzten dreißig Jahren.
00:30:59: Dritte und letzte Frage – wo steht Sachsen-Anhalt am Ende des Jahres zwanzig, sechsundzwanzig?
00:31:04: Ich hoffe, Sachsen Anhalt steht am Ende dieses Jahres zweitausendsechsundzwanzig auf festen demokratischen Füßen!
00:31:12: Vielen Dank für Ihr Wissen und für Ihre Einschätzung.
00:31:15: Danke, dass Sie bei uns zu Gast waren.
00:31:17: Herzlichen Dank für die Einladung!
00:31:19: Das war diese Folge von Zwei Komma Eins Millionen.
00:31:21: Danke euch fürs Zuhören.
00:31:23: wir sind der Politik-Podcast von MZ und Volksstimme in diesem wichtigen Wahljahr.
00:31:26: hier bekommt ihr alle wichtigen Informationen rund um die Wahl.
00:31:30: wenn euch der Podcast gefällt dann empfehlt uns gerne weiter an Leute die das auch interessieren könnte den Politik auch am Herzen liegt.
00:31:37: Wenn Ihr Anregungen habt schreibt uns gerne eine Mail Oder hinterlasst uns ein Kommentar bei Spotify, Apple oder YouTube.
00:31:46: Wir lesen das gerne durch.
00:31:48: Danke euch fürs Zuhören!
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