Das Kalbe-Experiment. Mit Corinna Köbele
Shownotes
Kann Kunst eine Kleinstadt und den ländlichen Raum retten? In Kalbe in der Altmark versucht Corinna Köbele seit mehr als zehn Jahren genau das. Mit ihrer Künstlerstadt verwandelt sie leerstehende Häuser in Ateliers, holt internationale Künstler in die Region und schafft neue Begegnungsorte für die Menschen vor Ort.
Im Podcast erzählt Köbele, wie aus einer Idee ohne Geld ein deutschlandweit beachtetes Projekt wurde. Sie spricht über den Kampf gegen Leerstand und Bevölkerungsrückgang, über die Chancen des ländlichen Raums und darüber, warum Kultur für sie mehr ist als Freizeitangebot: nämlich ein Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und regionale Entwicklung.
Außerdem geht es um die Zukunft der Altmark, den demografischen Wandel, politische Rahmenbedingungen und die Frage, ob Projekte wie die Künstlerstadt ein Modell für andere Regionen in Sachsen-Anhalt sein können.
Infos zum Gast:
https://kuenstlerstadt-kalbe.de/
PEN-Berlin bei der Künstlerstadt am 25.8.
https://kuenstlerstadt-kalbe.de/civicrm/event/info/?reset=1&id=132
https://kuenstlerstadt-kalbe.de/residenz/
Vorstellung des Projekts
Infos zur Wahl:
Neue Wahl-Umfrage:
https://www.mz.de/wahl/landtagswahl-sachsen-anhalt/umfrage-trend-kleine-parteien-afd-cdu-4293509
Allgemeine Informationen zur Wahl:
📄Die Wahlprogramme
- SPD: SPD-Wahlprogramm-2026.pdf
- AFD: AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt
- DIE LINKE: 2026-03-19_Landtagswahlprogramm__final_.pdf
- BSW: BSW_Landtagswahlprogramm_SachsenAnhalt.pdf
- FDP: [Freiheit hat nur eine Heimat – Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf](https://42cloud.universum.com/sites/default/files/2026-04/Freiheit hat nur eine Heimat %E2%80%93 Wahlprogramm der FDP Sachsen-Anhalt zur Landagswahl 2026_0.pdf)
- BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN: https://www.gruene-lsa.de/programm2026/ Entwürfe:
- CDU: entwurf_regierungsprogramm2026_2026-03-24.pdf (entwurf)
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- Linke Spitzenkandidatin Eva von Angern: „Sven Schulze mit dieser Agenda ist für die Linke nicht wählbar“
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- BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze: Das BSW sagt, wer in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident werden soll
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00:00:00: Wenn
00:00:00: ich mir Ihre Personen hier vorstelle,
00:00:02: dann wäre das eigentlich ein Grund für mich,
00:00:03: da rührt nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.
00:00:07: Ja wir erleben jetzt im März, im Jahr-Zweißen-Sechsundzwanzig
00:00:09: Geschichte und den
00:00:10: wenigen Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und das genau
00:00:13: so einordnen!
00:00:14: Wenn wir, meine Damen und Herren, den Kampf um unsere Demokratie gewinnen wollen, dann müssen wir die Herzen
00:00:19: wieder zurückgewinnen.
00:00:20: Wir werden unsere Kultur nicht Nationalisten oder identitären Ideologen überlassen.
00:00:28: der Politik Podcast von Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme.
00:00:32: Hallo da draußen!
00:00:33: Und willkommen bei zwei Komma eins Millionen, dem Politik-Podcast von MittelDeutscherzeitung und Volkstimme.
00:00:38: Hier ist wieder Elisabeth Schulz und diesmal sind wir wieder auf Tour.
00:00:42: Wir sind in Calve.
00:00:43: Das ist eine kleine Stadt in der Altmark.
00:00:45: Wie viele andere kleinen Städte in Sachsen-Anhalt kämpft diese Stadt mit denselben Problemen.
00:00:51: Was macht man also wenn in einer Kleinstadt immer mehr Menschen wegziehen Wenn Geschäfte schließen, wenn Häuser leer stehen?
00:00:57: Man könnte versuchen neue Unternehmen anzusiedeln.
00:00:59: Man könnte Straßen bauen oder Förderprogramme auflegen, oder man holt eben einfach Künstler in die Stadt.
00:01:06: Genau das passiert hier seit mehr als zehn Jahren in Kalbe.
00:01:09: Dort werden leerstehende Häuser zu Ateliers, internationale Künstlern kommen in die Altmark und aus einer kleinen Stadt ist ein ungewöhnlicher Kulturort geworden!
00:01:18: Die Frau hinter dieser Idee sitzt heute bei uns hier – es ist Corinna Köbbel bzw.
00:01:22: sitzen wir bei ihr im Wohnzimmer.
00:01:25: Sie hat die Künstlerstadt in den Jahr und treibt das Projekt bis heute voran.
00:01:29: Schön, dass sie da sind
00:01:30: bzw.,
00:01:31: dass wir hier sein dürfen!
00:01:32: Ja gerne, herzlich willkommen in der Künstlersstadt!
00:01:35: Dankeschön!
00:01:36: In einem Zeitinterview im Jahr und Jahr haben Sie gesagt, dass Sie nicht mehr zusehen wollten wie Kalbe immer Lehrer wurde.
00:01:43: Junge Menschen gegen Weg, Nachbarn starben, Geschäfte stehen leer... Sie beschrieben im Interview damals das Gefühl als ihre Stadt stirbt und sie schauen dabei zu.
00:01:52: Wenn Sie heute zurückblicken, wie erinnern Sie sich denn an die Anfänger?
00:01:56: Ja das war schon ziemlich spektakulär weil wir haben ja eigentlich begonnen mit Null Geld und viel Idee und Vision Und es war wirklich sechs Frauen, die zuerst kamen mit Putzeimer und Lappen bewaffnet sozusagen um Gebäude wieder sauberzumachen.
00:02:16: Um den ersten Sommercampus auszurufen in Windeseile haben wir denen dann durchgeführt.
00:02:21: Es ist eigentlich enorm gewesen was wir in der Zeit geschaffen haben alles auch ohne Geld.
00:02:27: Wir haben ja dann im Jahr den Demografiepreis von Sachsen-Anhalt bekommen.
00:02:32: Die Laudatorin meinte dann, man dürfe gar nicht laut sagen mit wie wenig Geld wir ein Jahr Kulturarbeit auf höchstem Niveau gemacht hätten.
00:02:42: Das ist aber nur deswegen so gewesen weil ich gar nicht wusste dass man für diese Arbeit die wir gemacht haben Geld bekommt und das war schlichtweg Unwissenheit.
00:02:53: Man sagte mir sowas ja auch nicht.
00:02:54: es gibt keine Stelle die auf einen zukommt und sagt hey du machst tolle Arbeit ich geb dir mal Geld oder kannst du da was beantragen?
00:03:01: Es war ja nicht.
00:03:03: Wir haben wirklich enorm viel erdenamtlich gewuppt.
00:03:06: Jeder hat etwas beigetragen, was er konnte und haben wirklich auch in Anfang eine Stimmung erzeugt von wow hier geschieht jetzt endlich mal was!
00:03:15: Und viele waren so im ersten Sommerkampus wir haben es immer genannt vom Sommercampus Fieber angesteckt.
00:03:22: ja jeder war neugierig was passiert nicht?
00:03:25: Jetzt kommen internationale Künstlerinnen rein und waren völlig buff irgendwie darüber das Konne die tatsächlich nach Kalbe gekommen sind aus aller Welt.
00:03:35: Wie ist denn die Grundidee entstanden?
00:03:36: Wie haben Sie sich dann gefunden als Gruppefrauen?
00:03:39: Ja, wir haben im Grunde eigentlich so die Idee, wir möchten mehr Fülle in die Hülle reinbringen.
00:03:45: Wir möchten wirklich mehr Leben in die Stadt bringen.
00:03:47: Wir wollen auch das andere Menschen merken wie schön es hier ist zu leben und dass es hier eine Menge Potenziale bietet.
00:03:57: Einfach mal losgelegt.
00:03:58: Ich habe die Idee gehabt mit dem Sommercampus und die anderen haben da gesagt, ja das kann man doch machen ist doch toll!
00:04:05: Und dann haben wir halt Häuser- und Wohnungen gesucht und Besitzer überzeugt dass sie uns diese geben kostenfrei und das haben Sie dann auch erst einmal gemacht.
00:04:14: und ja dann sind wir halt eben losgestartet und dann viel Recherchearbeit und abends noch eingesetzt und geguckt welche Verbände Hochschulen kann man anschreiben um Künstlerinnen zu erreichen?
00:04:27: War das schwierig, die Eigentümer zu überzeugen?
00:04:29: Das war sehr schwierig.
00:04:30: Und es war wirklich... weil ja auch niemand wusste was soll das mit dieser Künstlerstadt kalbe.
00:04:34: also es war ja überhaupt keine Idee da was kann das werden?
00:04:39: oder was ist das eine Künstlers statt?
00:04:42: Es gibt eine künstler Stadt in gemünnt und hatte mir die ein bisschen vorher angeguckt ne halbes Jahr vorher angeschaut.
00:04:49: Die hat aber eine andere Ursprung und auch eine andere Grundidee.
00:04:52: Aber ich bin ja selbst auch künstlerisch tätig, neben meinem Hauptjob damals gewesen und fand einfach Kunst ein wunderbares Mittel um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.
00:05:05: Und auch Kunst gibt einfach eine Menge Impulse für gesellschaftliche Entwicklung.
00:05:11: Von daher dachte ich es ist einfach wichtig wir bringen hier in die vielen leerstehenden Häuser.
00:05:18: Meine Idee war ein Hundert Künstler rein.
00:05:21: Ich stelle mir das jetzt damals so vor, dass natürlich Kaibe die typische Sachsen-Anhalt Kleinstadt war.
00:05:27: Plötzlich passiert hier was?
00:05:29: Wie haben die Menschen fort reagiert?
00:05:31: Also es gab sehr viele, die uns unterstützt haben und wirklich gerade halt eben so am Anfang... Wir hatten am ersten Tag vom ersten Sommercampus vergessen, Kühlschränke zu besorgen für die Wohnungen.
00:05:43: Dann haben wir natürlich aufgerufen wer hat noch ein Kühlfrank irgendwo in der Gartenlaube stehen und braucht den gerade nicht.
00:05:49: Und dann haben wir Kühl schränken abgesammelt und in die Wohnung gebracht.
00:05:53: also Ja, und jeder hat irgendwie so ein bisschen mitgemacht.
00:05:57: Und aufgeräumt geputzt Sachen ran geschleppt werden die ja auch bebliert die Wohnungen.
00:06:02: und da brauchten wir Möbeln und Geschirr.
00:06:04: und jeder brachte irgendwas vorbei und sagte ich brauche es nicht mehr das könnt ihr doch verwenden.
00:06:09: und das fanden dann eine richtig schöne Idee.
00:06:11: also da zogen sehr viele mit.
00:06:14: Auch dann, als die Künstlerinnen und Künstlern da waren, gab es natürlich viel Irritation.
00:06:18: Eine Künstlerin hatte als Kunstprojekt, dass sie jeden Tag deutlich machte was sie macht als Künsterin Und hat das öffentlich gemacht an ihrem Briefkasten gehängt Was sie macht gerade Also zum Beispiel Wäschewaschen Duschen Katze Füttern Und dann hingen sie aber auch die Wäsche zwischen den Bäumen hier auf.
00:06:37: Dann kamen dann Bürger auf mich zu und meinten, ihr habt vergessen den Stipendiaten richtige Aufhängemöglichkeiten für die Wäsche zu geben!
00:06:45: Die Arme müssen jetzt auf der Straße die Wæsche
00:06:47: trocknen.".
00:06:48: Ja also es war schon ziemlich kurios was da so an Geschichten passierte.
00:06:53: Wir hatten uns gerade im Vorfeld zur Aufnahme schon mal kurz unterhalten.
00:06:57: wir sitzen hier im Gebäude der alten Brauerei gegenüber.
00:07:01: Das alte Gericht gehört auch irgendwie dazu.
00:07:04: Können Sie uns vielleicht an einem Haus mal mitnehmen, was über die Jahre passiert ist?
00:07:09: Ja also gerne!
00:07:11: Also wir können es gerne auch am Gericht deutlich machen.
00:07:14: Dieses Gericht ist ein wunderbares Gebäude.
00:07:16: Hohe Räume, helle Räime und ich gucke da jeden Tag drauf weil ich's von meinen Frühstücksfenster sozusagen aus immer beobachtete.
00:07:26: Und da brachte im Grunde die Stadt nur Sperrmüll ein und schmiss den zweimal im Jahr raus.
00:07:32: Ich dachte dann, als wir begannen ... Mensch das wäre doch toll wenn man in dieses Haus reingehen könnten und habe eine Nutzungserlaubnis erwirkt über dem Bürgermeister aber nur fürs Obergeschoss.
00:07:43: ins Untergeschoss durften wir nicht!
00:07:46: Das ist natürlich ein bisschen schwierig weil Künstler ja sehr kreative Leute sind und das Untergeschosse mit dem vielen Sperrrmüll war hoch attraktiv.
00:07:55: Und dann gab es plötzlich auch Kunstwerke im Untergeschoss und lange Diskussionen, warum dann jemand da die Wand bemalt hat.
00:08:03: Ja, die Wartanhalt bemalte ja.
00:08:06: das war dann halt so!
00:08:08: Und irgendwann haben wir immer regelmäßig dort in Sommer halt eben den Sommercampus, die ATES drinnen gehabt tolle Räume einfach durch die Penchiaten nahm sich sehr wohl gefühlt.
00:08:18: Und zwei tausend achtzehn kamen die Stadt auf uns zu weil sie meinte ob wir das Haus nicht übernehmen wollten.
00:08:26: Und wir haben im Jahr zwei Tausend Sechzehn einen ziemlichen Bruch gehabt, weil in dem Jahr zweitausend Fünfzehn alle unsere Wohnungen mit einem Schlag weg waren und die ganze Leidenschaft und Herzblut was da in diese Sanierung von diesen Wohnungsflossen war dahin.
00:08:40: und wir haben dann wirklich gesagt Wir brauchen Eigentum.
00:08:44: und in einer revolutionären Mitgliederversammlung im Februar XVI haben wir entschieden, wir wollen das Gericht haben.
00:08:51: Und die nebenliegenden Gebäude oder die Wiesen dazunehmen.
00:08:55: Wir wollten den Kulturruf kaufen aber wir hatten gar kein Geld.
00:08:59: Und wir haben beides ohne Geld gekauft.
00:09:01: also es war dann wirklich des Gerichts auch und wir wollten uns eigentlich noch gar nicht haben wegen den Versicherungen, die natürlich auch ziemlich teuer sind.
00:09:11: Dann haben wir es aber gekauft.
00:09:12: Im Dezember XVIII haben wir's für einen Euro bekommen zum symbolischen Preis von der Stadt.
00:09:17: Das ist ja nett!
00:09:19: Ja, die wollten es loswerden.
00:09:20: also die Nordseite vom Dach war so kaputt das wirklich sonst nicht mehr ein Winter überstanden hätte und dann wäre das Dach reingekracht.
00:09:29: und das haben sie natürlich auch gesehen.
00:09:32: und so eine immobilierte Zusammenfeld ist natürlich noch schlechter irgendwie zu vermarkten und deswegen haben Sie uns die überlassen freundlicherweise.
00:09:42: Wir waren natürlich froh, dass wir dafür nicht in Kaufpreis großartig entrichten mussten.
00:09:47: Aber Sanierungskosten hatten wir ja trotzdem des Hausstands.
00:09:53: Das ist halt eben für so ein Riesengebäude einfach sehr schädlich.
00:09:58: aber mittlerweile hat es einen Dach Neues eine PV Anlage.
00:10:01: mit der PV-Anlage haben wir die erste Ladeseule nach Kalbe geschafft.
00:10:05: Wir haben jetzt die Fenster gemacht und eine Tür.
00:10:09: Und jetzt den nächsten Förderantrag auch schon durchgekriegt, wo wir dann den Rest machen mit der Fassade und auch noch die Räume verändern und die Elektrik ist noch im ganzen Argen.
00:10:21: Dann haben wir erst mal lange Zeit Ruhe in diesem Gebäude.
00:10:25: Hocht man ja!
00:10:27: Was
00:10:28: ist denn heute im alten Gericht drin?
00:10:30: Jetzt gerade sind die Sommerkampusstipendiaten da.
00:10:34: In diesem Jahr haben wir vierundzwanzig Stipendiatten aus zwölften Aktionen, die bei uns residieren zwischen zwei und vier Wochen.
00:10:41: Und sie lieben diese Räume weil die auch total Geschichte atmen.
00:10:45: Also das sind die Tapetenreste von dem ganzen Jahrhundert noch dazu entdecken.
00:10:51: Die Räumen sind einfach klasse zum Arbeiten!
00:10:54: Und von daher, die fühlen sich sehr wohl da drinnen.
00:10:56: Wir nutzen das aber auch für die Workshops.
00:10:58: Wir werden meistens so ein bisschen missverstanden, von wegen ja, ihr wollt die nächste Künstlerkolonie nach Ahnz-Hob und Wops Wedewähren?
00:11:07: Ja, auch!
00:11:08: Aber es ist nicht der Sinn unserer Arbeit sondern wir bieten eine ganze Menge zum Beispiel Workshobs an oder... bieten Treffpunkte an.
00:11:16: Wir machen offene Frühstückseinladungen, vorlesende Abende einfach um es miteinander wieder zu fördern und auch Menschen wieder an ihre kreativen gestalterischen Potenziale
00:11:27: erinnern.".
00:11:28: Es
00:11:28: klingt auf jeden Fall wie eine schöne kreative Grundlage inspirativ!
00:11:32: Unsere Hörer können ja nun die Stadt nicht sehen oder das was sie hier geschaffen haben.
00:11:36: vielleicht können Sie mal ein paar Worten beschreiben?
00:11:39: Ja also mittlerweile haben wir vier Häuser, drei Grundstücke in unserem Eigentum.
00:11:44: Wie gesagt alle ohne Geld gekauft und das müssen wir jetzt noch irgendwann zusammen kratzen um es dann zurückzugeben.
00:11:53: Wir sanieren fleißig diese Häuser weil alles auch sanierungsschwer, sanierungsbedürftige Gebäude sind Und wir haben insgesamt zwölf Immobilien, die wir mit Kunst und Kultur beleben in unserer Hand.
00:12:06: Da sind auch dauernd Sachen zu machen, die dann wir machen.
00:12:09: Wir haben von den Eigentümern mehr oder weniger überlassen bekommen aber wir gucken natürlich, dass sie auch im guten Zustand bleiben.
00:12:15: Zwanzig Leute im harten Kern, zehn im weichen Kern – das ist der jüngere Kreis, die sich um die Inhalte kümmern.
00:12:24: Hundertsiebenvierzch-Mitglieder weltweit von Shanghai über Schweiz bis Kalbe und wachsen!
00:12:30: Also, es kommen immer mehr dazu.
00:12:32: Uns sind zwanzig Menschen auch allein nur durch die Künstlerstadt nach Kalbe gezogen und wir sind hier vorwiegend in der Altstadt tätig wegen der Gebäude, die wir haben.
00:12:41: Aber wir machen ganz viel auch in Rahmen der Stadt- und Stadtentwicklung, also wir bieten Workshops in anderen Teilen der Stadt an oder wir sind in Kooperation zum Beispiel mit der AWO.
00:12:55: Da bieten wir ein Smartphone SOS Hilfekurs für die Seniorinnen oder solche Dinge mit Jugendlichen.
00:13:04: der Hort und die Avotagesgruppe zum Beispiel.
00:13:08: Also wir sind sehr, sehr gut vernetzt in den gesamten Regionen mit ganz vielen Vereinen und Initiativen und geben auch gerne unser Wissen weiter.
00:13:16: Wir haben einmal im Jahr auch ein Fördermittel-Findenworkshop für alle offen wo wir dann unsere Tricks und Tipps halt weitergeben wie man an Geld für die eigene Arbeit kommt damit es einem nicht so gehen muss wie uns das ergangen ist im ersten Jahr.
00:13:32: Ja, das ist ein schönes Angebot.
00:13:34: Wir haben jetzt viel über die Anfänger gesprochen.
00:13:37: Wenn Sie heute durch die Stadt gehen... wie sehen sie das?
00:13:40: Was nehmen Sie bar?
00:13:41: Naja also erstmal sind es schon mal sanierte Gebäude ja, die wirklich richtig schön saniert worden sind.
00:13:46: Vielleicht
00:13:47: ganz kurz viel Altbau, viel Fachwerk.
00:13:54: Also die Altstadt ist wirklich noch komplett erhalten als Altstadt in seiner ursprünglichen Struktur aus dem elften Jahrhundert.
00:14:02: Und die Wegeführung und die Häuserteilen, auch manche Grundmauern von den Häusern sind so wie früher da waren um Flossen der Milde sehr romantisch.
00:14:14: Das war zur Wehranlage eigentlich, aber jetzt ist es ein wunderschöner Spaziergang an der Außengrenze der Altstadt lang.
00:14:22: Es ist ein traumhafter Ort!
00:14:24: Man wundert sich weil die Straßenführung, die hauptsächlich durch die Kalbe führt, zeigt die schönsten Seite von Kalbe gar nicht und jeder der dann wirklich sich draut abzubiegen in die Altstadt ist immer völlig baff Weil es so eine sehr gemütliche kleine Altstadt ist, nennt sich auch Pottkuchen.
00:14:46: Ja weil das halt so ne Struktur hat wie so ein Pott Kuchen mit der Häuserzeile und drinnen den Gärten die dann vertieft liegen.
00:14:52: sozusagen muss man sich das so vorstellen.
00:14:55: Eine Kirche aus dem elften Jahrhundert Feldstein-Kirche und einfach sehr romantisch verträumt ja und leider aber auch und das ist genau das worin wir aktiv geworden sind.
00:15:09: Also es sind sehr viele Freiflächen da, es sind Häuser da wo nur ganz wenige Leute noch drin leben.
00:15:15: Manchmal nur einer drin lebt und große Häuser manche verfallen.
00:15:19: Da muss halt eben auch dringend was passieren und das haben wir jetzt mal begonnen.
00:15:25: Und deswegen freut's auch manche Leute sehr weil nämlich gerade auch diese Denkmale, wir haben lauter Denkmalen erhalten werden in dieser Altstadt.
00:15:34: Ja, wir waren vorher bei der Frage was sich verändert hatte.
00:15:37: Da hatt ich sie dann unterbrochen und vielleicht können wir da noch mal ansetzen?
00:15:41: Was hat sich verändert?
00:15:42: also jetzt in den Köpfen und den Herzen der Menschen glaube ich ist so etwas wie eine fremden Neugier entstanden.
00:15:51: Also am Anfang war man vielleicht sehr skeptisch noch.
00:15:54: Da kommen ja so viele aus anderen Ländern.
00:15:57: und was passierte da?
00:16:00: Mittlerweile werde ich dann schon auch angesprochen von jemandem.
00:16:03: Man sieht gar keine bunten Räder, was mit euch los und das war gerade kurz nach Corona und da hatten wir ein Festival absagen müssen.
00:16:10: Das ist aber total aufgefallen.
00:16:11: Es war mir gar nicht so klar.
00:16:13: ja also es sind andere Menschen hier im Ort durch uns hineingezogen worden.
00:16:19: Es sind neue Impulse gesetzt worden, kulturelle Impulse und wir machen im Grunde alles das was halt eben die anderen nicht machen weil wir über die Förderung die Möglichkeit kriegen auch kulturelle Vielfalt zu gewährleisten und nicht angewiesen sind, wirtschaftlich unbedingt jetzt tätig sein zu müssen.
00:16:36: Und das als Gemeinnütziger Verein ist unsere große Chance auch.
00:16:41: Also wir bieten ganz eine Menge an für Kinder- und Senioren aber auch für Menschen mit Beeinträchtigungen und nehmen alle dienen ins Boot, die eigentlich nicht so ganz betachtet werden.
00:16:51: also auch bei den Geflüchteten In Afghanistan und Syrien waren wir die Einzigen, die sich um die gekümmert haben.
00:17:00: Da haben wir ganz tolle Sachen auch gemacht, also gearbeitet aber auch ganz toller Partys gefeiert an die erinnere ich mich nur sehr gerne.
00:17:08: oder wir hatten einen Chor, ich kann ein bisschen afghanisch jetzt sogar singen Ja, haben wirklich tolle Initiativen gemacht.
00:17:15: Genauso auch bei den Ukrainern der.
00:17:17: da waren wir diejenigen, die halt eben die Möbel zusammengesucht haben mit den Leuten zu dem Behörden gegangen sind und natürlich geguckt haben dass sie eingebunden werden in das gesellschaftliche Leben.
00:17:29: also das sind immer die Aufgaben die sozusagen wir machen.
00:17:34: Ich denke es ist auch wichtig, dass Gesellschaft gut funktionieren kann.
00:17:37: Dass wirklich alle eingebunden werden die in einem Ort leben und nicht welche hinten runterfallen oder nicht beachtet werden oder gar nicht erst angesprochen werden.
00:17:48: Wenn ich mal kurz zusammenfasse können mich gerne korrigieren Aber der Grundgedanke klang ja so ein bisschen an, dass sie versuchen so gegen den demografischen Wandel zu arbeiten.
00:17:57: Das ist natürlich in der Altmark eine besondere Herausforderung.
00:18:01: bis zu zwei Tausend Vierzig sollen das Jahr im Rückgang um siebzehn Prozent geben?
00:18:06: Ja!
00:18:07: Es ist ja nicht nur ein Thema von der Altenmark es ist ja ganz allgemein Thema.
00:18:10: aber was bedeutet denn so ne Entwicklung für die Stadt wie Kalbe?
00:18:14: Natürlich bedroht das im Grunde auch Kalber.
00:18:17: Und ich bin immer ein bisschen baff, weil sehr viele Menschen das überhaupt nicht auf dem Plan haben.
00:18:22: Die denken ja nicht dran.
00:18:24: aber als es neulich mal schon paar Jahre her dann zum Wegfall einer Buslinie kam die ziemlich wichtig für die Senioren und Senioren ist um überhaupt nach Salzwedel zum Arzt zu kommen war der Aufschrei groß und das ist aber einen Teil von demografischen Wandel gewesen und die meisten Menschen haben das überhaupt Plan, dass irgendwann Grenzen erreicht werden, wo auch einfach die Supermärkte zumachen.
00:18:48: Weil sie dann sagen wir haben jetzt so eine geringe Einwohnerzahl das die Kaufkraft nicht da ist um dann diesen Supermarkt zu halten Und das kapieren die immer nicht.
00:18:58: Die denken dann, ach ja es wurde jetzt wieder einer gebaut in Supermarkt.
00:19:02: aber wie schnell sie auch geschlossen werden können?
00:19:04: Das haben die meisten nicht im Kopf und das sind ganz knallharte Wirtschaftsanalysen, die getroffen werden und dann hört's auf.
00:19:12: oder dass zum Beispiel Baukredite in der Altmark von bestimmten Banken gar nicht mehr gegeben werden.
00:19:18: also solche Dinge sind ja ziemlich wichtige Informationen.
00:19:22: natürlich ich sehe das schon Und ich merke es auch.
00:19:25: Und ich würde ja gerne, neulich war die Bertelsmann-Stiftung hier und ihr war völlig geflasht von dem was wir hier gemacht haben und hat mich auch sehr gefreut.
00:19:34: und wir haben uns dann so richtig warm geredet.
00:19:36: und dann habe ich gesagt geben sie mir fünf Leute und zehn Jahre Zeit und die Altmark sieht anders aus.
00:19:42: Ja weil die Ideen für die Entwicklung des ländlichen Raumes gibt es aber es nimmt keiner Geld in die Hand um das wirklich umzusetzen.
00:19:52: Da waren so ein bisschen baff, ja.
00:19:53: So wie sagt die das?
00:19:55: Ja natürlich kann es auch ein bisschen zu weit sein.
00:19:58: vielleicht bin ich auch ein bissel Größenband und ich kann alles sein.
00:20:00: Das ist nicht so wichtig.
00:20:02: man sieht sehr ob's wirkt oder nicht.
00:20:04: aber Ich könnte mir vorstellen Wir haben nämlich einmal in einem Corona-Monat Haben wir eine Werbekampagne für Kaiba gestartet unter dem Hashtag Kaiba erleben.
00:20:14: Und wir haben immer weil da halt eben nichts zu tun war Es war Februar ein zwanzig Jeder war entweder krank oder irgendwie ausgenockt und nicht richtig auf den Plan.
00:20:25: Aber ich habe gedacht, Menschen nutzen mal die Zeit und machen ein bisschen Werbung für Kalbe.
00:20:29: Und zwar immer im Dreischritt wo kann man wohnen?
00:20:32: Wo kann man arbeiten und wie kann man seine Freizeit verbringen?
00:20:36: Und haben dann wirklich immer so kleine Pots zusammen geschnürt und dann bestimmte Zielgruppen angesprochen Ärzte Lehrer Familien Azubis und die Resonanz.
00:20:48: Wir hatten dann wirklich einen Festival mit Modell und Tralala.
00:20:52: Es war also sehr schwierig alles, aber wir haben es durchgekriegt.
00:20:56: Und da kamen die Leute auf uns zu und sagten, ich würde gerne mal diese Wohnung sehen.
00:21:01: oder kannst du mir sagen, wen ich ansprechen will?
00:21:04: Ich hätte Interesse!
00:21:06: Und wir haben nur ein Monat geworben.
00:21:09: Und ich bin mir sicher, die Infrastruktur, die jetzt noch da ist, ist sehr attraktiv für viele.
00:21:15: Aber niemand denkt das.
00:21:17: wenn jemand zieht, zwei tausendstwo hundert dreißig Einwohner in der Stadt?
00:21:21: Ja dann denkt man Dorf aber wir haben ein Stadtcharakter nach wie vor und wir haben eine Infrastruktur die auch das vorherhält mit Hausärzten Zahnärzen Apotheke Post zwei Banken, drei Kindergärten, Schule.
00:21:36: Also das sind alles solche Sachen die ganz schön wesentlich sind zum Beispiel für junge Familien, die auch sagen ich habe keine Lust mehr in der Großstadt zu leben und diese Menschen kriegen wir!
00:21:47: Und dann natürlich durch die Künstlerstadt.
00:21:49: also wir haben ja auch schon zwanzig Leute nur durch unsere Arbeit nach Kalbe gezogen und wenn wir aber mehr Power hätten, Personalpower könnte ich mir durchaus vorstellen dass wir doch noch mal was anderes schaffen werden.
00:22:01: Also wir haben auch ein großes Projekt in Angriff genommen, um in der Altmark an zehn Orten die Welt noch mal bisschen zu drehen.
00:22:11: Das ging übers Bundesministerium.
00:22:13: Landheim hat innovativ leider sind nur bis zur zweiten Runde gekommen fand ich sehr bedauerlich.
00:22:18: Ich hätte es sehr gerne umgesetzt und ich kann mir vorstellen dass die Altenmark als Region auch so viel Potenzial hat das da noch viel mehr möglich ist.
00:22:29: Aber ich brauch Unterstützung.
00:22:30: Und zwar erstmal im Programm von Personal und zweitens im Programm vom weiteren Geld, wobei das Personal kann ja auch wiederum Geld generieren.
00:22:38: also das würde dann wahrscheinlich sich selbst tragen aber ich brauche erst mal dieses Personal.
00:22:44: Was würden Sie denn ändern?
00:22:47: Also meine Idee der Altmark ist im Grunde wir haben jetzt ganz viele Initiativen die schon da sind Und ich habe sehr große Sorge, dass die in den nächsten Jahren durchhalten werden.
00:23:00: Meine Idee wäre, die Altmark als Modellregion für soziale Innovation zu etablieren und zwar als europäische Modellrektion für sozialer Innovation.
00:23:11: und würde gerne im Grunde so verschiedene Hubs zu machen, weil manche sind sehr mit Ökologie beschäftigt.
00:23:18: Manche mit neuen Bauern, manches sind mit Schule, neue Schulsystemen
00:23:23: etc.,
00:23:24: beschäftigt manche Mitfreizeitgeschichten und dass man dort so verschiedene Inseln schafft Und dann im Grunde, die stärkt in ihren thematischen Gebieten und dann aber parallel noch eigentlich auch Menschen reinzieht in die Altmark.
00:23:39: Und zwar über Jugendbauhütten – das ist jetzt ein geschützter Begriff über den Denkmalschutz, aber ich könnte mir vorstellen dass man so eine Bauhütte macht, die halt eben wirklich mit jungen Menschen belegt wird über mehrere Jahre Parallel dazu moderierte Dorfentwicklung, dass man die Menschen befähigt und unterstützt.
00:24:00: Was wollt ihr mit eurem Ort machen?
00:24:02: Wie soll der aussehen?
00:24:03: Was fehlt euch?
00:24:04: Wie könnt Ihr im Grunde Eure Zukunft neu sehen?
00:24:08: Und dann noch kulturelle und kreative Angebote damit das Ganze vielleicht forciert wird oder nochmal pointiert wird oder dass dort halt immer auch nochmal ein Impuls von der Kulturside- oder Kunstseite reinkommt.
00:24:22: Mit diesen drei Interventionen Das war so das Konzept.
00:24:25: Würde ich gerne die Altmark an zehn Orten empowern und ich bin mir ziemlich sicher, dass funktioniert.
00:24:33: ja weil es sind ja schon eine ganze Menge Akteure da und die zu stärken jetzt auch in dieser Zeit ist total wichtig und ich würde es mir sehr wünschen, dass wir das wirklich bekommen könnten, weil ich sehe die Altmarkt in diesen drei Großstädten leerland sozusagen als ein Gewinn dass wir diesen Luxus der Lehre abschöpfen und neu gestalten können.
00:25:00: Das würde ich mir wirklich sehr wünschen, wenn da Unterstützung käme!
00:25:04: Und wir sind da sehr bereit, also eigentlich geht es ja nichts weiter darum als unser Konzept was hier in Keilbe schon seit dreizehn Jahren läuft nochmal ein bisschen zu skalieren.
00:25:14: Wir sanieren die Gebäude nicht mit jungen Leuten auch mit jungen Leuten aber eigentlich mit sechzig-siebzig hier reden und haben aber kulturelle Interventionen und wir haben halt eben die Internationalität die Befruchtung den Austausch und ich glaube, solche Sachen sind sehr gewinnbringend.
00:25:31: Und ich könnte mir auch neue Wirtschaftsideen für die Altmark vorstellen.
00:25:35: Wie gesagt an Ideen fehlt es nicht, es fehlt an Unterstützung.
00:25:39: Es fehlt an finanzieller Unterstützung durch Personal.
00:25:45: Ich würde es gerne machen und wir haben auch genügend Menschen in der Altmark sind, die darauf warten.
00:25:52: Im Rahmen dieses Antrags des Bundesministeriums habe ich Letter auf Intenz gesammelt völlig erstaunt, wie viel zusammenkam.
00:26:01: Ja von Initiativen aber auch von Organisationen also den Bunddeutsche Architekten Sachsen-Anhalt zum Beispiel oder die SALEG war toll.
00:26:11: ja wo ich gedacht habe Mensch da lässt sich noch viel mehr bewegen und wenn wir diese ganzen Kooperationen diese Vernetzung nutzen kann total was rauskommen.
00:26:21: Sachsen-Anhalt ist ja nun ein sehr ländliches Bundesland einfach und die Altmark ist nur ein Teil davon.
00:26:27: Die anderen Landkreise könnten sich von der Idee ein Stück abschneiden, oder?
00:26:30: Ja natürlich!
00:26:31: Also diese Idee... also wir sind aus dem Jahr den Niederlanden schon gefragt worden wie macht man eine Künstlerstadt?
00:26:39: Und im Jahr zwei Tausendsechzehn war so in der Diskussion auch mit der Kulturstiftung des Bundes ob ich nicht einen Handbuch freibe wie man eine künstler Stadt macht.
00:26:48: Unsere Sachen sind übertragbar, wir werden auch kopiert.
00:26:51: In vielen Sachen.
00:26:52: Benkefest zum Beispiel wurde auch hier in der Region schon von anderen kopiert – wunderbar!
00:26:58: Das ist doch klasse.
00:27:00: und ganz viele von unseren Ideen oder Ansätzen... Die kann ich gerne weitergeben, also das ist skalierbar und es ist übertragbar.
00:27:09: Und von daher finde ich das toll wenn man sich da im Grunde weiter austauscht.
00:27:14: jetzt war Professor Willingmann hier der Minister und da habe ich ihm auch gesagt Ich würde mir wünschen dass hier so eine kleine Akademie ein universitärer Anbindung ist wo es um die Entwicklung des ländlichen Raumes geht.
00:27:27: Also normalerweise sind alle immer in den Städten Bonn zum Beispiel wo ich dann denke, ja kriegen die überhaupt mit was hier läuft.
00:27:36: Und ich würde mir das sehr wünschen dass man viel näher an den Leuten dran ist und ich könnte mir auch vorstellen zum Beispiel so ein Reallabor zu etablieren oder halt eben diesen universitären Zweig hierzu faffen.
00:27:49: Haben Sie das Gefühl oder würden sie sagen, Sie haben so'n bisschen die Antwort auf einen demografischen Wandel gefunden?
00:27:57: Also ich denke, das weiß ich nicht.
00:27:59: Natürlich ist es erst mal noch ein Einzelfall aber so wie ich das im Moment erlebe, ist es auf jeden Fall erweiterbar.
00:28:07: Wie gesagt einen Monat einundzwanzig und wir haben wirklich richtig viel Resonanz gekriegt von vielen Leuten die Anrufene haben und gefragt haben wenn ich mir vorstellen würde ich hätte fünf Leute da könnte eine ganze Menge mehr passieren oder wenn man dann wirklich nochmal ganz anders Werbung macht und wirklich auch Start-ups reinbringt.
00:28:27: Und mit dem Gründerzentrum, ich habe neulich mit jemandem gesprochen den habe ich kennengelernt dürfen bei der Landesvertretung und da habe ich gesagt wunderbar Sie müssen unbedingt mal nach Kalk kommen!
00:28:36: Ich würde gerne hier so ein Gründersentrum schaffen und würde gerne auch im Grunde ganz neu über Handwerk nachdenken was hier sich etablieren könnte.
00:28:46: Wir hatten auch schon mal solche Unternehmungen gestartet, weil uns auch wirklich ein ganze Tischlerei angeboten worden ist.
00:28:52: Und das tat mir in der Seele weh!
00:28:54: Wir konnten es nicht nehmen, weil wir nicht die Plätze haben um diese vielen Maschinen zu stellen.
00:28:59: aber so eine Möglichkeit besteht ja immer weiter auch weil immer mehr Handwerksbetriebe aufgeben müssen und keine Nachfolger finden.
00:29:06: dann aber neu zu überlegen was kann man anders machen mit diesem Handwerk?
00:29:10: Und wir hatten schon Ideen.
00:29:12: also hier kommen ja zum Beispiel auch Fachwerkhäuser komplett noch auf die Deponie.
00:29:16: Das ist eine riesen Schande, wo man dann auch denkt tolles Holz, Leben alles recycelbare Stoffe und könnte wirklich ganz neu solche Dinge durchdenken und auch neue Wirtschaftszweige entwickeln.
00:29:29: Und zwar hier vor Ort ganz nah.
00:29:31: Wir
00:29:31: hatten da gerade eben schon mal kurz drüber geredet um auf dem Land anzukommen es braucht Wohnungen Es braucht Jobs Kita Schule All das Brauchskunst
00:29:44: Ja, auf jeden Fall.
00:29:45: Also ich denke ohne Kunst wird es ziemlich farblos!
00:29:49: Die Kunst reflektiert unser Sein und erweitert das.
00:29:53: Und wenn wir im Grunde keine Kunst hätten würden wir verarmen... Man erinnert sich noch so ganz dünn daran, wie es zu Corona-Zeiten war.
00:30:03: Ja da schrie die ganze Gesellschaft Oh ich kann nicht mehr ins Theater gehen, nicht ins Kino gehen Ich kann nicht zur Ausstellung gehen.
00:30:10: Das ist jetzt mittlerweile völlig veräppt!
00:30:12: Man wundert sich nur aber Es war ein Bedürfnis und zwar wenn's weg ist Und zwar total weg ist haben alle gemerkt was fehlt.
00:30:21: Es ist einfach ein notwendiges Mittel auch des menschlichen Ausdrucks den wir brauchen und den wir nutzen müssen.
00:30:29: Und auch, ja, den wir für unser Sein einfach verwenden.
00:30:34: Wir haben schon immer im Grunde irgendwie uns kunstvoll künstlerisch ausgedrückt.
00:30:40: Also Formen gefunden die Ideen, die Dinge, die uns bewegen nach draußen zu bringen.
00:30:45: Höhlenmalereien sind uralt, Jahrtausende alt und sind Ausdruck von diesen Menschen, die damals das wiedergeben wollten was sie bewegt haben.
00:30:55: Und das brauchen wir.
00:30:56: Wir brauchen Ausdruck, wir kriegen im Moment sehr viel Eindruck und haben ganz wenig Ausdrucksmöglichkeiten und irgendwann implodiert man, glaube ich.
00:31:06: Das sind dann so Sachen wo es in die Aggression geht oder wo man dann verknürscht wird oder depressiv.
00:31:13: Ich glaube mir brauchen immer auch Formen des Ausdrugs.
00:31:16: Was passiert denn mit Orten, wo künstliche Angebote verschwinden?
00:31:20: Die werden langweilig Und die werden nicht mehr attraktiv.
00:31:23: Es gab es in den Siebzigerjahren im Baden-Württemberg, da hat man Dorfgemeinschaftshäuser geschlossen und diese Orte sind dann richtig gehend gestorben weil da überhaupt keine Veranstaltungen stattfand kein Gemeinschaftserleben mehr, keinen Theater, keinen Spieleabenden, nix, ja, kein Konzert.
00:31:40: Diese Orte werden auch nicht mehr attractiv empfunden von Menschen, die irgendwo aufs Land ziehen, weil sie dann sagen Ja, schlafen kann ich auch woanders?
00:31:49: Man braucht am Grunde Anregung auch ein Stück weit dieses Erweitende, was halt eben durch Kunst und Kultur passiert.
00:31:57: Wir
00:31:57: haben jetzt viel über Gesellschaft geredet, über den ländlichen Raum aber wir müssen ja auch ein bisschen auf die Wahl gucken, die vor uns steht.
00:32:04: Die verschiedenen Parteien haben ja ganz unterschiedliche Ideen wie sie mit der Kulturförderung oder Kunstförderung umgehen wollen.
00:32:09: Die AfD spricht da zum Beispiel von einer patriotischen Kulturpolitik und deutscher Kultur.
00:32:15: Würde die Künstlerstadt noch so funktionieren unter diesen Aspekten?
00:32:20: Nein
00:32:20: Das war eindeutig.
00:32:22: Ja, also ich verstehe auch gar nicht was damit gemeint ist.
00:32:26: Also was eine deutsche Kultur?
00:32:28: Deutschland war schon immer ein Land wo viele Kulturen gelebt haben und deswegen geht das nicht und man kann auch nicht Kunst und Kultur beschneiden.
00:32:38: Also dass es ja genau das was wir brauchen, dass sie nämlich frei ist und es steht ja zum Glück im Grundgesetz und das muss auch frei bleiben Ja, es muss eine Kunstfreiheit geben und eine Kulturfreiheit.
00:32:51: Und man muss das ausdrücken dürfen was wirklich auch in dem Moment wichtig ist und nicht sich beschneiden lassen.
00:32:59: Das ist ganz fürchterlich.
00:33:01: ich kann mir ehrlich gesagt auch gar nicht vorstellen ob dann wirklich irgendjemand unsere Sommerkampus zensiert würde oder so.
00:33:08: keine Ahnung wie das funktionieren könnte.
00:33:11: wir werden im Grunde weitermachen so wie wir denken dass Kunst und Kultur gelebt werden muss.
00:33:17: Wir lassen uns da, glaube ich, wenig
00:33:18: beirren.".
00:33:19: Wir schauen jetzt nochmal ganz bisschen in die Zukunft noch weiter – die Wahl ist schon vorbei, zehn, zwanzig Jahre vielleicht sogar in der Zukunft!
00:33:25: Wie würden Sie sich wünschen, dass die Künstlerstadt dann aussieht?
00:33:37: tollen Menschen, die hier reinkommen und sich austauschen und sich begegnen.
00:33:42: Und auch eine Wirkung in der Stadt und der Region hinterlassen.
00:33:46: Wie sollte die Altmark aussehen?
00:33:49: Ich würde mir wirklich wünschen natürlich wenn die Wahl so wird wie sie prognostiziert wird dann weiß ich es nicht so richtig wie das sich entwickeln wird.
00:33:59: also es wird auf jeden Fall mehr Widerstand geben.
00:34:02: und wünschten würde ich es mir trotzdem so dass Wir, diese verrückten Ideen die da auch existieren und von denen ich aber ziemlich sicher bin dass sie funktionieren könnten trotzdem leben können.
00:34:15: Und zwar auf irgendeine Weise also still und heimlich leise im Hintergrund im Untergrund keine Ahnung.
00:34:24: Also auf jeden Fall das wir weiter daran arbeiten können und dann wirklich diese Vision von einer wirklich tollen Landschaft die Potenzial hat für weit mehr mit wirklich auch engagierten Leuten, das wir die weiterhin behalten.
00:34:40: Das ist ein schönes Bild
00:34:42: für
00:34:43: in zehn Jahren!
00:34:45: Vielleicht auch in der nahen Zukunft?
00:34:47: Wir bei zwei Komma eins Millionen haben ja immer so ein kleines Abschlussritual am Ende drei Fragen.
00:34:51: Die kriegen natürlich auch Sie.
00:34:53: Die erste wäre was sind denn für sie die entscheidenden Themen in diesem Wahljahr?
00:35:00: Na ja, eigentlich sind es wirklich immer diese prominenten Sachen von der AfD die im Grunde gerade durchgekaut werden.
00:35:07: Dabei denke ich gibt's eigentlich noch ein Haufen anderer Themen über die im Moment überhaupt niemand nachdenkt und das merke ich auch immer wieder dass das ganz schön schwierig ist weil viele Themen dadurch einfach überhaupt nicht mehr beachtet werden, die aber wichtig sind zu diskutieren.
00:35:25: Welche
00:35:25: Themen?
00:35:27: Wir haben einen Altersdurchschnitt von forty- acht Jahre in der Altmark.
00:35:32: Das ist sehr alt und kein Mensch denkt über neue Wohnmöglichkeiten für alte Menschen, Senioren oder auch über die sehr wahrscheinlich wachsende.
00:35:42: Demenzzahl.
00:35:44: Es wird überhaupt darüber nicht nachgedacht, es wird gar nicht weiter gedacht wie Mobilität noch verbessert werden kann.
00:35:50: also wir haben glaube vor fünf Jahren mit Easy Mile uns kontaktiert und wollten da schon ein Bundesprojekt machen um autonomes Fahren hier in die Altmarkt zu bringen.
00:36:00: das denke ich müssen wir dringend machen ja muss viel stärker auch gefördert werden um halt eben die Erreichbarkeit zu gewährleisten Oder dann halt eben auch diese ganzen Initiativen zu stärken, müssen auch andere Strukturen geschaffen werden als die bisherigen.
00:36:17: Ja wir haben keine guten Strukture für ehrenamtliches Engagement.
00:36:22: da fehlt ganz viel wo im Grunde eigentlich auch machbar wäre.
00:36:27: ja es gibt anderen Bundesländer die da weiter sind solche Dinge das fehlt völlig oder halt immer auch Kinder und Jugendliche.
00:36:34: Wir machen ja Kinder und Junglichen Arbeit Und ich bin immer wieder völlig erstaunt, wie viel Resonanz das kriegt und wie wenig hier im ländlichen Raum noch angeboten wird.
00:36:45: Natürlich mit den Akteuren die hier sind immer wieder auch uns vernetzen und uns stärken und auch Dinge zusammen machen.
00:36:51: aber es könnte noch viel mehr laufen weil eigentlich sind ja Kinder und Jugendliche unsere Zukunft.
00:36:56: Ja
00:36:57: würden Sie sagen die Wahl ist eine Schicksalswahl?
00:37:00: Was ist Schicksal?
00:37:03: Also, ich denke es wird bestimmt nicht leicht.
00:37:06: Ich bin grundlegend ein optimistischer Mensch und denke immer mal sehen wie weit wir unsere Dinge trotzdem machen können.
00:37:14: Und ich wünsche mir auch dass viele Themen die trotzdem noch dringend behandelt werden, auch wie Klimasachen, trinkt dann trotzdem noch auf den Tisch kommen.
00:37:25: Es wird schwierig!
00:37:27: Ich denke manchmal eher so, dass ich denke zehn Jahre müssen wir durchhalten bis viele verstanden haben.
00:37:33: Das war ein Holzweg und dann gibt es eine neue Episode.
00:37:38: Und dann sehen wir mal was übrig geblieben ist.
00:37:42: Ich denke nicht das die Künstlerstadt da so füchterlich drunter leiden wird.
00:37:46: Wir haben sehr gute Netzwerke und Systeme zur Unterstützung aber viele von den kleineren Initiativen und das täte mir sehr leid weil weiß ich nicht, ob die das durchhalten zehn Jahre.
00:38:00: Wo
00:38:01: steht Sachsen-Anhalt am Ende des Jahres?
00:38:04: Ich denke im Chaos!
00:38:07: Es wird wahrscheinlich fürchterlich chaotisch hergehen weil die Frage ist wirklich wer regiert dann?
00:38:14: wie wird regiert?
00:38:15: wer schließt sich mit wem zusammen?
00:38:17: und Ich glaube, es wird ein füchterlich chaotischer Start werden.
00:38:22: Ich denke das beruhigt sich nicht vor April-Mai nächsten Jahres.
00:38:29: Okay!
00:38:30: Danke Frau Köbele, dass wir heute in ihrem Wohnzimmer sein durften.
00:38:33: Das war es schon mit unserem Podcast – zwei Komma eins Millionen!
00:38:36: Ich empfehle jeden Mal die Künstlerstadt zu besuchen wer's im Hinterkont gehört hat.
00:38:41: Frau Koebele hat ein wunderschönes Windspiel auf dem Balkon hangt.
00:38:44: das hört man immer mal.
00:38:45: aber was sind denn die nächsten Veranstaltungs-Tipps bei Ihnen?
00:38:48: Ja natürlich einmal die Atelierrundgänge.
00:38:50: Wir haben wirklich sehr hochwertige zeitgenössische Kunst zu sehen und zu erleben.
00:38:55: dann aber auch der Pen Berlin kommt das Ordersbach und Valerie Schönian.
00:39:01: dabei wird bestimmt eine tolle Veranstaltung.
00:39:04: Und Wissenschaft für Demokratie ist hier mit zwei Veranstaltungen.
00:39:08: einmal zu mythen um Medizin, und zum Mythen um Klima und Energie – und da auch ganz herzliche Einladung!
00:39:16: Sehr schön, danke!
00:39:17: Und danke auch an euch liebe Zuhörer dass ihr wieder dabei wart bei zwei Komma eins Millionen.
00:39:22: Wir sind der Politik Podcast von Enzette und Volkstimme im Bahia in Sachsen-Anhalt Falls ihr gern was dazu sagen wollt zur Künstlerstadt oder auch allgemein zur Kulturförderung dann schreibt uns doch gerne eine E-Mail an podcastatvolkstimmen.de Oder kommentiert einfach unter der Folge wir lesen alles und somit nochmal Danke fürs zuhören.
00:39:42: das Team hinter dem Podcast Die für Host sind Lena Bellon, Max Hunger, Jan Schumann und ich Elisa Schulz.
00:39:51: Redaktion Frank Rogulis.
00:39:53: Mitarbeit Frank Krause, Zillgerloff, Anna Holski und Gregor Rittmeier.
00:39:59: Grafik Tobias Bückner.
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